Mexiko verbietet die Haltung von Walen und Delfinen
Die mexikanische Regierung hat mit einem neuen Gesetz das Ende der Gefangenschaftshaltung von Meeressäugern eingeleitet. Die geschätzt 350 betroffenen Delfine sollen weiterhin bis zu ihrem natürlichen Tod gepflegt, versorgt und – wenn möglich – in Meeresrefugien umgesiedelt werden.
In einem wegweisenden Schritt für den Schutz von Walen, Delfinen und anderen Meeressäugern hat die mexikanische Abgeordnetenkammer Ende Juni einstimmig eine Gesetzesänderung verabschiedet, die die Gefangenschaftshaltung von Meeressäugern in Mexiko deutlich einschränkt. Kurz zuvor hatte der Senat dem Vorhaben zugestimmt. Mit der neuen Regelung ist es ab sofort nicht mehr erlaubt, Delfine, Wale und Robben in festen oder mobilen Shows einzusetzen. Das Gesetz verbietet auch den Wildfang, die Zucht der Meeressäuger sowie Schwimmen-mit-Delfinen-Programme in Gefangenschaft. Jedoch wird die Gefangenschaftshaltung von Meeressäugern für Zwecke der wissenschaftlichen Forschung, des Schutzes der Arten oder ihrer Wiederansiedlung in der Natur weiterhin gestattet.
"Beim Verbot der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen wird leider oft ein Schlupfloch für Forschung und Artenschutz offen gehalten, so beispielsweise in Frankreich und nun auch in Mexiko. Es ist jedoch eine erfreuliche Entwicklung in einem Land, das in den 90er Jahren vor allem durch den alleinlebenden Orca Keiko bekannt wurde. Keiko lebte in Mexico City, spielte in den Free-Willy-Filmen mit und konnte schließlich in Island wieder ausgewildert werden, wo er in Freiheit sterben durfte."
Tamara Narganes Homfeldt, Meeresbiologin bei WDC
Diese Entscheidung stellt einen bedeutenden Fortschritt im Tier- und Naturschutz dar und sendet ein starkes Signal gegen die kommerzielle Nutzung von Meeressäugern. Mexiko reiht sich damit neben Costa Rica und Chile in die wachsende Zahl von Ländern Mittel- und Südamerikas ein, die sich für eine tierfreundlichere Zukunft engagieren.
Sensibilität für Leid in Gefangenschaft wächst
Das neue Gesetz in Mexiko fällt in eine Zeit, in der das Bewusstsein für das Leid von Meeressäugern in Gefangenschaft weltweit wächst. Erst vor Kurzem ist der letzte in Gefangenschaft gehaltene Amazonas-Flussdelfin, "Huayrurín", im Zoologischen Park Quistococha in Peru mit 19 Jahren an einem Herzstillstand verstorben. 2016 wuchs die Kritik an Huayruríns Haltungsbedingungen, nachdem er sich an den unebenen Wänden seines Beckens verletzt hatte. Der Delfin verbrachte nahezu sein ganzes Leben in Gefangenschaft, nachdem seine Mutter in einem Fischernetz gestorben ist und er 2007 mit nur sechs Monaten alleine aufgefunden wurde.
"2020 starb der letzte außerhalb Südamerikas gehaltene Flussdelfin "Baby" im Duisburger Zoo. Mit Huayruríns Tod ist die traurige Ära der Haltung von Flussdelfinen in Gefangenschaft jetzt endlich beendet. Umso wichtiger ist es, aus unseren vergangenen Fehlern zu lernen und das Überleben der Flussdelfine in freier Wildbahn zu sichern: Denn die Meeressäuger sind vor allem durch die Auswirkungen der Klimakrise bedroht. Statt in Delfinarien müssen wir sie in ihrem natürlichen Lebensraum schützen."
Tamara Narganes Homfeldt, Meeresbiologin bei WDC
WDC setzt sich seit rund drei Jahrzehnten für den Schutz der Flussdelfine ein. Wir arbeiten eng mit lokalen Organisationen und Gemeinden in Kolumbien, Bolivien und Peru zusammen, um unter anderem wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten.
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