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Im Gespräch mit TUI – werden sie aufhören die Gefangenschaft von Walen und Delfinen zu unterstützen?

Letzten Donnerstag bin ich zu einem lang ersehnten Treffen mit der Geschäftsführung von TUI nach Berlin gereist. Ich war dort, um TUIs Unterstützung von Wal- & Delfinshows und deren Gefangenschaftshaltung zu thematisieren. Im Rahmen unserer Kampagne #Lockdownneverends haben wir mit unserer Petition mehr als 20.200 Unterschriften gesammelt und viele von Ihnen haben eine Email an die Verantwortlichen bei TUI gesendet. Dies diente als Grundlage für das Gespräch. Ich war mir unsicher, wie sich mein Empfang gestalten würde und war überrascht, wie offen und aufgeschlossen TUI sich gegenüber unseren Bedenken gezeigt hat.

Ich bin rechts auf dem Foto zu sehen, wie ich die Petition an Christian Rapp, den Kommunikationschef von TUI, überreiche.
Ich bin rechts auf dem Foto zu sehen, wie ich die Petition an Christian Rapp, den Kommunikationschef von TUI, überreiche.

Domino-Effekt, aber ein Stein steht quer

Rund 3.600 Wale und Delfine werden derzeit weltweit in Gefangenschaft gehalten. Darunter mehr als 3.000 Delfine, etwa 365 Belugas und 58 Orcas. Viele von ihnen wurden in freier Wildbahn ihren Familien entrissen, während andere in Gefangenschaft geboren wurden und noch nie das Meer gesehen haben.

In den letzten Jahren lag der Hauptbestandteil unserer Arbeit gegen die Gefangenhaltung von Walen und Delfinen darin, Reiseveranstalter und Urlaubsagenturen davon zu überzeugen, Einrichtungen, die Wale und Delfine in Gefangenschaft halten, nicht mehr zu unterstützen und zu bewerben. Große und namenhafte Organisationen in der Reise-, Tourismus- und Freizeitbranche haben eine aufgeklärtere Haltung eingenommen und ihr Angebot zu Einrichtungen mit in Gefangenschaft gehaltenen Walen und Delfinen eingestellt.

Unsere Kampagne, die sich zunächst an Richard Branson richtete, führte dazu, dass Virgin Holidays als erstes großes Unternehmen seine Unterstützung von Einrichtungen, die Wale und Delfine in Gefangenschaft halten, einstellte. Andere Reisegiganten wie Thomas Cook, British Airways Holidays, Expedia, Airbnb und Booking.com sind diesem Beispiel gefolgt.

Die einzige auffällige Ausnahme, die einen großen Schatten auf diese allgemein fortschrittliche Entwicklung wirft, ist der weltgrößte Reiseveranstalter TUI, der weiterhin Tickets für diese unzeitgemäßen und grausamen Shows anbietet und verkauft.

TUI unterstützt SeaWorld, Orlando, in dem Beluga Nanuq starb.
TUI unterstützt SeaWorld, Orlando, in dem Beluga Nanuq starb.

Bei Walen und Delfinen hinkt man hinterher

Eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung des allgemeinen Umdenkens und der kritischen Bewertung gegenüber Ausnutzung von Tieren in Gefangenschaft liegt bei ABTA, dem britischen Reiseverband. In den letzten Jahren hat ABTA auf die Problematiken in Zusammenhang mit Tieren in der Unterhaltungsindustrie aufmerksam gemacht und Tierschutzrichtlinien aufgestellt, die von den Mitgliedern des Reiseverbands wohlgesonnen angenommen wurden.

