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Totes Nordkaper-Baby mit Verletzungen, die auf eine Schiffskollision hinweisen © FWC/Tucker Joenz, NOAA Fisheries permit #18786
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Wie viele Glattwale müssen noch sterben, bis die US-Regierung handelt?

Vor wenigen Tagen wurde erneut ein gefährdeter Nordatlantischer Glattwal an der Küste von Georgia tot angespült. Der Wal ist wahrscheinlich mit einem Schiff kollidiert. Damit summiert sich die Zahl der durch Schiffsunfälle verstorbenen Individuen in diesem Jahr bereits auf fünf. WDC und  ihre Partnerorganisationen machen die Untätigkeit der US-Regierung für den Tod der Wale verantwortlich und haben ihr Gerichtsverfahren wieder aufgenommen. Doch die Zeit drängt.. 

Der am 13. Februar tot an der Küste des US-Bundesstaates Georgia angespülte Nordatlantische Glattwal ist sehr wahrscheinlich von einem Schiff angefahren und getötet worden, teilte die zuständige US-Behörde NOAA (National Oceanic and Athmospheric Administration) kürzlich mit. Der Kadaver wird derzeit untersucht, um die Todesursache zu ermitteln. Die endgültigen Ergebnisse der Nekropsie stehen noch aus, aber die dokumentierten Verletzungen deuten auf ein Trauma durch stumpfe Gewalteinwirkung hin, das durch eine Zusammenstoß mit einem Schiff verursacht wurde. Der Wal war weiblich und der erste Nachwuchs von Pilgrim während der Geburtssaison der Kälber 2022/2023.
 
Wo sich die Kollision ereignet hat, ist unklar. Aber auch dieser Todesfall hätte verhindert werden können.
Die Gebiete, in denen Schiffe zur Reduzierung ihrer Geschwindigkeit aus Rücksicht auf die Wale verpflichtet sind, müssen erweitert und auch kleinere Bootstypen in die Regelung mit eingeschlossen werden. Es ist höchste Zeit, dass die Behörden endlich aufwachen, bevor es für Glattwale zu spät ist!fasst Regina Asmutis-Silvia, Leiterin von WDC in Nordamerika, die langjährigen Forderungen der Verbände zusammen.
 

Nordatlantischer Glattwal und Kalb
Nordatlantische Glattwal-Mutter "Pilgrim" und ihr Baby im Dezember 2022. Ihr Nachwuchs starb vor Kurzem durch eine Schiffskollision. © Florida Fish and Wildlife Conservation Commission, aufgenommen im Rahmen der NOAA-Genehmigung 20556-01

Fünf tote oder lebensgefährlich verletzte Nordkaper in nur sechs Wochen 

Heute sind nur noch etwa 360 Nordatlantische Glattwale übrig. Die Population schrumpft schneller, als die Geburtenrate mithalten kann. Grund dafür sind Zusammenstöße mit Schiffen und das Verfangen in Fischereigerät in ihren Lebensräumen vor den USA und Kanada. Im Jahr 2024 wurden bisher fünf Nordatlantische Glattwale als tot oder lebensgefährlich verletzt gemeldet. Zusätzlich zu dem toten Individuum mit der Kennung „#5120“ vor Georgia wurde Anfang dieses Monats ein weiteres junges Weibchen tot aufgefunden, das sich nicht aus Fischfanggerät befreien konnte. Ein dritter Glattwal, das jüngste Baby von "Juno", wurde im Januar mit Wunden, die von einen Zusammenstoß mit einem Schiff herrühren, gesichtet. Seither kämpft es ums Überleben. Die weiblichen Nordkaper „Half Note“ und „#3780" wurden ohne ihre Neugeborenen gesehen. Sie sind vermutlich ebenfalls tot.  

Mit jedem Weibchen verlieren wir ein Stückchen Zukunft 

„In den ersten sechs Wochen des neuen Jahres haben wir bereits viermal so viele Glattwale durch menschliche Einflüsse verloren, wie die zuständige US-Behörde NOAA für eine Erholung der Population für nachhaltig hält", kommentiert Asmutis-Silvia. „Dieser weitere, unnötige Verlust eines Individuums durch eine Schiffskollision ist eine direkte Folge der Untätigkeit der Politiker:innen, ein überfälliges Gesetz auf den Weg zu bringen. Jedes Mal, wenn wir ein Weibchen verlieren, verlieren wir auch ihren zukünftigen Nachwuchs.“ 

Für Glattwal-Mütter und ihre Babys ist das Risiko, von Schiffen angefahren zu werden, besonders hoch, weil sie viel Zeit an oder nahe der Wasseroberfläche verbringen. Im November beginnen trächtige Nordatlantische Glattwale ihre jährliche Wanderung von den Nahrungsgebieten im Norden zu ihren einzigen bekannten Kalbungsgebieten in den warmen, flachen Gewässern zwischen North Carolina und Florida im Südosten der USA.  

