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Schweinwale © Johnny Hendriks
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Stellnetzverbot in der Ostsee: wie effektiv ist der neue Beschluss wirklich?

Als ich nach einem Sabbatical Anfang April zurück an meinen Arbeitsplatz bei WDC kehrte, hatte sich in Sachen Stellnetzverbot in Deutschland erfreulicherweise einiges getan.

Im Herbst 2021 hatten wir über 100.000 Unterschriften an das Bundeslandwirtschaftsministerium überreicht, das von der damals amtierenden Agrarministerin Julia Klöckner geleitet wurde. Unsere Forderung: "Stellnetze raus aus Schutzgebieten". Unsere Kampagne baute auf die jahrelange Kampagnenarbeit von WDC und Partner-Organisationen auf, mit dem Ziel den Beifang von Schweinswalen in der zentralen Ostsee durch entsprechende Einschränkungen der Fischerei zu beenden.

Im Februar konnte schließlich ein neuer Meilenstein auf diesem langen Weg verzeichnet werden: Die Bundesregierung gab bekannt, dass Stellnetze zukünftig aus deutschen Schutzgebieten verbannt werden. WDC hat diesen kleinen Erfolg als treibende Kraft maßgeblich herbeigeführt – darauf können wir (und Sie als unsere Unterstützer*innen!) stolz sein.

Doch ich schreibe bewusst nur "kleiner Erfolg", denn leider ist das angekündigte Stellnetzverbot in deutschen Schutzgebieten nicht so effektiv, wie man meinen könnte. Zwar werden Stellnetze tatsächlich aus deutschen Meeresschutzgebieten verbannt, doch nur aus einigen wenigen: es sind genau vier. Weiterhin gilt das Stellnetzverbot auch nur saisonal von November bis Februar. Einen nachhaltigen Effekt für die Erholung der bedrohten Schweinswal-Population in der zentralen Ostsee hätte das Stellnetzverbot nur, wenn es ganzjährig sowie in allen Schutzgebieten gelten würde.

Das Stellnetzverbot ist durch seine Einschränkungen also nicht weitreichend genug.

© CSIP-ZSL

Es ist der minimale, gemeinsame politische Nenner, auf den sich die EU-Mitgliedsstaaten einigen konnten. Die tatsächliche Schutzwirkung dieses eingeschränkten Stellnetzverbotes bleibt weit hinter unseren Forderungen zurück.

Für mich ist klar, dass noch ein langer Weg vor uns liegt, bis umweltschädliche Fischereimethoden in Deutschland und Europa der Vergangenheit angehören und wir ein Ende für den massiven Beifang von Meeressäugern in Fischernetzen sehen.

Was bleibt zu tun, um dies zu erreichen? Es geht vor allem darum, zukünftig auf umweltschonende Fangmethoden umzustellen. Wie die genau diese aussehen und welche Ansätze am erfolgversprechendsten sein werden, weiß heute niemand ganz genau. Aber durch Fördergelder und Pilot-Projekte zum Testen alternativer Fangmethoden können wichtige Weichen gestellt werden. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Akzeptanz und die Kooperation seitens der Fischer*innen. WDC ist hierzu an einem Projekt beteiligt, das den Dialog mit Fischer*innen fördert und ihre Bereitschaft, auf alternative Fangmethoden umzustellen, untersucht.

Die Fischerei ist seit langer Zeit in einer großen Krise, was nicht zuletzt an den schwindenden Fischpopulationen und den vielfach schwer geschädigten Meeren liegt. Es braucht hier, ähnlich wie in der Landwirtschaft, eine tiefgehende Transformation. Dies geschieht leider nicht von heute auf morgen, sondern bedarf des Anpackens an vielen Stellschrauben. Wir von WDC werden uns auch in Zukunft für ein Ende des Beifangs einsetzen. Wir werden der Bundesregierung (und insbesondere den neuen Minister*innen) auf die Finger schauen und unseren Forderungen Nachdruck verleihen. Schließlich ist jeder in einem Fischernetz gestorbene Schweinswal eine Tragödie, die vermieden werden kann und muss.

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutz - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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