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Schweinswal im Netz © Greenpeace

Ein Feiertag für den Schweinswal?

Am 19. Mai feiern wir den Internationalen Tag des Ostsee-Schweinswals. Dabei hat der kleinste Vertreter...
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Ein Feiertag für den Schweinswal?

Am 19. Mai feiern wir den Internationalen Tag des Ostsee-Schweinswals. Dabei hat der kleinste Vertreter der Wale in der zentralen Ostsee wenig Grund zum Feiern: Denn für die letzten rund 450 Schweinswale geht es um Leben und Tod.  

"Bei uns gibt es auch Wale! Die sind klein und man sieht sie fast nie, aber manchmal schwimmen sie auch in unsere Flüsse”, weiß der siebenjährige Leopold, eines der zwölf Kinder, die meinen Plastikmüll-Workshop im Hort unserer örtlichen Grundschule besuchen. Das erstaunt mich. Hier im tiefsten Süden Deutschlands, fast 1.000 Kilometer vom Meer entfernt, ist  der Schweinswal. anscheinend kein Unbekannter. 

Das hat mich vor allem deshalb beeindruckt, weil – Hand auf’s Herz – der Schweinswal sicher nicht die erste Art wäre, die Ihnen in den Sinn kommt, wenn Sie an Wale und Delfine denken, oder? Vermutlich Buckelwale, Orcas, Große Tümmler oder vielleicht Blauwale? Im Vergleich zu den akrobatischen Delfinen und imposanten Großwalen gehen die scheuen kleinen Schweinswale oft unter. Das liegt sicherlich auch daran, dass man nur mit viel Glück einen Blick auf sie erhaschen kann... 

Dieses Glück hatte Ulla von WDC während ihrer Reise an die Ostseeküste Norddeutschlands. In diesem Video konnte sie die Begegnung festhalten. 

In den Küstengewässern zuhause 

Die kleinen Wale suchen die Nähe zur Küste oder Buchten, Flussmündungen und Gezeitenkanälen auf, die weniger als 200 Meter tief sind. Gelegentlich schwimmen sie tatsächlich auch in Flüsse hinein, was in Elbe, Weser und Jade in den letzten Jahren wieder häufiger vorkam. Mit ein wenig Glück kann man sie vom Ufer aus sehen, vor allem vor Sylt, Fehmarn und Wilhelmshaven und gelegentlich auch in der Kieler Förde. Obwohl es einige Hinweise auf Nord-Süd-Wanderungen gibt, scheinen die meisten Schweinswale einen bestimmten weiträumigen Lebensraum zu bevorzugen.   

Dabei springen sie selten und lassen meistens nur ihre dreieckige Rückenflosse sehen. Die kleinen Wale sind Einzelgänger, die Wal-Babys schwimmen jedoch Seite an Seite mit ihren Müttern. Lediglich zur Paarungszeit finden sich Schweinswale vorübergehend in kleinen Gruppen zusammen.  

Ein Schwein unter Walen?  

Mit seinen rund 76 Kilogramm ist der Schweinswal ein echtes "Fliegengewicht" unter den Walen – zum Vergleich: Buckelwale bringen 36 Tonnen, Blauwale sogar bis zu 190 Tonnen auf die Waage. Dabei zählt der kleine Wal zu den Zahnwalen, denen fast 90 Prozent aller Walarten angehören. Im Vergleich zu anderen Zahnwalen hat er eine geringere Lebenserwartung, pflanzt sich aber häufiger fort: Weibliche Schweinswale bringen jedes Jahr ein Jungtier zur Welt. 

Ihren Namen verdanken Schweinswale übrigens dem Geräusch, das sie bei der Ausatmung an der Wasseroberfläche erzeugen: In den Ohren des griechischen Wissenschaftlers und Philosophen Aristoteles klang das wie ein Schnaufen von Schweinen. Im Laufe der Zeit verwandelte sich dann das "Meerschwein", wie er den kleinen Wal taufte, in den "Schweinswal". Die Verständigung der Meeressäuger untereinander findet allerdings unter Wasser statt – sie verfügen über ein großes Spektrum von Klicklauten.

