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Global Action Day March, Glasgow (C) WDC
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COP26: Haben wir die Staats- und Regierungschefs davon überzeugt, „auf das Meer zu hören“?

Ed Goodall, Projektleiter für den "Grünen Wal" bei WDC
Ed Goodall, Projektleiter für den "Grünen Wal" bei WDC

Während sich der Trubel rund um die UN-Klimakonferenz in Glasgow allmählich legt, ist nun ein guter Moment, um darüber nachzudenken, was wir dort für Wale, Delfine und den Ozean erreicht haben. Es wurde bereits viel darüber gesagt, wie die Veranstaltung ablief – deshalb werde ich Ihnen in diesem Blog meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke während diesen zwei intensiven Wochen in Schottland beschreiben.

Als ich in London auf meinen Zug nach Glasgow wartete, um den Wal- und Delfinschutz bei der UN-Klimakonferenz (COP26) zu vertreten, war der Bahnhof voller Menschen mit Koffern voller Krawatten und glänzender Schuhe. Die Stimmung war ausgelassen. Überall blinkten Plakate und Poster, die jeden daran erinnerten, dass dies nicht mehr die Zeit der Worte, sondern die Zeit der Taten war. Ich spürte eine seltsame Welle der Positivität. Ich hatte eigentlich erwartet, dass sie sehr gedämpft sein würde. Da ich seit Beginn der Pandemie nicht mehr gereist war, hatte ich vergessen, welche Kraft es hat, einfach unter Menschen zu sein – echte Gesichter zu sehen und das Gefühl der Leidenschaft zu spüren, das sich bei einem Videotelefonat nie wirklich einstellt. Inmitten dieser positiven Gedanken kam die Durchsage, dass ein Baum auf die Bahnstrecke gestürzt war. In Folge dessen hatten Tausende von Menschen Verspätung und meine Reise zur COP26 dauerte 15 statt sieben Stunden. Dieser Baum und der für die Jahreszeit ungewöhnlich starke Wind, der ihn zu Fall brachte, waren eine treffende Erinnerung an die Macht der Natur und ihre Fähigkeit, den menschlichen Fortschritt buchstäblich in seinen Bahnen aufzuhalten.

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Nach diesem Anfangsdebakel ...

machte ich mich also am Montag zusammen mit Vanesa Tossenberger, der internationalen Direktorin für die Policy-Arbeit bei WDC, auf den Weg zur sogenannten "Blue Zone". Ich hatte Vanesa schon viele Male über Zoom kennengelernt, aber erst am Vortag zur COP26 persönlich getroffen. Bis wir die Blue Zone betreten durften, verging eine Stunde, in der ich warten und fluchen musste, weil ich meine warme Mütze vergessen hatte. Immerhin war es inspirierend sich in der Warteschlange anzusehen, welche Vielfalt an Teilnehmer*innen vor Ort war. Menschen aus der ganzen Welt, aus verschiedenen Gesellschafts- und Kulturkreisen, die alle "Eines" vereint – der Wille, etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen. Auf der anderen Seite der Zäune wurden wir von Demonstrant*innen und Aktivist*innen an unsere Verantwortung erinnert. Auf "ihrer" Seite des Zaunes habe auch ich einmal angefangen und ich bewundere diese Menschen, die ihre Freizeit und ihr persönliches Geld nutzen, um sich bei den Entscheidungsträger*innen Gehör zu verschaffen.

In der Blue Zone herrschte ein reges Treiben voller Lärm und Dringlichkeit. Menschen, die mit wiederverwendbaren Kaffeebechern zu ungeplanten Treffen rannten, opportunistische Medienteams, die sich die Delegierten für O-Töne schnappten, endlose Nebenveranstaltungen in den Pavillons, Staatsoberhäupter, die von Sicherheitsteams umhergetrieben wurden, und der oder die eine oder andere Prominente, den jede*r mit dem Handy knipste. Es gab viel Positives zu verkünden, wie z. B. einen Pakt zur Beendigung der Entwaldung und zur Reduzierung der Methanemissionen bis 2030. Wir hatten gehofft, dass in den kommenden Tagen einige große Ankündigungen zum Thema Ozean kommen würden, aber das war nicht der Fall. Am Donnerstag hatten wir einen arbeitsreichen Tag, an dem wir im "Wasserpavillon" in Zusammenarbeit mit der Marine Conservation Society, dem Wildfowl and Wetlands Trust und dem SIWI (Stockholm International Water Institute) über die Bedeutung eines ganzheitlichen und vernetzten Managements von den Flüssen bis zum Meer referierten.

Unsere Veranstaltung machte deutlich, wie sehr Meer und Flüsse miteinander verbunden sind. (C) WDC
Unsere Veranstaltung machte deutlich, wie sehr Meer und Flüsse miteinander verbunden sind. (C) WDC
Das, was tatsächlich hinter den Kulissen passierte, wurde durch die Medien kaum kommuniziert.

All die brillanten und engagierten Menschen, mit denen ich in der Warteschlange gestanden hatte, waren drinnen – und hier fand der wahre Fortschritt statt. In den Gängen, in den Cafés, auf dem Boden oder auf einer feuchten Picknickbank sitzend, trafen sich die Leute nicht nur und redeten, sondern schmiedeten und trieben echte Pläne und Projekte voran. Es gab eine Art unausgesprochenes Eingeständnis, dass die Ankündigungen der Regierungen nicht ausreichen würden. Alle schienen sich einig, dass es darüber hinaus weiterhin großartige Menschen braucht, die auch ohne die Politik großartige Arbeit leisten würden. Auch wir von WDC führten zahlreiche solcher Gespräche und sind jetzt damit beschäftigt, diese weiterzuverfolgen und zu formalisieren – da sie enorme Auswirkungen auf den Ozean und den Schutz von Walen und Delfinen haben werden.

