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Besondere Orcas und ihre Geschichten (Teil 2)

Lime Kiln Lighthouse (C) Ulla Christina Ludewig Viele Menschen kennen die bewegenden Geschichten von gefangenen...

Besondere Orcas und ihre Geschichten (Teil 2)

Lime Kiln Lighthouse (C) Ulla Christina Ludewig
Lime Kiln Lighthouse (C) Ulla Christina Ludewig

Viele Menschen kennen die bewegenden Geschichten von gefangenen Orcas wie Tilikum, Lolita, Morgan oder Keiko ("Free Willy"). Doch auch in freier Wildbahn gibt es besondere Individuen, deren Geschichten zwar weniger bekannt, aber nicht weniger spannend und bewegend sind …  

Im ersten Teil dieser Blog-Serie habe ich die Orcas Port und Starboard aus Südafrika vorgestellt. Im zweiten Teil geht es um Onyx, den "flexiblen Waisen". Als ich zum ersten Mal zu den San Juan Islands an der Westküste der USA reiste, wusste ich noch nicht viel über die Southern Resident Orcas. Mir war bekannt, dass es sich um eine kleine, bedrohte Population handelt, die in den 1960er und 1970er Jahren durch Fangaktionen für Delfinarien um 40 Prozent dezimiert wurde. Lediglich ein Orca, der damals gefangen wurde, ist heute noch am Leben: Tokitae, auch Lolita genannt. Sie wird allein im Miami Seaquarium in den USA gehalten. Ein weiblicher Orca namens Wally wurde sogar nach Deutschland gebracht. Sie wurde beim Oktoberfest 1971 als Attraktion ausgestellt und mehrmals täglich in einer Show präsentiert. Einen Tag nach dem Oktoberfest, am 4. Oktober 1971, starb Wally an Herzversagen.

Auf San Juan Island gibt es einen besonderen Platz, von dem aus man die Southern Residents mit Geduld und Glück von Land aus beobachten kann: den Lime Kiln Point State Park, auch "Whale Watch Park" genannt. Hier lernte ich unter anderem Monika kennen, die inzwischen ein Orca-Forschungsprojekt leitet, das Orca Behaviour Institute. Außerdem hat sie ein spannendes Buch über die Southern Residents geschrieben (Endangered Orcas: The Story of the Southern Residents). Sie und die anderen "Orcaholics" vor Ort erzählten mir viel über die faszinierenden Individuen in der kleinen Orca-Gemeinschaft. So erfuhr ich auch von Southern Resident Orca "L87", auch Onyx genannt.

Onyx

Onyx wurde 1992 geboren. Seine Mutter ist Olympia (L32). Das "L" bedeutet, Onyx wurde im L-Pod geboren – der größten Familiengruppe innerhalb der Southern Residents. Außer dem L-Pod gibt es noch den J-Pod und den K-Pod. Normalerweise bleiben Orcas ihr Leben lang in ihrer Familiengruppe. Weibliche Nachkommen gründen irgendwann ihre eigene Familie, bleiben aber meist auch dann in der Nähe der Mutter. Im Jahr 2005 starb Olympia und es wurde erwartet, dass Onyx sich seinen näheren Verwandten anschließen würde, zum Beispiel seiner Schwester Spirit (L22), seinen Neffen Skana (L79) und Solstice (L89) oder seinem Cousin Mystery (L85).

Onyx jedoch … schloss sich dem K-Pod an. Er wurde fortan mit den beiden älteren Weibchen Lummi (K7) und Georgia (K11) gesichtet. Es wurde auch schon vorher beobachtet, dass einzelne Orcas sich kurzzeitig anderen Familiengruppen anschlossen, Onyx aber blieb das ganze Jahr über mit dem K-Pod zusammen. Insgesamt vier Jahre lang schloss er sich ihnen an, danach verbrachte er zehn Jahre im J-Pod. In den Jahren vor ihrem Tod wurde Onyx häufig an der Seite der Matriarchin Granny (J2) beobachtet. Seit 2020 ist Onyx wieder in seiner angestammten Familiengruppe, dem L-Pod.

Sehr faszinierend ist auch die akustische Seite von Onyx‘s Geschichte. Über das Lime Kiln Live Hydrophone, ein Unterwassermikrofon, kann man die Orcas "belauschen". Und da jede Familiengruppe ihren eigenen Dialekt hat, können die Expert*innen vor Ort immer schon genau sagen, wer denn da gerade in der Nähe ist oder am Lime Kiln Leuchtturm vorbei kommen wird. Als ich dort war, hieß es "J-Pod und L87", weil Onyx‘s L-Pod-Rufe natürlich auffielen unter den J-Pod-Rufen. Hier gibt es Hörbeispiele von den Rufen der einzelnen Pods.

Akustische Forschung mit Unterwassermikrofonen ist eine tolle Möglichkeit, mehr über die faszinierenden Meeressäuger zu erfahren, ohne sie zu stören. Das OrcaLab in British Columbia, Kanada, erforscht so bereits seit mehreren Jahrzenten die Population der Northern Resident Orcas. Diese Orca-Gemeinschaft besteht aus ungefähr 300 Individuen. Zu ihnen gehören auch die WDC-Patenorcas Uma (A42) und Current (A79). Sie sind Mutter und Tochter und gehören dem A5-Pod der Northern Residents an. Ihre Familie besteht noch aus weiteren Nachkommen von Uma sowie Currents Sohn. Interessanterweise begleitet auch diese Familie seit letztem Jahr ein Orca aus einer anderen Familiengruppe: Mystery (A94) gehört eigentlich zum A4-Pod der Northern Residents. Mystery scheint sich zeitweise von seiner Familie gelöst zu haben, denn seine Familie, angeführt von seiner Schwester Shooner (A64), wurde in diesem Jahr bisher noch nicht gesichtet. Die Forscher*innen hoffen jedoch, dass auch sie bald wieder gesichtet – oder eben gehört – werden.

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Über Ulla Ludewig

Projektreferentin - Ulla Christina Ludewig setzt sich im deutschen und internationalen WDC-Team für die Schließung von Delfinarien und verantwortungsbewusste Wal- und Delfinbeobachtung ein.

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