Schweinswal
Die dreieckige Rückenflosse ist typisch für den Schweinswal. © WDC

Lebenserwartung halbiert 

Theoretisch können Schweinswale bis zu 25 Jahre alt werden. In der Realität erreichen sie meist nur ein Alter von zehn bis 13 Jahren. Das liegt vor allem an den Gefahren, denen wir Menschen sie aussetzen. In kaum einem Gebiet können sie ungestört ihrem natürlichen Verhalten nachgehen. Wie kann das sein? 

Unterwasserlärm durch Schiffsverkehr, den Bau von Windkraftanlagen, der Förderung von Öl und Gas sowie militärisches Sonar stören die Orientierung und Kommunikation der Wale. Der extreme Lärm schädigt die feinen Gehörknöchelchen und kann zu Taubheit oder sogar zum Tod führen. Die Verschmutzung der Meere durch Chemikalien, wie zum Beispiel Düngemitteln und Müll, wirkt sich negativ auf die Gesundheit und Fortpflanzungsfähigkeit der Meeressäuger aus. Nicht zuletzt sorgt der Klimawandel dafür, dass sich ihre Lebensräume und das Nahrungsangebot verändern. 

Die Fischerei – der Endgegner 

Der Endgegner für Schweinswale ist allerdings ganz klar die Fischerei: Einerseits schrumpft dadurch das Nahrungsangebot rapide. Die Populationen von Dorsch und Hering in der Ostsee sind maßlos überfischt – ob sie sich je wieder erholen können, ist fraglich. Andererseits verfangen sich Schweinswale vor allem in Stellnetzen und sterben einen qualvollen Tod, wenn sie sich nicht rechtzeitig befreien können, um zum Atmen an die Meeresoberfläche zu schwimmen. Das Problem: Da die Netze kein Echo erzeugen, können die kleinen Meeressäuger sie nicht orten. 

Schweinswal
Dieser tote Schweinswal zeigt Netzmarken an seinem Maul, die auf einen Tod durch Beifang hinweisen. © I. Hoppmann-Hornburg / Schweinswale e.V.

Jeder tote Wal ist einer zu viel 

Die genetisch eigenständige Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee ist dadurch besonders bedroht: Nur mehr rund 450 Individuen sind von ihr übrig. Jeder Schweinswal, der stirbt, ist mehr, als die Population verkraften kann. Derzeit sterben jährlich geschätzt drei bis sieben Schweinswale als Beifang in der Ostsee-Stellnetzfischerei. Ist das Schicksal des kleinen Meeressäugers in der zentralen Ostsee damit besiegelt...? 

Es ist nicht so, als wären dies Neuigkeiten für die Entscheidungsträger:innen in der Politik Deutschlands und der EU. Nein, dass der Schweinswal dringend geschützt werden muss, ist in den Gesetzen unseres Landes sowie auf EU-Ebene bereits lange festgeschrieben.  

Meeresschutzgebiete sind nicht mehr als "Paperparks" 

Das Sterben geht jedoch weiter – warum?
In der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) sind aktuell insgesamt 32 Prozent (10.392 km2) der Flächen als Natura-2000-Meeresschutzgebiete ausgewiesen. Die Schutzgebiete existieren jedoch größtenteils nur auf dem Papier, es gibt bislang kaum Einschränkungen in der Nutzung dieser Gebiete für die Fischerei oder die Förderungen von Bodenschätzen. In Europa wird innerhalb von Meeresschutzgebieten teilweise mehr gefischt, als außerhalb. Gebiete, in denen jeglicher Eingriff des Menschen untersagt ist (sogenannte Nullnutzungszonen)? Fehlanzeige! 

Schweinswal

Der Schweinswal liegt auch Ihnen am Herzen?