Elefanten, Großkatzen, Primaten und andere Tierarten, die in der Tourismusindustrie ausgenutzt werden, profitieren von den empfohlenen positiven Tierschutzrichtlinien der ABTA. Viele Urlaubserlebnisse, die Tiere ausbeuten (einschließlich Elefantenreiten oder Selfies mit Tieren wie beispielsweise Tigern und Schimpansen), gelten inzwischen als inakzeptabel. Allerdings scheint ABTA hinsichtlich der Gefangenschaft von Walen und Delfinen einen blinden Fleck zu haben, denn hierzu wurden die Tierschutzrichtlinien zurückgezogen, weil „die Meinungen darüber geteilt waren, was die Beweise über Anforderungen an den Umgang mit den Bedürfnissen von Delfinen in Gefangenschaft aussagen“.

Elefantenreiten gilt bei ABTA als inakzeptabel.
Elefantenreiten gilt bei ABTA als inakzeptabel.

WDC ist der festen Überzeugung, dass der fehlende Konsens in dieser Frage in erster Linie auf den Einfluss der TUI als ABTA-Mitglied und deren Wunsch zurückzuführen ist, das lukrative Geschäft mit in Gefangenschaft gehaltenen Delfinen weiterhin zu unterstützen.

Um TUIs Lücke im Tierschutzrecht anzusprechen habe ich unsere Petition letzte Woche an die TUI-Zentrale übergeben und mich mit TUIs Führungskräften getroffen. Ich bat sie um Unterstützung bezüglich der Thematik die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen einzustellen. Wir wissen, dass wir die Becken nicht über Nacht leeren können – das wäre auch nicht im Sinne der betroffenen Wale und Delfine. Aber wir sind entschlossen daran zu arbeiten, dass dies die letzte Generation von in Gefangenschaft gehaltenen Walen und Delfinen ist. Deshalb fordern wir Reiseveranstalter und Betreiber von Einrichtungen, die die Meeressäuger in Gefangenschaft halten, dazu auf, sich unserem Ziel anzuschließen. Wir fordern ein Ende der Zucht, der Shows und der Wildfänge, sowie die Unterstützung von Meeresrefugien in denen bereits in Gefangenschaft lebende Wale und Delfine in ihre natürliche Umgebung zurückkehren und wenn möglich sogar wieder frei gelassen werden können.

 

Ein gutes Gefühl

Mein Treffen mit TUI erwies sich als äußerst konstruktiv und wir konnten viele Themen besprechen. TUI hat bereits bewiesen, dass sie die Problematik bei Landtieren versteht und beispielsweise Refugien für Elefanten unterstützt. Warum also hat man sich nicht auch mit den empfindungsfähigen, intelligenten, komplexen und sozialen Walen und Delfinen, die unter den Bedingungen in Gefangenschaft stark leiden, befasst? TUI unterzieht ihr gesamtes Nachhaltigkeitskonzept einer umfassenden Überprüfung, um es zu aktualisieren und zeitgemäß zu gestalten. TUI räumte außerdem ein, dass einige Aspekte ihres derzeitigen Geschäftsmodells dringenderer Aufmerksamkeit bedürfen als andere. Nach den letzten zwei Jahren und der Belastungen durch die Pandemie kommt diese Überprüfung nun wieder in Gang.

 

WDC spielt auf lange Sicht

Wir wussten, dass wir einen langen Atem brauchen würden um die seit Jahrzehnten bestehenden Geschäftsmodelle von Reiseunternehmen bezüglich der Unterhaltung durch in Gefangenschaft lebenden Wale und Delfine zu ändern. Die Erfolge, die WDC in den letzten Jahren erzielt hat – gestützt auf soliden wissenschaftlichen Erkenntnissen und eine sich verändernde öffentliche Meinung – hat bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Nach meinem Treffen hatte ich den Eindruck, dass auch TUI einsieht etwas ändern zu müssen, insbesondere im Hinblick auf andere mächtige Mitglieder der Branche, die ihre Tierschutzrichtlinien bereits angepasst haben.

Wir werden den Dialog mit TUI fortsetzen und den Druck aufrechterhalten, um eine bessere Zukunft für alle Wale und Delfine in Gefangenschaft zu schaffen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung unserer Kampagnenarbeit - ich war stolz Sie vertreten zu dürfen.

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