Toter Glattwal am Strand
Glattwal, der durch eine Schiffskollision getötet wurde © Center for Biological Diversity

Gültige Regelungen sind mehr als 15 Jahre alt 

Eine 2008 eingeführte Geschwindigkeitsregelung für Schiffe ist die bis dato einzige Schutzmaßnahme, um Schiffsunfälle mit Nordatlantischen Glattwalen in US-Gewässern zu vermeiden. Die Vorschrift gilt nur für Schiffe mit einer Länge von 65 Fuß und mehr (> 19 Metern oder mehr) und schreibt eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 Seemeilen pro Stunde zu Zeiten und an Orten vor, an denen Nordatlantische Glattwale im Jahr 2008 als besonders gefährdet galten. Seitdem haben sich die Lebensräume der Glattwale im Zuge des Klimawandels jedoch verändert: Die Erwärmung der Gewässer hat das Nahrungsangebot für die Wale verringert, so dass sie sich neue Lebensräume erschließen mussten, in denen der Schutz vor Schiffsunfällen und Verwicklungen weitgehend fehlt.  

Neue Daten zeigen, dass auch kleinere Schiffe Glattwale gerammt und getötet haben. Junos Kalb ist laut NOAA vermutlich von einem Schiff angefahren worden, das zwischen 35 und 57 Fuß (= 10 - 17m) lang war. Die Behörde hatte in der Vergangenheit wiederholt angemahnt, die Geschwindigkeitsregeln für Schiffe auszuweiten, um Nordatlantische Glattwale vor dem Aussterben zu bewahren.  

Wie viele Glattwale müssen noch sterben, bis die Regierung handelt? 

In den Jahren 2012 und 2020 beantragten die Naturschutzverbände, darunter auch WDC, bei der US-Regierung eine Ausweitung der Regelung von 2008. Als die Regierung auf diese Petitionen nicht reagierte, reichten die Organisationen im Jahr 2021 Klage ein. NOAA veröffentlichte daraufhin im August 2022 einen Vorschlag zur Erweiterung der Maßnahmen von 2008, woraufhin die Verbände ihre Klage zunächst pausierten. Jedoch wurde diese Neuregelung bis heute nicht endgültig verabschiedet.  

Im Herbst 2022 und erneut im Herbst 2023 forderten WDC und ihre Partnerorganisationen die Regierung daher auf, per Notverordnung vorläufige Schutzmaßnahmen zu ergreifen, um die gefährdeten  Mütter und ihre Jungtiere während der Kalbungszeit zu schützen, doch die Regierung weigerte sich erneut zu handeln. 

Diese Woche beantragten die Verbände auf Grund der anhaltenden Verzögerung der dringend benötigten Schutzmaßnahmen die Wiederaufnahme des Gerichtsverfahrens. 

Wal-Detektoren sollen Kapitäne rechtzeitig warnen 

Die vorgeschlagene Geschwindigkeitsregelung würde für alle Schiffe mit einer Länge von 35 Fuß oder mehr gelten und die Gebiete, in denen saisonal mit gedrosselter Geschwindigkeit gefahren werden muss, an die aktuelle Verbreitung der Glattwale anpassen. Außerdem würden Schiffe verpflichtet,  sich in bestimmten Gebieten vorübergehend geringere Geschwindigkeiten einzuhalten, sobald visuelle oder akustische Wal-Detektoren die Präsenz von Individuen melden.

Nordkaper-Fluke
Mächtige Fluke eines Nordatlantischen Glattwals © Peter Flood

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Über Laura Zahn

Laura Zahn arbeitet bei WDC Deutschland im Bereich Kommunikation. Sie ist zuständig für die Erstellung von News und Blogs sowie unsere Newsletter. Außerdem arbeitet Laura bei der Entwicklung und Koordination von Kampagnen mit.

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