Am Samstagmittag waren wir alle erschöpft. Aber das perfekte Gegenmittel stand bereits auf dem Programm: fast 30.000 Schritte durch Glasgow zu gehen, für den "Global Day of Action March" ... im Regen! Wir haben uns mit der Marine Conservation Society zusammengetan, um unsere Wake Up Call-Aktion aus London eine Woche vor Start der COP26 zu wiederholen. Wir hatten fünf (wasserdichte!) Lautsprecher, aus denen wunderschöne Walgesänge ertönten. Bis wir tatsächlich mit dem Protestlauf beginnen konnten, vergingen zwei regennasse Stunden. Die Stimmung sank, bis uns klar wurde, warum wir gewartet hatten: Es wurden 50.000 Menschen erwartet, aber es kamen unglaubliche 100.000 Menschen, um sich Gehör zu verschaffen! Die Erkenntnis, dass es diese riesige Zahl war (der größte Marsch in Glasgow überhaupt), die den Beginn des Protests verhinderte, hat uns wirklich umgehauen. Es waren Menschen aller Altersgruppen – und so viele junge Menschen, für die wir alle die Verantwortung tragen, in dieser Krise alles zu tun, was wir können.

100.000 Menschen schlossen sich dem Protest an, um für unseren blauen Planeten zu kämpfen.
100.000 Menschen schlossen sich dem Protest an, um für unseren blauen Planeten zu kämpfen.

In der zweiten Woche ging es zurück in die Blue Zone, um unsere Gespräche fortzusetzen und neue Beziehungen auf der ganzen Welt zu knüpfen. Diese Kontakte sind wichtig und werden uns dabei helfen, die Ziele, die wir für unsere Arbeit rund um den "Grünen Wal" haben, voranzutreiben. Gemeinsam möchten wir dafür sorgen, dass die Entscheidungsträger*innen endlich "auf das Meer hören" und verstehen, dass wir den Ozean retten müssen, wenn wir den Planeten retten wollen ... und dafür müssen wir die Wale retten.

Der Bericht "A drop in the ocean", den wir in der ersten Woche in Zusammenarbeit mit Deloitte und der Marine Conservation Society veröffentlicht hatten, fand große Beachtung. Darin wiesen wir auf die enorme Ungleichheit bei der Klimafinanzierung für den Ozean hin – weniger als ein Prozent der verfügbaren Mittel werden für Meeresprojekte bereitgestellt, obwohl der Ozean 71 Prozent des Planeten bedeckt und die größte Kohlenstoffsenke der Erde ist!

Auch das Gedicht über "Wal-Kot" und dessen Nutzen für das Klima, das der englische Comedian Matt Harvey für uns geschrieben und vorgetragen hat, fand großen Anklang. Es wurde als Teil einer Gedichte-Reihe für die COP26 veröffentlicht und entstand auf Initiative des Künstler*innen-Kollektivs "Hot Poets". Es war ermutigend die Begeisterung all der Wissenschaftler*innen zu sehen, die sich von Anfang an mit dem Konzept des "Grünen Wals" befasst haben.

Gegen Mitte der zweiten Woche wurde der erste Entwurf der COP26-Abschlusserklärung veröffentlicht, und sie war überraschend stark. Es gab mehrere Passagen, in denen der Ozean erwähnt wurde – eine ganz neue Erkenntnis in Klimakreisen. Am aufregendsten war die Ankündigung eines jährlichen Ozean-Klima-Dialogs, um die Ambitionen für die Wiederherstellung und den Schutz der Ozeane zu erhöhen. Doch schnell kamen Gerüchte auf, dass die Formulierungen für den Schutz des Ozeans und anderer Teile des ersten Entwurfs wieder verwässert würden. Meeresschutz-NGOs, wie wir, arbeiteten bis spät in die Nacht zusammen, um Argumente und Quellen zu finden, mit denen die Länder überzeugt werden konnten, sich weiterhin an die gesteckten Ziele zu halten.

Der zweite Entwurf kam nach mehreren Verzögerungen heraus, und wir hatten nicht viel Hoffnung. Doch die große kollektive Anstrengung von Menschen aus aller Welt zeigte Wirkung – der Text blieb intakt! So blieb es auch im dritten Entwurf und in den endgültigen Dokumenten, auf die sich alle Parteien geeinigt hatten. Ein Riesenerfolg für den Meeresschutz! Der Wortlaut und die Verpflichtungen hätten stärker sein können (wie leider allzu oft), aber dennoch ist das Ergebnis ein wirklich positiver Schritt in die richtige Richtung für die Meere!

Ein gesunder Planet braucht Wale und Delfine. (C) Adobe Stock
Ein gesunder Planet braucht Wale und Delfine. (C) Adobe Stock

Enttäuschender Weise wurden im endgültigen Text wichtige Ziele für Themen wie der Kohleausstieg und die Subventionierung fossiler Brennstoffe verwässert.  Damit ist klar, dass immer noch mächtige Regierungen und Entscheidungsträger*innen ihre Finger im Spiel haben und alles versuchen werden, um ihren bisherigen Weg wie gewohnt fortsetzen zu können. Wir sind jedoch in eine neue Phase des Klimaschutzes eingetreten. Das Zeitalter der Klimaleugner ist vorbei: Die Klimakrise und das Artensterben gelten weltweit als größte Bedrohung für einen stabilen und lebenswerten Planeten.

Gute Menschen, die Großes leisten sowie die Erkenntnis, dass die Klimakrise das Thema unserer Zeit ist: Wir sind an einem Wendepunkt angelangt, an dem das "Business as usual", das "Weiter wie gehabt", endlich der Vergangenheit angehört.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

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