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Zwergwal © UrsulaTscherter / ORES

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Wale, Bäume und Schmetterlinge – wie wir dem Meer auf der COP26 eine Stimme geben

Ich bin in Glasgow und vertrete dort WDC auf der COP26, der 26. UN-Klimakonferenz. Es ist das erste Mal, dass WDC an einer solchen Konferenz teilnimmt, und wir haben etwas Wichtiges zu sagen: Die Welt muss dringend aufwachen und auf den Ozean hören – denn ohne ihn zu schützen, werden wir die Klima- und Biodiversitätskrise nicht überstehen. Die nächsten beiden Wochen werden intensiv, daher ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um zu reflektieren, wie ich eigentlich hier her gekommen bin.

Ich erinnere mich, dass ich mit sechs Jahren das erste Mal der Natur helfen wollte. Zusammen mit den Beaver Scouts, einer Pfadfinder-Gruppe, der ich angehörte und meiner Familie, befreiten wir eine kleine Waldlichtung von Unrat und weggeworfenem Müll. Am Ende des Tages schimmerte die Sonne durch das Haselnussgestrüpp und ein Schmetterling landete auf meiner Hand. Natürlich wissen wir nicht, ob Schmetterlinge "Danke" sagen können, aber mein junger Verstand entschied damals, dass es so war. Ich schreibe diesem Erlebnis und diesem einzelnen Schmetterling oft zu, dass er mein ganzes Leben geprägt hat.

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Wale spielen eine große Rolle beim Klimaschutz! Helfen Sie ihnen dabei.

Von den Bäumen zu den Ozeanen

Ich bin also aufgewachsen, habe studiert und hatte mehrere Jobs im Umwelt- und Naturschutzbereich.  In den letzten Jahren habe ich für den Schutz von Wäldern gearbeitet und verschiedene Projekte geleitet, z. B. zur Wiederherstellung der einheimischen Artenvielfalt und zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit von Lebensräumen, gegenüber den Veränderungen in unserer Welt. Dann hörte ich von Walen und der faszinierenden Rolle, die sie bei der Erholung der Ozeane spielen können – was für die Bewältigung der Klimakrise unerlässlich ist. So kam ich von den Bäumen zum Meer und bin jetzt hier bei WDC.

Seit langem wissen wir um die Vorteile, die eine größere Anzahl von Bäumen auf unserem Planeten mit sich bringt. Wir alle wissen, dass sie der Atmosphäre Kohlenstoff entziehen und wertvollen Lebensraum für einheimische Arten bieten. Wir brauchen auf jeden Fall mehr von ihnen und in den meisten Fällen können wir es der Natur überlassen, uns zu versorgen: In vielen Fällen pflanzen sich die Bäume von selbst fort, ohne dass der Mensch eingreifen muss. Aber Bäume sind nur ein Teil der Lösung für die doppelte Krise des Klimas und der Artenvielfalt. Das enorme Potenzial des Meeres ist der andere Teil – doch wird es bislang kaum beachtet.

Die Menschen fällen seit Tausenden von Jahren Bäume. Seit Tausenden von Jahren fängt der Mensch auch Fische. Jahrtausende lang geschah dies im Gleichgewicht; die Menschen nutzten nur das, was sie brauchten. Seit der industriellen Revolution hat sich jedoch ein Ungleichgewicht eingestellt – wir erreichen durch unsere Ausbeutung der Natur immer mehr Kipppunkte, mit deren Überschreiten sich die sensiblen Ökosysteme nicht mehr erholen können. Tatsächlich verbrauchen wir so viele Ressourcen, dass wir fast zwei weitere Planeten Erde bräuchten, damit der Rest der Natur mit unserer Lebensweise mithalten kann. Wir dürfen die Wälder und die Ozeane nicht länger nur als Rohstoffquelle betrachten sondern müssen endlich den immensen Wert ihrer erbrachten Ökosystem-Leistungen erkennen. Wir müssen zu einer Denkweise und einem Weltsystem übergehen, in dem wir nicht einfach das nehmen, was wir brauchen – sondern darauf achten, was die Natur uns geben kann.

