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Bestände vs. Population − warum wir bei WDC einen Unterschied machen

© Nicola Hodgins
© Nicola Hodgins

Biolog:innen, Politiker:innen, Umweltmanager:innen und Umweltschützer:innen sprechen oft von "Beständen", wenn sie sich auf Fische, Wale oder andere im Meer lebenden Tiere beziehen.

Doch handelt es sich bei wilden Tierpopulationen tatsächlich um Bestände? Der Begriff Bestand kommt einerseits aus der Forstwirtschaft und bezeichnet eine bestimmte Menge an Bäumen in einem definierten Forstgebiet. In der landwirtschaftlichen Tierhaltung definiert der Begriff eine bestimmte Anzahl an Tieren, die vom Menschen gehalten wird, also z.B. auf einer Weide, in einem Stall oder in einer Viehzuchtanlage. Es geht also um eine Anzahl von Tieren, die dem Menschen "zur Verfügung steht" bzw. zur Nutzung eingerichtet wurde.

Dies sollte jedoch unserer Meinung nach nicht ohne Weiteres auf wild lebende Populationen übertragen werden. Weder bei den Fischen, die wir aus dem Meer holen, noch bei Delfinen oder Walen oder anderen Lebewesen, handelt es sich um "Bestände" im oben genannten Sinne. Es sind natürlich vorkommende Lebewesen, deren Populationsgröße sich innerhalb eines Ökosystems entwickelt und auf natürliche Weise reguliert. Selbstverständlich hat der Mensch mit seinem Tun (Fischerei, Walfang, Umweltverschmutzung, Überdüngung, usw.) einen Einfluss auf die Populationsgrößen – und oft nicht zum Guten – doch haben wir hier keine direkte steuernde Funktion. Wir können nur versuchen negative Auswirkungen zu minimieren und hoffen, dass sich überfischte Populationen wieder erholen. Wildtierpopulation mögen von uns genutzt werden, aber sie sind im Prinzip erst einmal nicht für uns geschaffen. Sie bilden wichtige Elemente innerhalb der natürlichen Nahrungsnetze und tragen zur Biodiversität bei – mit ganz bestimmten ökologischen Funktionen für das Gesamtsystem. Das ist etwas grundlegend Anderes als ein Bestand.

Die Verwendung des Begriffs Bestand nimmt auch Einfluss auf unser Verhältnis zum Meer und seinen Bewohnern. Es macht einen Unterschied, ob wir die Aufgaben von Fischen innerhalb eines Ökosystems anerkennen, oder ob wir sie als Nahrung betrachten. Wale und Delfine werden in vielen Ländern immer noch bejagt und verzehrt − während man sie woanders mit großer Freude beobachtet und daraus ein eigenständiger, erfolgreicher Tourismuszweig entstanden ist. Walbeobachter:innen werden kaum je von einem "Walbestand" sprechen, um die beobachteten Meeressäuger zu beschreiben. Die Vertreter:innen der Walfangnationen im Kontext der Internationalen Walfang Kommission (IWC) sprechen hingegen gerne von "stocks" (dem englischen Begriff für Bestand). Für diejenigen, die wilde Tiere (aus)nutzen, schafft der Begriff eine komfortable Distanz, welche die emotionslose Ausbeutung vereinfacht.

Sprechen wir von Individuen innerhalb einer Population und nicht von Exemplaren innerhalb eines Bestandes, bringen wir damit etwas ganz anderes und respektvolleres zum Ausdruck. Deshalb empfehlen wir bei WDC für die Ersetzung des Begriffs Bestand durch Population − auch im Kontext internationaler Abkommen und auf Expert:innenebene. Mit solcher Achtsamkeit tun wir den Wildtierpopulationen im Meer einen großen Gefallen.

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Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutz - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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