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Forschung durch Ehrenamt: 750.000 Minuten Wal- und Delfinbeobachtung vor Schottland

(C) Emma Steel
(C) Emma Steel

Mit der großartigen Unterstützung unserer Freiwilligen konnten wir  an den Küsten Schottlands über 75.000 Mal nach Delfinen Ausschau halten. All diese Delfinbeobachtungen wurden im Rahmen unseres Shorewatch-Programms, mit Hilfe ehrenamtlicher Bürger*innen (Citizen Science), durchgeführt.

Ich habe versucht, diese riesige Zahl auf unterschiedliche Art und Weise zu verarbeiten. Bei einem 'Shorewatch' handelt es sich um eine 10-minütige Landbeobachtung von Walen und Delfinen. 75.000 Beobachtungen entsprechen also 750.000 Minuten beziehungsweise 12.500 Stunden, bei denen Freiwillige Ausschau gehalten haben. Das wiederum entspricht fast eineinhalb Jahren kontinuierlicher Walbeobachtung oder sechs Jahren Arbeit für eine*n Vollzeitmitarbeiter*in.

Hinter jedem Shorewatch steckt eine eigene Geschichte

Was mich allerdings wirklich verblüfft, ist der Gedanke daran, wie diese unglaubliche Zahl in der Praxis aussehen könnte. Ich stelle mir die 75.000 Male vor, bei denen sich jemand Mantel, Wollmütze und Handschuhe angezogen hat, um in der Kälte auszuharren. Oder bei denen sich jemand mit Sonnencreme eingerieben hat und mit seinem Hund zu einem örtlichen Shorewatch-Standort gelaufen ist, um dort in der Sonne nach Delfinen Ausschau zu halten. Oder von mir aus auch mit Mütze UND Sonnencreme nach draußen gegangen ist, da wir ja schließlich in Schottland sind!

Hinter jeder Beobachtung steckt eine Person und ihre Geschichte. (C) WDC

Ich stelle mir vor, wie Mahlzeiten eilig vor der Arbeit eingenommen werden oder man sich in der Mittagspause davonschleicht, um vielleicht einen Delfin zu sehen … und vielleicht kommt man auch zu spät zur Arbeit zurück, weil man Glück hatte und sich einfach nicht vom Anblick der Delfine losreißen konnte. Ich sehe, wie immer wieder Kisten geöffnet, Datenblätter entfaltet, Ferngläser um den Hals gehängt und an die Augen gehalten werden. Ich sehe, wie bei 75.000 verschiedenen Gelegenheiten der Timer gestartet wird, immer in der prickelnden Aufregung, was man wohl sehen könnte.

Es sind diese kleinen Geschichten, die die 75.000 Beobachtungen für mich so besonders machen. Jede einzelne Beobachtung steht für eine echte Person, die an einem anderen Ort hätte sein können und sich stattdessen dafür entschieden hat, nach Walen und Delfinen Ausschau zu halten.

Ob vor der Arbeit oder kurz in der Mittagspause - unsere Freiwilligen tragen wesentlich zur Datenerhebung bei! (C) WDC

 

Daten, die einen Unterschied machen!

Wir sind stolz, dass die Ergebnisse einiger dieser Beobachtungen im vergangenen Herbst im Wissenschaftsjournal Frontiers in Marine Science veröffentlicht werden konnten. Die Daten stammten von 584 WDC Shorewatch-Freiwilligen, die diese zwischen 2012 und 2018 gesammelt haben.

