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Orca (ID171) vor der Küste Schottland © Steve Truluck
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Wale und Delfine in freier Wildbahn zu sehen kann Leben verändern

Wale und Delfine sind intelligente, empathische, emotionale und soziale Tiere, die sich ihrer individuellen Existenz bewusst sind. In Freiheit legen sie weite Strecken zurück. Die Gefangenschaftshaltung nimmt ihnen alles, was sie als Wal oder Delfin ausmacht. Eingesperrt zu sein heißt, nur einen kleinen Bewegungsradius und nur sozialen Kontakt zu Individuen zu haben, die sie sich nicht selbst aussuchen können. Somit hat die Gefangenschaftshaltung schwerwiegende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden der Wale und Delfine. Wie bei uns Menschen leidet auch ihre mentale Gesundheit, wenn sie Tag ein Tag aus eingesperrt sind und man sie ihrer Entscheidungsfreiheit beraubt.

In unserer aktuellen Kampagne sprechen wir darüber, wie düster die Welt für Wale und Delfine in Gefangeschaft ist.

Steve Truluck arbeitet ehrenamtlich für das WDC Shorewatch-Programm und ist Kapitän von Walbeobachtungstouren. In diesem Gastblog erzählt er, wie die Erlebnisse mit Walen und Delfinen in Freiheit sein Leben völlig verändert haben...

 

Ein Sprung! Und noch einer! Immer und immer wieder sprangen die Orcas aus dem Wasser. Es war unglaublich, das zu beobachten. Wir standen da und lachten und kreischten vor lauter Freude. Tränen kullerten, auch Schimpfwörter rutschten raus, die Stimmen überschlugen sich. Ich warf einen Blick auf den 55-jährigen Mann neben mir − einen erfahrenen und langjährigen Vogelbeobachter − der völlig aufgelöst war. Die Begegnung mit einer Orca-Familie in freier Wildbahn − vor allem, wenn es das erste Mal ist − prägt sich uns besonders ein, da wir eine tiefe Verbindung zu diesen faszinierenden Meeressäugern empfinden.

Orca-Mutter und Baby
Orca-Mutter und Baby

Unterschreiben Sie unseren Brief an TUI

Fordern Sie TUI auf, die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen nicht mehr zu unterstützen.

Im Jahr 2012 zog ich nach Schottland, wo ich einen siebenmonatigen Arbeitsvertrag bekommen hatte. Der Anblick der Delfine im Moray Firth veränderte mein Leben. Zehn Jahre später und ich bin immer noch in Schottland. Ich gebe den Delfinen die Schuld. Ihre Anwesenheit hat mich völlig in den Bann gezogen und tut es immer noch. Im Jahr 2013 erfuhr ich, dass es in schottischen Gewässern Orcas gibt; also besorgte ich mir ein Teleskop, um sie zu suchen. Ich begann, Zwergwale zu beobachten und schloss mich dem Shorewatch-Programm von WDC an. Dort lernte ich, meine Aufzeichnungen zu dokumentieren und zum Schutz der beobachteten Arten beizutragen. Ich lernte Gleichgesinnte kennen und erfuhr mehr über die Bedrohungen, denen Wale und Delfine ausgesetzt sind.

Verbindungen

Durch das Shorewatch-Programm konnte ich häufiger Wale und Delfine beobachten, erfuhr mehr über ihre Verbreitung und sie bedeuteten mir immer mehr. Als ein Planungsvorschlag für den Öltransfer per Schiff innerhalb des Schutzgebietes für die Delfine auf den Tisch kam, wurde ich aktiv. Shorewatch hatte mich gestärkt. Ich hatte endlich etwas gefunden, das ich liebte und das mir wichtig genug war, um es zu schützen und es fühlte sich gut an, etwas dafür tun zu können.

Beobachtung der Delfine im Moray Firth

 

Bewegungsfreiheit 

Der Umzug nach Schottland hatte es mir ermöglicht, mich selbst zu finden. Ich war befreit von meinem früheren Leben im Süden Englands. Dort hatte ich in einer winzigen Wohnung, in einer stressigen, viel zu hektischen und deprimierenden Welt gelebt − umgeben von einer Kultur, in die ich nicht hineinpasste. Zu meinem Glück gelang es mir, die Chance zu ergreifen und ein Leben am Meer zu führen. Die Pandemie hat mir vor Augen geführt, wie glücklich ich mich schätzen konnte, dass ich mein Leben geändert habe. Ich kenne viele Menschen, die mit ihrer psychischen Gesundheit zu kämpfen hatten, weil sie allein waren oder irgendwo festsaßen, wo sie nicht sein wollten. Wenn ich Orcas und Delfine in Gefangenschaft sehe, denke ich, dass es ihnen genauso gehen muss.

