EU-Fischereipolitik auf dem Prüfstand
Die aktuelle Evaluierung der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) durch die EU-Kommission zeigt: Die GFP bleibt ein wesentliches Instrument der EU-Politik zum Schutz der marinen biologischen Ressourcen, doch eine vollständige Umsetzung durch die Mitgliedstaaten fehlt.
Die Europäische Kommission hat in den letzten Monaten die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) evaluiert. Sie bildet den Rechtsrahmen der Europäischen Union, um sicherzustellen, dass Fischereiaktivitäten nachhaltig erfolgen und wirksam kontrolliert werden. Die Kommission kam zu dem Ergebnis, dass die GFP nach wie vor zweckmäßig ist. Wo sie konsequent umgesetzt wurde, hat die GFP in den letzten zehn Jahren unter anderem zur Erholung einiger Fisch-Populationen sowie zur Einrichtung von Fischereiverbotszonen beigetragen.
Die Kommission betonte zudem, dass vor allem beim Erfassen von Beifängen Fortschritte erzielt wurden. Allerdings reichen die im Rahmen des Data Collection Frameworks (DCF – Erhebung von Fischereidaten) gesammelten Daten weiterhin nicht aus, um ein angemessenes Monitoring der Beifänge für sogenannte "empfindliche Arten" (geschützte Haie, Rochen, Korallen, Meeresschildkröten, Seevögel und Meeressäugetiere) zu gewährleisten.
18.500 Quadratkilometer Fischereiverbotszonen in der Ostsee
Als weiterer wichtiger Aspekt für den Schutz dieser Arten wurde die Einrichtung von Fischereiverbotszonen hervorgehoben. Diese Zonen sind ein wesentliches Instrument zum Schutz von Walen und Delfinen sowie anderen empfindlichen Arten. In Deutschland gibt es mehrere Gebiete, die teilweise oder ganzjährig für die Fischerei gesperrt sind. Solche Verbotszonen können auch innerhalb der nationalen Hoheitsgewässer (bis zu 12 Seemeilen vor der Küste) eingerichtet werden; Schleswig-Holstein hatte erst kürzlich solche Maßnahmen umgesetzt.
In der Ostsee umfassen die temporären oder ganzjährigen "No-take-zones" inzwischen 18.500 Quadratkilometer.
Mangelnde Umsetzung mit gefährlichen Folgen
Die EU-Kommission machte in ihrer Evaluierung jedoch ebenfalls deutlich, dass die GFP nicht überall ausreichend oder effektiv umgesetzt wird: Im Laufe der Jahre gab es einen Rückgang des Anteils gesunder Fisch-Populationen – nicht nur im Schwarzen Meer und den Gewässern der Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) von Irland, Großbritannien und Nordfrankreich, sondern auch in der Ostsee.
Trotz mahnender Stimmen aus der Wissenschaft und von Umweltorganisationen – darunter WDC – blieben die im Herbst 2025 durch die EU-Fischereiminister:innen beschlossenen Maßnahmen und Fangquoten für die Ostsee hinter den Empfehlungen der EU-Kommission sowie den Forderungen der NGOs zurück.
Verbesserung beim Beifang-Monitoring dringend notwendig
Bezüglich des Beifangs empfindlicher Arten, zu denen auch Wale und Delfine zählen, fordert WDC seit Jahren Verbesserungen beim Beifang-Monitoring. Ein effektives Monitoring stellt sicher, dass Fangbeschränkungen eingehalten werden und verlässliche Daten zu Beifangraten in verschiedenen Meeresregionen vorliegen. Gleichzeitig trägt es dazu bei, gezielte Schutzmaßnahmen für gefährdete Arten zu entwickeln, was für den Ostsee-Schweinswal dringend notwendig ist.
Das Beifang-Monitoring hängt unmittelbar von den Anstrengungen der Mitgliedstaaten bei der Fischereikontrolle ab: Diese Kontrollen sind entscheidend, um die Durchsetzung wichtiger Vorschriften wie der sogenannten Anlandeverpflichtung, die Einhaltung von Fischereiverbotszonen und den wirksamen Schutz empfindlicher Arten sicherzustellen.
„In den letzten zehn Jahren hat sich die GFP immer dann als wirksam erwiesen, wenn sie konsequent umgesetzt wurde und auf dem ökosystemorientierten Ansatz sowie dem Vorsorgeprinzip basierte. WDC und Partner-Organisationen im Rahmen der Seas-at-Risk-Koalition setzen sich seit Jahren für die vollständige Umsetzung der GFP ein. Die Anstrengungen zur Verbesserung des Zustands von Fischpopulationen und Meeressäugern müssen verstärkt werden, während gleichzeitig ambitioniertere Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung der Meeresökosysteme erforderlich sind.“
Marine Perrin, Politikberaterin bei WDC Deutschland
Effektive Umsetzung statt Reform
Eine grundlegende Reform der GFP, wie sie einige Mitgliedsstaaten – darunter Spanien – fordern, würde den Weg für jahrelange politische Lähmung ebnen – mit dem Risiko, dass am Ende ein reformierter Rahmen entsteht, der nicht geeignet ist, die biologische und klimatische Krise zu bewältigen, die Meeresökosysteme und Küstengemeinden gleichermaßen betrifft.
WDC und Seas At Risk wenden sich an die zuständigen Minister:innen und fordern eine effektive Umsetzung der bestehenden Regeln und bringen sich aktiv in politische Prozesse ein.
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