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Sollten wir damit aufhören, Fisch zu essen?

Ich beschäftige mich schon seit langem mit der Fischerei und insbesondere mit ihren Auswirkungen auf...

Sollten wir damit aufhören, Fisch zu essen?

Fisch_C_Pexels

Ich beschäftige mich schon seit langem mit der Fischerei und insbesondere mit ihren Auswirkungen auf die Meeresumwelt. Wir bei WDC setzen uns mit Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnen und auf politischer Ebene dafür ein, dass sich etwas ändert.

Es ist ein mühsames Geschäft, denn der politische Wille, die Fischerei in Deutschland und international zu reformieren, war in den letzten Jahren sehr gering. Das lag vor allem daran, dass Lobby-Gruppen der Fischerei so viel Druck auf das politische System ausgeübt haben und bei der vorigen, über viele Jahre extrem fischereifreundlichen Regierung auf offene Ohren stießen.

Nun haben wir einen Regierungswechsel und zwei grün geführte Ministerien, die sich maßgeblich mit der Fischerei befassen (das Landwirtschaftsministerium (BMEL) unter Cem Özdemir und das Umweltministerium (BMUV) unter Steffi Lemke). Grund also zu hoffen, dass es jetzt doch noch etwas wird mit der dringend notwendigen Reform der Fischerei. Jedoch ist nach fast einem Jahr Amtszeit der aktuellen Minister:innen kaum mehr etwas von dem frischen Wind zu erkennen, der vielen Umweltschützer:innen, mich eingeschlossen, noch vor kurzem so viel Hoffnung gab.

 

Unterdessen läuft die Fischerei weiterhin in eine dramatische Richtung:

  • Die westliche Population des Ostseedorsches ist mittlerweile zusammengebrochen, als Folge einer jahrzehntelang fehlgesteuerten Wirtschaft. Die Fangquoten wurden deswegen letztes Jahr auf NULL reduziert, neuerdings steigen sie jedoch bereits wieder an.
  • In Europa wird innerhalb von Meeresschutzgebieten teilweise mehr gefischt, als außerhalb. Nullnutzungszonen innerhalb von Meeresschutzgebieten: Fehlanzeige. Flächendeckende Befischung von Schutzgebieten: gang und gäbe!
  • Ein Großteil der Fischpopulationen in Europa ist überfischt oder steht kurz vor dem Kollaps.
  • Nach wie vor ist die Beifang-Rate durch die Stellnetzfischerei bei Meeressäugern, wie dem Schweinswal sowie bei Seevögeln enorm hoch. Schutzgebiete, in denen Stellnetzfischerei erlaubt ist, gibt es jede Menge. Schutzgebiete, in denen sie verboten wird: zu wenige, zu kleine, oder das Verbot gilt nur für begrenzte Zeit.
  • Grundschleppnetze (zur Befischung von Krabben, Schollen und andere am Grund lebende Arten) verursachen weiterhin erhebliche ökologische Schäden in Nord- sowie Ostsee.
  • Zertifizierungssiegel, wie das blaue MSC-Häkchen des Marine Stewardship Council, stellen nicht sicher, dass ausreichende Maßnahmen zur Vermeidung, Reduzierung oder Überwachung des Beifangs ergriffen werden. Beim Kauf von Fisch mit einem Zertifizierungssiegel, können Sie also nicht sicher sein, dass Delfine, Schweinswale oder Wale nicht auch beim Fang gelitten haben oder gestorben sind. Auch der Begriff "delfinfreundlich" oder "delfinsicher" auf den Etiketten von Fischprodukten stammt von Programmen, die keine Garantie dafür bieten, dass in den entsprechenden Fischereien keine Delfine oder Wale beigefangen wurden. Die entsprechenden Schlupflöcher sind groß.
  • Nach wie vor gibt es keine wirksame Kontrolle der Fischerei in Deutschland oder Europa, die genaue Auskunft über Fangmengen und Fischereiaufwand oder ungewollte Beifänge erbringt. Dies betrifft insbesondere die kleinen Fischer:innen, die in Deutschland und Europa in der großen Überzahl sind.
  • Der Konsum und die Fischerei in den reichen Industrienationen führt auch dazu, dass Menschen in ärmeren Ländern und Inselnationen, die auf Nahrung aus dem Meer angewiesen sind, buchstäblich das Essen vom Teller genommen wird.

 

Die Liste der Punkte, warum wir eine gänzlich neu ausgerichtete Fischerei brauchen, ließe sich ohne Weiteres fortsetzen. Das Prinzip aber ist klar: Wir fischen zu viel, zu wenig selektiv und mit zerstörerischen Methoden. Ähnlich wie in der Landwirtschaft braucht es eine grundlegende Neuausrichtung. Was an Land der Bioanbau ist, müsste auf See eine ökologisch nachhaltige Fischerei sein, unter der sich Fischpopulationen regenerieren können und keine bleibenden Schäden an den Ökosystemen hinterlassen werden.

Das Tragische ist, dass im Grunde jeder weiß, dass es so nicht weitergehen kann.

