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Atlantischer Nordkaper mit Jungtier © Chris Slay
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In Fanggeräten verwickelter Atlantischer Nordkaper mit Nachwuchs gesichtet

Bei einer Erkundungstour am frühen Morgen des 23. April entdeckten Wissenschaftler*innen des Center for Coastal Studies östlich des Cape Cod (USA) den Atlantischen Nordkaper namens „Snow Cone“ mit seinem Nachwuchs. Sie ist der erste bekannte Atlantische Nordkaper, der dauerhaft verheddert in Teilen von Fischereigeräten lebt, und trotz dieser Umstände ein Kalb geboren hat.

Sie überrascht jedoch nicht nur mit ihrem Kalb, dass sie trotz der Fanggeräte, die permanent an ihr haften, zur Welt gebracht hat. Sie und ihr Nachwuchs haben vom Geburtsort im Südosten der USA bis nach Cape Cod gemeinsam eine Reise von über 1600km zurückgelegt.

Jetzt, da sich Snow Cone und ihr Kalb vor der Küste von Massachusetts aufhalten, befinden sie sich in unmittelbarer Nähe eines spezialisierten Teams des Center for Coastal Studies, welches für die Befreiung von verhedderten Walen in Fischereigeräten speziell geschult und zugelassen ist. Das Team kann nun ihren Zustand überwachen und feststellen, ob und wann sie vollständig befreit werden kann.

Snow Cone macht uns Hoffnung auf die Widerstandsfähigkeit ihrer stark bedrohten Art. WDC engagiert sich für den Schutz des Atlantischen Nordkapers und unterstützt die Entwicklung alternativer Fischereimethoden, die das Risiko der Tiere, sich in den Netzen zu verfangen, deutlich reduziert.

Snow Cone im April 2022 
Center for Coastal Studies, NOAA permit 18786
Snow Cone im April 2022 Center for Coastal Studies, NOAA permit 18786

Snow Cones Geschichte

Die vom Aussterben bedrohten Nordatlantischen Glattwale finden immer einen Weg uns zu überraschen.

Auftritt: Snow Cone. Sie ist ein ausgewachsenes Weibchen, das zum ersten Mal im März 2021 mit an ihrem Kopf verhedderten Seilen gesichtet wurde. Damals entfernte das hierfür geschulte und zugelassene Befreiungsteam des Center for Coastal Studies hunderte Meter Seil von ihr, aber einige blieben in ihren Barten verwickelt.

Im Mai wurde sie im Golf von St. Lorenz in Kanada gesichtet, wo die Befreiungsversuche von den übrigen Leinen den ganzen Sommer über fortgesetzt wurden. Im Oktober kehrte sie in die amerikanischen Gewässer südlich von Cape Cod zurück, wo sie im November erneut gesichtet wurde. Immer noch verheddert und mit besorgniserregenden Verletzungen, die durch die Seile an ihrem Kopf entstanden waren.

Am 3. Dezember wurde sie dann von Forschungsteams vor Georgia gesichtet – noch immer in den Seilen verheddert. Allerdings überraschte Sie die Wissenschaftler*innen mit einem Baby an ihrer Seite. Dies ist der erste bekannte Fall eines Glattwals, der dauerhaft durch Verwicklungen in Fischereigeräte beeinträchtigt ist und dennoch eine Schwangerschaft erfolgreich überstanden hat.

Ihr Nachwuchs macht einen guten Eindruck, wurde jedoch in die unmittelbare Gefahr hinein geboren, sich in den Fanggeräten zu verfangen, die sich immer noch an Snow Cones Maul befinden. Auf dem Video ist zu sehen, wie das Junge sich an der Seite seiner Mutter wälzt, während über ihm die Überreste der Fischernetze treiben.

Wie kommen diese Verwicklungen mit Fanggeräten zu Stande?

Versehentliche Verwicklungen in Fanggeräten stellen nach wie vor eine der größten Bedrohungen für die Erholung der weniger als 350 verbliebenen und stark gefährdeten Atlantischen Nordkaper dar. Die Wale verfangen sich häufig in den Markierungsleinen von Fangnetzen. Bei Glattwalen scheint dies besonders häufig zu passieren, wenn sie fressen. Vermutlich sind sie bei ihrer Nahrungssuche so abgelenkt, dass sie die Leinen im Wasser um sie herum nicht oder zu spät bemerken.

Infolgedessen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Leinen oder Netze in den Barten der Wale verfangen, was ihnen die künftige Nahrungsaufnahme erschwert. Gelingt es dem Wal nicht, sich aus eigener Kraft oder durch Hilfe der geschulten Befreiungs-Teams von diesen Gegenständen zu befreien, dann ist sein Überleben in großer Gefahr. Der Stress, der mit diesen Umständen einhergeht, beeinträchtigt sowohl die Immunabwehr als auch die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit der Wale.

Die Weibchen sind entscheidend, wenn es um das Überleben dieser Art geht. Von den Atlantischen Nordkapern gibt es nur noch weniger als 100 fortpflanzungsfähige Weibchen, von denen jedes nur alle vier bis zehn Jahre Nachwuchs zur Welt bringt. Außerdem dauert es zehn Jahre bis ein Weibchen geschlechtsreif wird und es ist unwahrscheinlich, dass sie älter als vierzig Jahre alt wird, da sie vermutlich einer Schiffskollision oder Verwicklungen in Fischereigeräten zum Opfer fallen wird. Letzteres ist in Bezug auf die Reproduktion besonders kritisch, da jede Verwicklung in Netze oder Leinen die Chancen auf eine Schwangerschaft sowie erfolgreiche Geburt stark verringert.

Die Sichtung von Snow Cone und ihrem Baby macht gleichermaßen Hoffnung und Sorgen. Ausgebildete Befreiungs-Teams stehen rund um die Uhr bereit um aktiv zu werden, sobald die Umstände es zulassen oder es zu einer kritischen Situation kommt. Forschungsteams aus Florida und Georgia werden die Atlantischen Nordkaper in diesem Gebiet beobachten und diesen beiden besondere Aufmerksamkeit widmen.

Über Regina Asmutis-silvia

Executive director - WDC North America

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