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Wiederherstellung des Gleichgewichts

Das Meer bedeckt mehr als 70 Prozent der Erd-Oberfläche und ist der Lebensraum für 99 Prozent allen Lebens auf unserem Planeten. Es strotzt nur so vor Artenvielfalt. Wir müssen dem Meer nun endlich die Aufmerksamkeit und Pflege zukommen lassen, die es braucht – so wie wir uns in den letzten Jahren verstärkt darum gekümmert haben, den natürlichen Reichtum von Bäumen und Wälder wiederherzustellen. Vielen Menschen fällt es schwer, sich für eine große blaue, unscheinbare Wassermasse zu interessieren. Dabei ist das Meer für das Leben, wie wir es kennen, unerlässlich – und genau hier kommen Wale und Delfine ins Spiel.

Wale und Delfine sind unsere "Verwandten im Meer". Ähnlich wie wir Menschen sind sie intelligent, sie lösen Probleme, leben in Familiengruppen, säugen ihre Jungen und haben eine komplexe Sprache. Sie benutzen sogar Werkzeuge, um ihre Umwelt zu manipulieren, und bringen ihren Freunden bei, wie man sie benutzt! Sie haben unterschiedliche Kulturen in verschiedenen Populationen, genau wie wir. Sie sind die herrschen über die Meere, so wie wir Menschen das Land beherrschen. Aus neueren Studien wissen wir, dass sie auch als "Ökosystem-Ingenieure" fungieren, d. h., durch ihr Verhalten tragen sie zu einem gesunden Meer bei und schützen damit letztlich sich selbst. So wie wir mehr Bäume an Land brauchen, müssen wir also auch die Ozeane viel sensibler bewirtschaften, um es den Wal- und Delfin-Populationen zu ermöglichen, sich zu erholen und das Gleichgewicht im Ökosystem Meer wiederherzustellen.

Meine Kolleg*innen und ich werden bei der UN-Klimakonferenz nicht nur auf die wichtige Rolle der Wale aufmerksam machen und verdeutlichen, warum es wichtig ist, sie bei der Planung des Klimaschutzes zu berücksichtigen – sondern auch unsere Forderungen an die weltweiten Regierungen für stärkeren Meeres- und Walschutz vorbringen.

 

Konkret fordern wir:

 

  1. Das Gleichgewicht im Meer wiederherzustellen, als ob unser Leben davon abhinge – denn das tut es, indem sich die Regierungen verpflichten, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Ozeane zu schützen.

 

  1. Wale als unsere Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise anzuerkennen, indem die Regierungen Wale schützen und die Erholung der Walpopulationen auf das Niveau vor dem Walfang ermöglichen.

 

  1. In Wale zu investieren. Für die Bekämpfung des Klimawandels sind Milliarden von Dollar vorgesehen, doch weniger als drei Prozent dieser Mittel werden für naturbasierte Lösungen, z.B. den Schutz von Wäldern als natürliche Kohlenstoffsenke, bereitgestellt. Nur ein Prozent der finanziellen Mittel sind für den Meeresschutz bestimmt. Das muss sich dringend ändern!

 

  1. Die Menschen in den Mittelpunkt des Meeresschutzes zu stellen, indem wir dafür sorgen, dass der Naturschutz in die Küstengemeinden eingebettet ist und von ihnen geleitet wird.

 

  1. Alle Wale zu schützen – um ihrer und unserer selbst willen. Indem wir die Politik ändern, können wir die Tötung oder Schädigung von Walen verhindern. Wir müssen sie als "internationales öffentliches Gut" schützen und diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die ihnen schaden.

 

Wir haben unseren Planeten schon viel zu lange schlecht behandelt. Wir haben Bäume abgeholzt, Feuchtgebiete trockengelegt, Moore verbrannt und das Meer als Müllhalde benutzt. Wir müssen dringend das Gleichgewicht auf unserem Planeten wiederherstellen und der Natur das Gedeihen ermöglichen – denn es ist die Natur, die unser Gedeihen erst ermöglicht hat.

Wenn ich mich also an den Schmetterling erinnere, der vor fast 30 Jahren auf meinem Finger landete, ist er ein Symbol dafür, dass die Natur unser ganzes Leben prägt. Damit wir Menschen auf diesem Planeten überleben können, müssen wir das Gleichgewicht und die Harmonie der Natur wiederherstellen. Wale werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Doch das gelingt nur, wenn wir ihnen eine Chance geben, sich zu erholen. Geben wir ihnen und uns also auf der COP26 eine Chance und verbreiten wir ihre Botschaft.

 

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

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