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Plastik-freier Juli: Machen Sie mit!

Ein Risso-Delfin hat sich in einer Fischerleine und Plastiktüten verwickelt. (C) Andrew Sutton
Ein Risso-Delfin hat sich in einer Fischerleine und Plastiktüten verwickelt. (C) Andrew Sutton

Seit dem 3. Juli 2021 sind in der EU Produkte aus Einwegplastik verboten. Dass die EU Einwegplastik verbietet, hat durchaus triftige Gründe. Tag für Tag kaufen Menschen unterwegs ihr Essen oder einen Coffee to go. Allein die Europäer produzieren auf diese Art und Weise 25 Millionen Tonnen Müll – pro Jahr. Unsere Kollegin Sonja Eisfeld-Pierantonio arbeitet für WDC zum Thema Plastik im Meer und richtet anlässlich des "Plastic Free July" (zu dt. plastikfreier Juli) eindringliche Worte an uns und gibt Tipps, wie man auf den umweltschädlichen Kunststoff verzichten kann.

Plastik ist überall. Wenn ich mich umschaue, sehe ich eine Unmenge von Dingen aus Plastik: meinen Computer, meine Uhr, Stifte, Lampen, Kleidung ... die Liste scheint endlos zu sein.

Plastik ist ein unglaublich nützliches und vielseitiges Material, aber ich habe ein Problem damit, wenn Dinge aus Plastik hergestellt werden, die nur dazu gedacht sind, einmal benutzt zu werden – besonders Plastiktüten, Plastikflaschen und Kaffeebecher zum Mitnehmen. Ja, sie sind recycelbar, aber leider haben die wenigsten Länder die Kapazitäten, unsere Tüten, Flaschen und Becher und all das andere recycelbare Plastik, das wir täglich benutzen, zu recyceln. Die Konsequenz ist, dass das überschüssige Plastik entweder verbrannt oder als Abfall ins Ausland verkauft wird – in Länder, die meist auch keine Kapazitäten für das Recycling haben. Folglich landet das Plastik in der Umwelt und stellt dort eine Bedrohung für Wale, Delfine, Schweinswale und andere Wildtiere dar.

Die British Plastics Federation schätzt, dass 46 Prozent der Kunststoffabfälle in Großbritannien verbrannt werden, 19 Prozent werden exportiert und 17 Prozent landen auf der Mülldeponie. Bleiben nur 18 Prozent, die recycelt werden. Schrecklich, oder?  Aber wissen Sie, was das Tolle an Einweg-Plastikartikeln ist? Wir können uns weigern, sie zu benutzen!

"Plastic Free July" ist eine Umweltkampagne, die sich für eine Welt ohne Plastikmüll einsetzt. Millionen von Menschen auf der ganzen Welt nehmen jedes Jahr daran teil, wobei sich viele dazu verpflichten, ihre Plastikverschmutzung weit über den Monat Juli hinaus zu reduzieren.

Vor vier Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht, den Plastikfußabdruck meiner Familie zu reduzieren, indem ich bewusste Entscheidungen traf und einen Einweg-Plastikartikel nach dem anderen wegließ. Ich begann damit, mein Gehirn darauf zu trainieren, immer eine wiederverwendbare Einkaufstasche bei mir zu tragen. Als nächstes nahm ich mir Plastikflaschen vor. Ich kaufte eine wiederverwendbare Edelstahlflasche für jedes Familienmitglied und einen Wassersprudler für die Küche, um unser eigenes Mineralwasser herzustellen. Adieu Einweg-Wasserflaschen.

Dann habe ich mir meine Kaffee-Trinkgewohnheiten angesehen. Vor der Pandemie musste ich häufig nach London reisen und holte mir tagsüber einen "Coffee to go". Die Kaffeebecher zum Mitnehmen sind schwer zu recyceln, da sie aus einer Mischung aus Pappe auf der Außenseite und einer dünnen Plastikfolie auf der Innenseite bestehen, um den Becher wasserdicht zu machen. So ist es oft auch mit diesen dreieckigen Sandwich-Verpackungen. Das Trennen dieser Schichten ist schwierig. In Deutschland werden täglich 2,8 Mrd. dieser Kaffeebecher verwendet, aber weniger als einer von 400 wird recycelt – die meisten landen auf der Mülldeponie. Also habe ich die Entscheidung getroffen, keinen Kaffee zu kaufen, wenn ich meinen wiederverwendbaren Kaffeebecher nicht dabei habe und keine Zeit habe, mich im Café hinzusetzen, um mein Getränk zu genießen.

Ich entdecke immer wieder neue Ideen und schaffe mir neue Gewohnheiten. Dazu gehört, dass ich mehr darauf achte, was ich kaufe und wie es verpackt ist, dass ich mich für loses Obst und Gemüse entscheide. Dass ich Shampoo- und Duschgelflaschen gegen Shampoopulver (in einer recycelbaren Aluminiumflasche) und Seifenstücke austausche; Zahnpasta gegen Zahntabletten, Deodorant in einem Plastikbehälter gegen meine eigene, selbstgemachte Version. Inzwischen stelle ich sogar meine eigene Körperbutter her, anstatt Lotion in einer Plastikflasche zu kaufen.

Für meinen Geschmack benutze ich immer noch zu viel Plastik, aber indem ich Nein zu den drei größten Übeltätern (Plastikflaschen, Einweg-Kaffebecher und Plastikverpackungen) sage und bewusste Entscheidungen treffe, kann ich viel bewirken und die von mir produzierte Recyclingmenge reduzieren. Während des "Plastic Free July" werde ich mich dazu entschließen, noch mehr Einwegplastik abzulehnen, und ich möchte Sie ermutigen, sich mir anzuschließen. Fangen Sie irgendwo an, auch wenn es nur mit kleinen Veränderungen ist: Wählen Sie ein paar Verhaltensweisen aus der Liste unten, auf die Sie sich konzentrieren möchten.

Ändern Sie nicht alles auf einmal und machen Sie sich nicht verrückt, wenn es nur in kleinen Schritten vorangeht. Es ist eine "Reise" – aber jede kleine Veränderung zählt.

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Weitere Infos & Tipps rund um das Thema "Plastik vermeiden"

Mit unserer Kampagne "Weniger Plastik ist Meer" möchten wir Sie bei Ihrem Weg zu einem plastikfrei(er)en Leben unterstützen. Hier wartet eine Liste mit Unverpackt-Läden, ein kostenloser Clean-Up Guide und weitere Infos zur Bedrohung von Walen und Delfinen durch Plastik auf Sie:

Machen Sie bei unseren Clean-Ups mit!

Trotz der Corona-Einschränkungen ist es uns 2020 gelungen, mit Unterstützung von BRITA bundesweit acht Clean-Ups zu organisieren. An Rhein und Main, an der Spree und an der Nordseeküste haben 279 Teilnehmer*innen insgesamt 194 Säcke voller Müll gesammelt. Ein beeindruckendes und erschreckendes Ergebnis!

Dieses Jahr machen wir weiter: In 2021 finden noch zwei weitere Clean-Ups statt, eines in Hamburg und eines in München.

Alle Infos unter whales.org/cleanup.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Über Bianca König

Leiterin Kommunikation - Bianca König ist bei WDC zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, News & Blogs, Newsletter, das Magazin Wal & Meer, Social Media und plant Kampagnen mit. Als Ehrenamtliche unterstützt sie regelmäßig die Forschungsarbeiten der Orca-Forschungsstation OrcaLab an der kanadischen Westküste, wo die Paten-Orcas von WDC beheimatet sind.

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