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Teilnehmer:innen des WW-Workshops in El Salvador © Miguel Iñíguez/WDC
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Vom Fischfang zur Walbeobachtung: WDC-Workshop in El Salvador

Wale und Delfine in freier Wildbahn zu sehen, ist ein unvergessliches Erlebnis. Im besten Fall profitieren alle Beteiligten davon: die Beobachtenden, die Reiseveranstalter, die örtlichen Gemeinden und natürlich auch Wale und Delfine. Dazu müssen Touren verantwortungsvoll durchgeführt werden. Im mittelamerikanischen El Salvador haben Fischer:innen auf Walbeobachtung umgesattelt. Weshalb "sanftes" Whale Watching so wichtig ist und wie es gelingen kann, erarbeiteten sie gemeinsam mit Miguel Iñíguez von WDC während des ersten Walbeobachtungs-Workshops in der Geschichte des Landes. In diesem Blog schildert Miguel unter anderem, weshalb WDC sich hier engagiert.

El Salvadors Meeresschutzgebiet "Complejo Los Cobanos" ist ein Zufluchtsort für eine Vielzahl von Meereslebewesen – von der vom Aussterben bedrohten Karettschildkröte, die dort nistet, bis hin zu den Korallen, die in diesem Gebiet ein Riff bilden und nirgendwo sonst in El Salvador zu finden sind. Einst wimmelte es in diesen Gewässern von Fischen, die die lokale Fischereiindustrie am Leben hielt und die Küstengemeinden ernährten. Doch die jahrelange Überfischung und die Auswirkungen des Klimawandels haben die Fischpopulationen in diesem Gebiet stark dezimiert. Die Fischer:innen sahen sich dazu gezwungen, ihre Netze an den Nagel zu hängen und nach einer alternativen Einkommensquelle zu suchen. 

Sie wurden auf das Potenzial des Ökotourismus aufmerksam und gründeten Walbeobachtungs-Unternehmen. Heute fahren sie auf’s Meer hinaus und zeigen Wal- und Delfin-begeisterten Besucher:innen Schlankdelfine, Ostpazifische Delfine und Große Tümmler. Aber die Meeressäuger, die Einheimische und Touristen am meisten anziehen, sind zweifellos die gigantischen Buckelwale.  

Buckelwal (C) Vanessa Mignon
Buckelwal © Vanessa Mignon

Eine fantastische Gelegenheit

Whale Watching ist nicht nur aufregend und oft unvergesslich, sondern auch ein lukrativer Wirtschaftszweig, der den Küstengemeinden erhebliche wirtschaftliche Vorteile bringt. Jüngste Zahlen belegen, dass jährlich über 13 Millionen Menschen an Walbeobachtungsfahrten teilnehmen und dabei ein Umsatz von 2,1 Milliarden Dollar entsteht – Whale Watching ist also ein großes Geschäft! Für Küstengemeinden wie die in El Salvador ist die Walbeobachtung eine Lebensgrundlage, schafft Arbeitsplätze und trägt zur Entwicklung der lokalen Tourismusinfrastruktur bei. Die Vorteile wirken sich auf die gesamten Gemeinden aus. 

Großes Geschäft, große Verantwortung

Walbeobachtung bietet zwar viele Vorteile für die ehemaligen Fischer:innen, die lokalen Gemeinden und ihre Wirtschaft, aber die Walbeobachtungstouren dürfen natürlich nicht zu Lasten von Walen und Delfinen oder ihres Lebensraums gehen. Beobachtet man sie zu lange oder kommt ihnen zu nahe, kann das Stress bei den Meeressäugern auslösen. Zusammenstöße mit Schiffen können sie verletzen oder manchmal sogar zu ihrem Tod führen.  

Genau wie Sie und ich sind Wale und Delfine intelligente Lebewesen, die Freude empfinden und Schmerz erleiden können. Stellen Sie sich nun vor, sie würden von einem Boot verfolgt. Furchtbar, nicht? Aber das ist nicht der einzige Grund, warum wir Richtlinien für die Durchführung von Walbeobachtungstouren brauchen. Um unseren Planeten zu retten, brauchen wir einen gesunden Ozean, und ein gesunder Ozean braucht Wale – sie sind unsere Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise. Die Buckelwale in diesen Gewässern gehören zur mittelamerikanischen Population und wandern entlang der Küste Mexikos zu ihren Nahrungsgründen an der Westküste der Vereinigten Staaten und im Süden von British Columbia. Auf ihrer weiten Reise tragen sie zum Gedeihen der Meere bei, indem sie lebenswichtige Nährstoffe über große Entfernungen in Form ihrer Ausscheidungen, durch Hautpartikel und Muttermilch transportieren. Diese Population hat bereits viele Individuen durch das unabsichtliche Verfangen in Fischereigerät und Kollisionen mit Schiffen verloren. Aktuell zählt sie nur noch 250 geschlechtsreife Wale. Daher ist es umso wichtiger, dass Whale-Watching-Aktivitäten ihr Überleben nicht noch mehr gefährden.   

Miguel präsentiert
Miguel von WDC beim Walbeobachtungs-Workshop in El Salvador © Miguel Iñíguez/WDC
Vanesa von Fundación Cethus
Vanesa vertritt den WDC-Partner Fundación Cethus in El Salvador. © Miguel Iñíguez/WDC

Hier kommen wir ins Spiel

Wir von WDC fördern Walbeobachtung seit 30 Jahren und führen Workshops für Veranstalter:innen und Guides an Bord durch – und zwar auf den Azoren, in Mittel- und Lateinamerika, Island, Japan, Schottland, Sri Lanka, Teneriffa, Thailand und den USA. 