WDC im Einsatz 

Das Festlegen und die Umsetzung von Maßnahmen, die Schutzgebiete zu echten Rückzugsräumen machen sollen, geht schleppend voran: In elf Ostsee-Schutzgebieten erließ die EU-Kommission 2022 endlich überfällige Einschränkungen der Fischerei. Ein Stellnetz-Verbot trat am 1. November 2022 in den Schutzgebieten "Adlergrund", "Westliche Rönnebank", "Pommersche Bucht mit Oderbank", "Greifswalder Boddenrandschwelle und Teilen der "Pommerschen Bucht" in Kraft. Diese Gebiete liegen am Rande des Verbreitungsgebiets der Schweinswale in der zentralen Ostsee, die dort in den Wintermonaten vorkommen können. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfiehlt, die Stellnetzfischerei dort vom 1. November bis 31. Januar des Folgejahres auszusetzen.  

Diese Maßnahmen sind Ergebnis des unermüdlichen Einsatzes vieler Organisationen, darunter WDC. Doch es wurden Kompromisse zu Lasten des Schweinswals eingegangen: Die Kommission verkürzte das Verbot auf drei (anstatt vier) Monate und auch die Flächen, in denen es gilt, wurden reduziert. Wir machen uns weiterhin dafür stark, dass Stellnetze komplett aus Schutzgebieten verschwinden!
Grundschleppnetze sind weiterhin in allen Meeresschutzgebieten der deutschen AWZ in der Ostsee im Einsatz. Auch hier setzen wir uns dafür ein, dass diese zerstörerische Fangmethode endlich verboten wird. 

Leider ist die Lobby der Wirtschaftsverbände stark und hat wegweisenden Initiativen wie beispielsweise dem "Nationalpark Ostsee" den Todesstoß versetzt. Dennoch: Der daraus hervorgehende Kompromiss – der "Aktionsplan Ostsee”ist ein wichtiger Schritt für die Renaturierung des Ökosystems und möglicherweise der Türöffner für einen zukünftigen Nationalpark. Damit würde Deutschland bis 2030 zum ersten Mal echte Nullnutzungszonen in seinem Einflussbereich der Ostsee einrichten, das heißt, dem Schweinswal echte Rückzugsgebiete schaffen. Was jetzt zählt, sind die schnelle Umsetzung und strenge Kontrollen der geplanten Maßnahmen des Aktionsplans.
Auf internationaler Ebene konnten wir vor Kurzem erreichen, dass den vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswalen durch das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten (Convention on Migratory Species oder kurz CMS) der höchste Schutzstatus zugesprochen wurde. Das bedeutet, dass die Ostsee-Anrainerstaaten nun dringend Notfallmaßnahmen ergreifen müssen, um die Meeressäuger zu retten! 

Schweinswale
Schweinswal-Gruppe © Nicola Hodgins

Dem Schweinswal gemeinsam "unter die Flossen" greifen 

Nur dank Unterstützer:innen wie Ihnen können wir uns mit aller Kraft und an so vielen Fronten für den Schweinswal einsetzen.  

Neben politischem Druck und internationaler Fürsprache braucht der kleine Wal im Moment vor allem eines: Aufmerksamkeit. Damit er endlich als das gesehen wird, was er ist: Ein Schatz, der die Natur und damit unser Leben bereichert! Und der ein Recht auf ein Leben in Freiheit und Sicherheit hat.  

Lassen Sie uns diesen Schatz feiern – am Internationalen Tag des Ostsee-Schweinswals, dem 19. Mai! 

Wussten Sie ...?

dass Schweinswale zu den besten Jägern unter den Zahnwalen gehören? Pro Stunde sind sie in der Lage, bis zu 500 Fische zu erbeuten. Im Video können Sie ihnen aus der Vogelperspektive bei der Jagd zusehen.

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Über Laura Zahn

Laura Zahn arbeitet bei WDC Deutschland im Bereich Kommunikation. Sie ist zuständig für die Erstellung von News und Blogs sowie unsere Newsletter. Außerdem arbeitet Laura bei der Entwicklung und Koordination von Kampagnen mit.

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