Ich war mir der Problematik von Orcas und Delfinen in Gefangenschaft von klein auf bewusst. Als ich sechs Jahre alt war, lebte ich in Hongkong und meine Eltern nahmen mich in ein Delfinarium mit. Ich erinnere mich, dass ich den einsamen, jungen Orca und die Delfine sah, die in einem Betonbecken Kunststücke vorführten. Aber ich war nicht daran interessiert. Ich interessierte mich mehr für das Riff-Aquarium, da sich die Tiere dort natürlicher verhielten und nicht zu Tricks gezwungen wurden. Als Sechsjähriger langweilte es mich, einen Orca springen zu sehen!

Die erste Begegnung

Spulen wir ins Jahr 2016 vor: Mit 42 Jahren habe ich mir die Augen ausgeheult, als ich meine ersten wilden Orcas sah. Der Anblick der freilebenden Orcas in acht Kilometern Entfernung brachte mich zum Weinen. Vermutlich lag es an der Anspannung und daran, wie lange es gedauert hatte, bis ich sie endlich sehen und mehr über sie herausfinden konnte. Ich erinnere mich noch an jedes Detail von der Begegnung mit Hulk und Mousas Pod. Sie hat mich so sehr berührt, dass ich erneut meine Sachen gepackt und mein Leben geändert habe. Ich habe meine Karriere als Ingenieur an den Nagel gehängt und bin jetzt Guide und Skipper auf einem Walbeobachtungsboot.

Orca mit der ID 170 springt vor der schottischen Küste

 

Die Liebe zum Meer teilen

Mit meinem neu erworbenen Wissen ist es nun ein absolutes Privileg, Menschen mit Walen und Delfinen in Kontakt zu bringen. Für mich gibt es nichts Befriedigenderes, als zu sehen, wie Menschen mit Orcas in Kontakt kommen. Dieses Jahr habe ich in Fraserburgh, an der Küste des Moray Firth, zum ersten Mal Orcas gesehen. Ich war allein. Niemand beobachtete sie wirklich von dort aus, aber nach einigen Wochen standen jeden Tag etwa 200 glückliche Menschen am Leuchtturm und hielten Ausschau nach der Familie und ihrem neugeborenen Baby. Die Gemeinschaft der Beobachter:innen war so inspirierend. Alles, was man braucht, ist ein gutes Fernglas, Outdoor-Kleidung und etwas Zeit und Geduld.

Eine tolle Sichtung bei Fraserburgh, Schottland

 

Mitgefühl mit anderen

Ich bin auch einer der Autoren des „Scottish Killer Whale Photo ID Catalogue“. Die detaillierte Beobachtung der Orca-Population in Schottland ermöglicht es uns zu verstehen, wie groß das Verbreitungsgebiet der Orcas ist. So haben wir beispielsweise mehr als 30 Individuen identifiziert, die auch in Island gesichtet wurden. Die Orcas der West Coast Community legen regelmäßig 100 Kilometer pro Tag zurück. Wir beobachten ihre Jagdstrategien, wie ihre Familien wachsen und gedeihen und leider auch den Verlust von Mitgliedern. Wir werden Zeuge, wie sich einige Individuen unter befreundete Gruppen mischen − und andere sich zu Einzelgängern entwickeln. Wir beobachten Orcas, die sie selbst sein können, was in Gefangenschaft einfach nicht möglich ist.

Ich glaube, ein Stück weit erkennen wir und in den Orcas wieder. Wir beobachten ihre Intelligenz und wir sehen, wie sie um ihre verstorbenen Familienmitglieder trauern. Wir sehen, wie liebevoll sie sein können. Außerdem gehen sie uns mit gutem Beispiel voran, indem sie nachhaltig und im Gleichgewicht mit ihrer Umwelt leben.. Wir sind uns in so vieler Hinsicht ähnlich.

Während des Lockdowns haben so viele von uns unter der Einsamkeit gelitten, als wir von Freunden und Familie getrennt waren und auf engem Raum festsaßen. Warum sollte es also bei Lebewesen anders sein, mit denen wir so viel gemeinsam haben?

Es macht so viel Freude, Walen und Delfinen in freier Wildbahn zu begegnen. Es ist der einzig richtige Weg.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Julia Pix

Communications manager - Public Engagement

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