Selbst in der Fischerei hat sich diese Erkenntnis inzwischen durchgesetzt. Wie eine Reform aussehen könnte, welche Maßnahmen ergriffen werden und welche Weichenstellungen erfolgen müssten, liegt dabei offen auf dem Tisch. Doch die Marktwirtschaft erlaubt keinen einschneidenden Richtungswechsel. Die Lobbyist:innen leisten weiterhin ganze Arbeit und die neue Bundesregierung zeigt sich nicht gewillt, sich dieser Herkulesaufgabe zu stellen.

Aber reicht es, mit dem Finger nach Berlin (bzw. nach Brüssel, wo die Europäische Gemeinsame Fischereipolitik verhandelt wird) zu zeigen? Haben wir es als Bürger:innen und Konsument:innen nicht selbst in der Hand, eine Änderung herbeizuführen?

Ich selbst habe mir z.B. abgewöhnt, Fisch zu essen, wenn ich nicht genau nachvollziehen kann, woher er stammt und mit welcher Methode er gefangen wurde. Das resultiert darin, dass ich kaum noch Fisch esse. Ich möchte an dieser Stelle – einmal mehr – jeden und jede dazu ermutigen, sich bewusst zu verhalten. Es ist nicht schwierig herauszufinden, welchen Fisch man heute noch guten Gewissens essen kann. Dass man nicht allen Siegeln trauen darf, wird dabei sehr deutlich.

Aber die eigentlichen Probleme liegen – wie meistens – noch ein bisschen tiefer. Es ist gut, das eigene Konsumverhalten zu überdenken (nicht nur in Bezug auf Fisch!). Aber was steckt hinter unserem ausufernden Konsum? Es sind unsere Betrachtungsweisen und letztlich unsere Werte. Wer es für normal ansieht, dass wir im Supermarkt ein übermäßiges Fischangebot vorfinden, dem ist selten klar, was der eigene Kauf (zusammen mit dem Kaufverhalten anderer Menschen) für eine Wirkung auf unsere Meere hat. Der macht sich selten Gedanken über die Not der Kleinfischer:innen in ärmeren Ländern oder die schlimmen Vermarktungsstrukturen des meisten Fisches, der in der EU gefangen wird.

Die Probleme der Fischerei sind systemisch: Weder der Fang, noch der Vertrieb oder der Konsum von Fisch kann heute noch als gesund betrachtet werden. Nicht für uns – und nicht für die Meere.

Immer noch gibt es Menschen, die die Fische im Meer als "Bestände" bezeichnen. Die Fische werden als Ressourcen angesehen, die uns für unsere Ernährung zur Verfügung stehen. Aber ist das tatsächlich so? Oder anders gefragt: Wohin hat uns diese Einstellung, haben uns diese Werte, gebracht?

Wie wäre es damit, Fischpopulationen als Wildtiere zu betrachten, deren Existenz einen eigenen Wert hat und die noch dazu eine wichtige ökologische Rolle in den Meeren spielen? Deren Vorkommen wir zwar vorsichtig, respektvoll und nachhaltig befischen können, dabei aber die ökologischen Grenzen wahren und den aktuellen prekären Zustand unserer Meere mit einbeziehen. Wenn wir statt von "Ressourcen" lieber von "Mitgeschöpfen" sprechen.

Eine solch ökologische Perspektive vermag die künstliche Kluft zu überbrücken, die wir alle mit unserem Lebensstil aufgebaut haben. Es geht darum, wieder den Zusammenhang zu sehen zwischen gesunden Meeren und unserer eigenen Gesundheit. Die traurige Erkenntnis lautet hier: Es besteht keine echte Verbindung mehr zwischen uns und unserer Umwelt. Allein der Begriff "Umwelt" ist so vielsagend: Er bezeichnet die Welt "um uns herum" und nicht die Welt, in der wir als integraler Teil eines großen Netzwerkes leben, das alles Leben auf diesem Planeten umfasst.

Insofern tut ein Perspektivwechsel not.

Wir müssen wieder die Verwobenheit allen Lebens in den Fokus rücken. Wenn wir das tun, machen wir die Umwelt zur "Mitwelt". Wir erkennen uns selbst als Teil eines Ganzen, dessen Wohlergehen von unserem eigenen nicht mehr zu trennen ist. Die Schlagzeilen zur Kima- und Biodiversitätskrise machen es täglich mehr als deutlich. Der nächste, folgerichtige Schritt ist dann, uns nicht mehr nur als Konsument:innen zu betrachten sondern vor allem als engagierte Bürger:innen. Dann kommt eben nur noch der Fisch auf den Teller, der aus nachweislich ökologisch nachhaltigen Quellen stammt. Oder gar keiner.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutz - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

1 Kommentar

  1. Veröffentlicht von Tanja Liebold am 21. September 2022 um 4:53 pm

    Danke für den tollen Bericht. Ich habe vor über einem Jahr aufgehört Fisch und Krustentier zu essen da ich es sehr bedenklich finde was grad passiert. Wir sind hier auch nicht auf diese Protein Quelle angewiesen. Sollte ich doch mal Fisch essen wollen, dann nur heimischen Fisch.
    Jeder einzelne hat es in der Hand etwas für unser wichtigstes Ökosystem zutun.

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