Im Februar habe ich mich mit Vanesa Tossenberger von der Fundación Cethus in El Salvador zusammengetan, um einen Workshop für ehemalige Fischer:innen zu veranstalten, die zu Whale-Watching-Anbieter:innen geworden sind. Unser Ziel war es, ihnen in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen von El Salvador (MARN) und der Humane Society International Latinoamerica zu zeigen, wie sie ihre Touren verantwortungsvoll durchführen können. Wir wollten sicherstellen, dass sie weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen und gleichzeitig die Wale schützen können. Und da sich das Schutzgebiet "Los Cóbanos Complex" in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, ist dies ein guter Zeitpunkt, um Regeln für die Walbeobachtung aufzustellen. Indem wir die Aktivität von Anfang an regulieren, können wir die Auswirkungen auf Delfine und Wale minimieren, die Küstengemeinde stärken und die Forschungsbemühungen in dem Gebiet verbessern.

Mann vor Leinwand
Der Workshop beginnt mit einem theoretischen Teil. © Miguel Iñíguez/WDC

Der Workshop begann in der Stadt San Salvador mit einem theoretischen Teil, der sich auf vier Säulen konzentrierte: Bildung, Schutz, Wirtschaft und Forschung. Wir informierten die Reiseveranstalter:innen über Wale und Delfine, ihre Lebensräume und die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. Wir betonten, wie wichtig es ist, den Ozean und die dort lebenden Wal- und Delfinpopulationen zu schützen. Wir zeigten ihnen, wie sie ihre Touren nachhaltig durchführen können, so dass sowohl ihr Unternehmen als auch die Umwelt davon profitieren. Wir betonten auch die Notwendigkeit von weiterer Forschung, um das Verhalten von Walen und Delfinen besser zu verstehen, damit negative Auswirkungen frühzeitig erkannt werden können und somit schnelle Schutzmaßnahmen möglich sind. 

Mann studiert Broschüre
Die Teilnehmer:innen waren sehr interessiert dabei... © Miguel Iñíguez/WDC
Workshop-Raum
... und brachten bereits einige Erfahrungswerte mit. © Miguel Iñíguez/WDC
Personen auf Walbeobachtungsboot
Der praktische Teil beginnt. © Miguel Iñíguez/WDC

Übung macht den Meister

Nach dem Unterricht im "Klassenzimmer" ging es hinaus auf’s Wasser, um die Theorie in die Praxis umzusetzen. Bei klarem Himmel hofften wir inständig darauf, Wale und Delfine zu sehen – insbesondere die majestätischen Buckelwale. Aber wir wussten alle, dass es keine Garantie gibt. Plötzlich preschte eine Gruppe von Schlankdelfinen dicht an unserem Boot vorbei. Sie bewegten sich mit hoher Geschwindigkeit von einer Seite zur anderen und waren offensichtlich auf der Jagd nach Fischen. Obwohl wir keine Wale sahen, bot uns der Ausflug einen atemberaubenden Einblick in die reiche Artenvielfalt von Los Cóbanos, der durch die Sichtung eines Fischadlers bei unserer Rückkehr in den Hafen gekrönt wurde. 

An Bord gab es interessante Diskussionen über die Geschichte von Walen und Delfinen in der Region und darüber, wie man sie beobachten kann, was man bei der Walbeobachtung tun und lassen sollte, wie man für die Aktivität wirbt und wie man kommerzielle und Sicherheitsaspekte berücksichtigt. Die Workshop-Teilnehmer:innen, von denen viele ehemals im kleinen Stil Fischfang betrieben hatten, berichteten mit Begeisterung von ihren Erfahrungen. Es war offensichtlich, dass alle Teilnehmer:innen den Öko-Tourismus, einschließlich der Wal- und Delfinbeobachtung, als einen vielversprechenden Weg für die Entwicklung ihrer Gemeinde sahen.  

Boote aus der Luft
Wie darf ich mich nähern? Was gilt es zu beachten? © Miguel Iñíguez/WDC
Boot
"Unterricht" auf dem Wasser © Miguel Iñíguez/WDC

Den Weg für eine nachhaltige Zukunft ebnen

Dieser Workshop war als erster seiner Art in El Salvador ein wichtiger Meilenstein. Damit konnten wir die Grundlage für die weitere Ausbildung von Reiseveranstalter:innen in der Zukunft schaffen. Verantwortungsbewusstes Whale-Watching ist nicht nur eine kurzfristige wirtschaftliche Chance, sondern auch ein Weg zu einer langfristigen nachhaltigen Entwicklung. Die Küstengemeinden werden gestärkt, indem sie die vielfältigen natürlichen und kulturellen Ressourcen, die sie besitzen, kennenlernen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Indem sie auch die Bedrohungen verstehen lernen, denen die verschiedenen Arten ausgesetzt sind, werden sie zu eigenen Schutzbemühungen inspiriert.

Die von uns geschulten Teilnehmer:innen sind nun in der Lage, die Ausbildung künftiger Reiseveranstalter:innen zu übernehmen. Sie haben verinnerlicht, dass nicht allein der Gewinn im Vordergrund stehen darf, sondern der Schutz der faszinierenden Meeressäuger einen hohen Stellenwert einnehmen muss. Und obwohl es bereits ein Meeresschutzgebiet an der Küste gibt, wird es durch die verantwortungsvolle Durchführung der Touren noch weiter gestärkt. Dieser Workshop bedeutet, dass wir gemeinsam nicht nur unvergessliche Erlebnisse für Touristen schaffen, sondern auch den Ozean und die großartigen Lebewesen, die ihn bewohnen, schützen. 

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