Die Ergebnisse belegen, dass Shorewatch-Daten dazu verwendet werden können, Muster und Veränderungen aufzuzeigen, wo und wann die fünf am häufigsten gesichteten Wal- und Delfinarten in den schottischen Küstengewässern beobachtet werden können. Zu diesen Wal- und Delfinarten gehören Große Tümmler, Schweinswale, Gewöhnliche Zwergwale, Rundkopfdelfine und Gemeine Delfine. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die Shorewatch-Daten qualitativ hochwertig sind, obwohl sie nicht von Wissenschaftler*innen, sondern von Bürger*innen entlang der schottischen Küste gesammelt wurden. Zudem helfen die Ergebnisse längerfristige Trends zu verstehen und unterstützen dadurch die Schutzbemühungen für Wale und Delfine, indem sie regionale als auch nationale Regierungsentscheidungen beeinflussen können.

 

Also weiter so, Shorewatchers, Ihr seid großartig!

Aber wir freuen uns nicht nur über das, was wir mit den Daten erreichen konnten, sondern überlegen uns auch schon, wie sich Shorewatch im Jahr 2022 und darüber hinaus entwickeln wird. Unsere Analyse hat gezeigt, dass die Daten am wertvollsten sind, wenn möglichst viele Parameter mit einfließen: Verschiedene Standorte, verschiedene Jahreszeiten, verschiedene Tageszeiten.

Es wird Sie vielleicht nicht überraschen, dass ein Großteil der konventionellen Forschung zur Beobachtung von Walen und Delfinen – insbesondere, wenn Boote beteiligt sind – im Sommer stattfindet, wenn das Wetter besser vorhersehbar ist und die Tage lang sind.  Wenn eine Studie an verschiedenen Tagen oder in verschiedenen Jahren wiederholt werden soll, kann diese auch nur an Orten stattfinden, die für Forscher*innen gut zugänglich sind. Es kann schwierig werden, Daten an kalten, dunklen oder abgelegenen Orten zu sammeln.

 

Lokale Unterstützung

Wie sich herausstellte, sind die Shorewatcher eine Antwort auf dieses Problem (Manchmal denke ich sogar, dass Shorewatcher die Antwort auf alles sind!). Lokale Freiwillige an der schottischen Küste können die kurzen Schönwetterperioden im Winter nutzen und frühmorgens oder kurz vor Einbruch der Dunkelheit an die Standorte zur Walbeobachtung gehen.

Aber denken wir noch einmal darüber nach, wie der Winter für unsere Freiwilligen in der Praxis aussieht. Sie verlassen das warme Haus und begeben sich an die kalte Küste, ziehen dickere Handschuhe und zusätzliche Socken an, stapfen mit den Füßen durch die Kälte, haben eine Thermoskanne mit heißem Kaffee dabei und kritzeln mit klammen Fingern Notizen über ihre Beobachtungen auf das kalte Blatt Papier, bevor sie schließlich vor Kälte zittern.

 

Sich der Herausforderung stellen

Damit die Wal- und Delfinbeobachtungen zukünftig im Winter noch mehr Erfolg bringen, haben wir uns das Ziel gesetzt, den Aufwand zwischen Dezember und März zu erhöhen. An jedem Standort soll entweder durch Einzelne oder einem Team von Shorewatchern 20 Mal pro Monat Ausschau gehalten werden. Das ist schwieriger als man denkt, da man mit wenig Tageslichtstunden und dem unvorhersehbaren Wetter konfrontiert wird. Zu unserer Überraschung wurde die Herausforderung von den Shorewatchern jedoch direkt angenommen – und wir sind schon ganz gespannt, wie die Teams mit den erschwerten Bedingungen zurechtkommen werden. Auf einen Winter mit kristallklarem Himmel und ruhiger See!

Die Zusammenarbeit mit den Shorewatchern ist fantastisch. Wir erhalten nicht nur Echtzeitberichte über Sichtungen in schottischen Küstengewässern, sondern können mit Tausenden von Beobachtungen pro Jahr auch eine starke Stimme für Wale und Delfine erheben. Hier geht es um echte Menschen, die echte Wissenschaft betreiben, und es zeigt sich, dass jede Beobachtung zählt!

Die Freiwilligen können vor Schottland das ganze Jahr über Wale und Delfine beobachten. (C) WDC

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

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