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Blauwal © Shutterstock / Chase Dekker
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Mysterium Blauwal – neue Studien zum größten Säugetier der Erde

Ulla Christina Ludewig

Ulla Christina Ludewig

Ulla setzt sich im deutschen und internationalen WDC-Team für die Schließung von Delfinarien und verantwortungsbewusste Wal- und Delfinbeobachtung ein.

Blauwale sind faszinierende Lebewesen – und doch wissen wir relativ wenig über sie. Forschende weltweit arbeiten intensiv daran, ihre Geheimnisse zu lüften. Neue Studien zu Genetik, Verhalten und Lebensweise der Giganten stelle ich Ihnen heute in meinem Blog vor.

Der Blauwal (Balaenoptera musculus) ist das größte Tier, das je auf unserem Planeten gelebt hat. Weltweit gibt es nur noch ungefähr 10.000 bis 25.000 Individuen. Sie sind heutzutage vor allem durch Meeresverschmutzung und Schiffskollisionen bedroht und wurden durch den Walfang stark dezimiert. Blauwale haben aber auch einen natürlichen Feind: den Schwertwal. Forschende haben bereits in der Vergangenheit herausgefunden, dass Blauwale – ebenso wie Finn- und Brydewale – zu den "Fluchtwalen" gehören. Im Gegensatz zu den "Kampfwalen" wie dem Atlantischen Nordkaper, Grönland- und Buckelwal, versuchen sie den Feinden zu entkommen, anstatt sich ihnen entgegenzustellen und sich zu verteidigen. Eine neue Studie der University of Washington in Seattle (USA) hat nun ergeben, dass sich die "Fluchtwale" auch akustisch vor den Feinden "verstecken". Die Forschenden verglichen die Ruffrequenzen und den Schalldruck der Gesänge aller bekannten Bartenwal-Arten mit dem Hörbereich von Schwertwalen. Dabei stellte sich heraus, dass ihre Gesänge mit unter 100 Hertz in einem Frequenzbereich liegen, den Schwertwale kaum hören können. Beträgt die Distanz mehr als einen Kilometer, sind die Bartenwale für sie akustisch nicht mehr wahrnehmbar.

Blue whale
Blauwal-Mutter (rechts) mit Baby ©Lucy Molleson
Wo sind die Blauwal-Babys?

Eine weitere Studie der University of Washington, die im Februar publiziert wurde, beschäftigt sich mit der Frage, warum nur selten Blauwal-Mütter zusammen mit ihren Babys gesichtet werden. Verschiedene Theorien wie niedrige Geburtenraten, niedrige Überlebenschancen der Jungtiere und Trennung der Babys von ihren Müttern etwa durch Feinde wurden in Betracht gezogen. Obwohl auch andere Faktoren eine Rolle spielen, zeigt die Studie, dass Jungtiere vor allem im Herbst und Winter geboren werden – also kurz nachdem die Wale ihre Nahrungsgebiete verlassen haben und von Forschenden kaum noch beobachtet werden können. Bis sie dann im nächsten Sommer wieder in den Nahrungsgebieten auftauchen, sind sie bereits entwöhnt und nicht mehr als "Mutter-Jungtier-Paar" erkennbar. Dies unterscheidet sie deutlich von beispielsweise Grindwalen, die mehr als zwei Jahre lang von ihren Müttern gesäugt werden.

Doch nicht nur das Verhalten der Blauwale gibt Forschenden teilweise noch Rätsel auf, sondern auch die genetische Vielfalt und die Frage, wie viele Unterarten des Blauwals es gibt. Weltweit findet man verschiedene Populationen von Blauwalen in verschiedenen Gebieten. Um eine Unterart zu definieren, müssen diese sich in der Genetik, der von ihnen genutzten ökologischen Nische und/oder dem Verhalten sowie durch körperliche Merkmale (=morphologisch) stark genug voneinander unterscheiden. Jedoch handelt es sich nach wie vor oft um eine Frage der Definition. So kommt es nicht selten vor, dass sich Taxonom:innen untereinander, aber auch Konventionen wie die Internationale Walfangkommission IWC und Organisationen wie die Weltnaturschutzunion IUCN beispielsweise bei der Anzahl an Unterarten einer Art nicht einig sind. Wir bei WDC orientieren uns immer an den Arten-Klassifizierungen der IUCN.

Blauwal an der Wasseroberfläche
Blauwal an der Wasseroberfläche ©Andrew Sutton
Wie viele Blauwal-Unterarten gibt es?

Laut einer Studie, die Ende 2024 veröffentlicht wurde, unterscheiden sich die Blauwal-Populationen im Nordatlantik und Nordpazifik deutlich. Sowohl genetische Analysen als auch Untersuchungen von Verhalten und Kommunikation haben starke Abweichungen ergeben. Daher schlagen die Forscher:innen vor, die zwei Populationen der Nördlichen Hemisphere als zwei eigene Unterarten zu klassifizieren: Nordatlantischer Blauwal (Balaenoptera musculus musculus) und Nordpazifischer Blauwal (Balaenoptera musculus sulfureus).

Die IUCN führt bisher nur eine bestätigte Unterart auf ihrer Webseite: den Antarktischen Blauwal (Balaenoptera musculus intermedia), der als extrem gefährdet eingestuft wird. Antarktische Blauwale sind wesentlich größer als andere Unterarten, schwimmen lange Strecken und halten sich im Sommer in der Antarktis auf. Laut IUCN gibt es von dieser Unterart ungefähr 3.000 ausgewachsene Individuen.

Folgende Unterarten wurden darüber hinaus von der Wissenschaft vorgeschlagen, sind aber bisher noch nicht offiziell von der IUCN bestätigt:

  • Der Nördliche Blauwal (B. m. musculus), der sein Verbreitungsgebiet im Nordatlantik und Nordpazifik hat. Die oben genannte Studie schlägt vor, diese Unterart in Nordpazifischen und Nordatlantischen Blauwal zu trennen. Letztere würde den lateinischen Namen dann beibehalten.
  • Der Zwergblauwal (B. m. brevicauda) ist im Indischen Ozean von Afrika und Madagaskar bis nach Indonesien und Australien sowie im südwestlichen Pazifik (einschließlich Tasmanien und Neuseeland) verbreitet. Die Individuen weisen eine Reihe morphologischer Merkmale auf, die sie von der Nördlichen und der Antarktischen Unterart unterscheiden.
  • Die Unterart Nördlicher Indischer Ozean Blauwal (B. m. indica) lebt in den Gewässern zwischen Somalia und Süd-Arabien bis zur Südwestküste Indiens und vor den Küsten Sri Lankas. Diese Blauwale könnten aufgrund ihres Verbreitungsgebietes eine eigene Unterart bilden, eine genetische Unterscheidung konnte allerdings noch nicht nachgewiesen werden.
  • Eine weitere Unterart hat bisher noch keinen lateinischen Namen bekommen: der Chilenische Blauwal. Diese Individuen unterscheiden sich genetisch sowohl vom Antarktischen Blauwal als auch dem Zwergblauwal und ordnen sich, was die Körpergröße betrifft, zwischen diesen beiden Unterarten ein.

Wussten Sie ...?

... dass Blauwal-Babys bis zu 250 Liter Milch pro Tag trinken? Mehr spannende Fakten und ein tolles Video finden Sie in unserem Artenführer.

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