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Die Macht dreier Nordkaper

(C) Pexels / Hernan Segui
(C) Pexels / Hernan Segui

Neben meinem Mann und meinen Kindern sind die Nordatlantischen Glattwale, auch "Nordkaper" genannt, ein fester Bestandteil meines täglichen Lebens. Sie sind fest in meine Existenz und meine Familie eingewoben. Ich bin in ständiger Alarmbereitschaft für die Bedürfnisse meiner Familie – aber auch für die Bedürfnisse dieser speziellen Walart – damit sie überleben.

Ich scherze nicht, wenn ich sage, dass eine normale Gedankenkette in meinem Kopf etwa so abläuft: "Vergiss nicht, auf dem Heimweg bei der Apotheke vorbeizuschauen; die Glattwalsichtungen südlich der Insel sprechen eindeutig für eine Geschwindigkeitsbegrenzung für Schiffe; Oh Mist, ich habe vergessen zu schauen, ob wir Waschmittel brauchen…"

Der Unterschied ist, dass ich meine Familie regelmäßig sehe – die Wale, deren Leben ein so großer Teil meines eigenen Lebens sind, sehe ich hingegen selten. Im Laufe meiner Karriere hatte ich bereits viele Male die Gelegenheit, Nordkaper zu sichten. Die Feldforschung ist inzwischen aber keine meiner Routinearbeiten mehr. Bei der politischen Arbeit, auf der mein aktueller Fokus liegt, geht es hauptsächlich darum, Wale zu retten – und nicht, sie zu sehen.

Die Möglichkeit, wieder auf dem Wasser zu sein, konnte ich daher nicht ablehnen. Kürzlich wurde ich gebeten, Ausfahrten zur Erforschung von Glattwalen der Woods Hole Oceanographic Institution zu begleiten. Ich nahm die Chance wahr, Glattwale zu sehen, alte Freunde zu treffen und mich von meinem Computer zu entfernen. Drei Glattwale später, war ich für immer verändert.

 

Tag 1

Durch die Doppelmasken, die wir als Teil der COVID-Protokolle trugen, war es schwer, meine Brille vor dem Beschlagen zu bewahren. Ich hatte ganz rote Augen von der Sonne, die im Wasser reflektierte, auf das wir stundenlang starrten – immer auf der Suche nach Walen.

Mehr als 32 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem wir gestartet waren, fanden wir schließlich einen Wal. Er (oder sie) verbrachte nur wenig Zeit an der Oberfläche. Doch anhand des Luftblasenschleiers im Wasser, der von der Schwanzflosse des Wals aufgewirbelt wurde, konnten wir ihm nachgehen.

Nordkaper wie dieser verkörpern die Notlage ihrer gesamten Spezies: Da sie auf ihrer Reise kaum an die Meeresoberfläche auftauchen, sind sie schwer zu orten und laufen Gefahr, mit einem vorbeifahrenden Schiff zu kollidieren.

Als der Wal schließlich seine Fluke aus dem Wasser hob, stellten wir fest, dass er mit Narben übersäht war. Die Narben schienen durch den Kampf mit einem Seil verursacht worden zu sein – glücklicherweise gelang es dem Wal, sich zu befreien. Doch einmal mehr wurde mir bewusst: Die Bedrohungen, denen die Nordatlantischen Glattwale ausgesetzt sind, sind real. Ich sah die Folgen direkt vor mir.

Wie selten die Art inzwischen geworden ist, verdeutlichte die mehr als fünf Stunden andauernde Forschungsfahrt – mit nur einer Walsichtung. Das konnte nicht der letzte Glattwal sein, den ich jemals sehe. Ich muss mehr tun.

 

Tag 2

An Land sonnten sich die Menschen, sie trugen T-Shirts und kurze Hosen, denn es war ein warmer Frühlingstag. Für unsere nächste Ausfahrt auf dem Wasser zogen wir uns hingegen für den Winter an und für weitere Stunden der Suche nach einem weiteren Glattwal.

Heute hatten wir etwas mehr Glück und konnten zwei Nordkaper sichten: Eine Mutter und ihr Nachwuchs, dicht an ihrer Seite. Ich beobachtete, wie die Mutter so zielstrebig ihren Kopf zum Atmen hob, als würde das Gewicht der Welt auf ihren Schultern lasten. Und das tut es auch. Sie ist die Mutter eines der nur 17 neuen Jungtiere der Nordkaper, die in diesem Jahr geboren wurden.

Sie ist eine Kriegerin, die eine Reihe von verheilten Propellerwunden an der Flanke und ein Armband aus Wunden an der Schwanzflosse trägt, die sie von den tiefen Einschnitten von Netzteilen erlitten hatte. Trotz der Narben, die sie durch menschliche Aktivitäten in ihrem Lebensraum trägt, ist sie neugierig und lässt uns ihren Nachwuchs beobachten.

Dieser kleine "Wonneproppen" wiegt über eine Tonne. Wie Menschen-Babys haben auch Glattwal-Babys anfangs noch eine etwas verkürzte "Mops"-Nase. Wir konnten es klar erkennen, als uns der Kleine sein Gesicht aus dem Wasser entgegen streckte, um einen Blick auf uns zu werfen. Die Ausbuchtungen im Gesicht des kleinen Wals waren noch ganz frisch. Wenn sie vollständig entwickelt sind, dienen sie Forscher*innen als einzigartiges Merkmal zur Identifikation des Wals.

Das Auffälligste an Glattwal-Babys wie diesem ist das, was fehlt. Sie sind makellos. Es gibt keine Narben von Verwicklungen in Fischernetzen, keine Wunden von Schiffskollisionen – keine Hinweise darauf, dass sie zufällig auf Menschen gestoßen sind. Sie verkörpern Hoffnung. Sie sind Hoffnung für eine Welt, in der Glattwale ohne ständige Risiken leben könnten. Jungtiere wie dieses geben Hoffnung für das Überleben ihrer Art – Hoffnung für uns alle, die für ihre Rettung kämpfen.

Das Wetter hatte entschieden, dass es keinen dritten Tag für mich auf dem Wasser geben sollte. Das Boot war am Dock angebunden, während die Forscher*innen auf positivere Wettervorhersagen warteten. Ich saß inzwischen wieder an meinem Computer, ein bisschen trübe von der Sonne und für immer verändert. Ich werde an der Angst, dem Adrenalin und der Hoffnung festhalten, die mir diese Erfahrung gegeben hat.

Ich wünsche jedem, der die Nordkaper retten will, die Chance auf eine Begegnung wie diese. Um zu sehen, wen man rettet. Um zu spüren, wie das Herz vor Panik bei dem Gedanken an ihren Verlust pocht. Und um das Gefühl kennenzulernen, dass das Adrenalin überhandnimmt und man mehr tun will, um das Überleben dieses Wals zu sichern.

Wir müssen noch so viel tun, um sicherzustellen, dass das kleine Glattwal-Baby ohne Wunden und Narben aufwächst und selbst zu einem Elternteil für eine neue Generation werden kann. Mit Ihrer Unterstützung können wir zu einer besseren, ungefährlicheren Welt für die Nordkaper beitragen.

WALSCHUTZ = KLIMASCHUTZ

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Über Regina Asmutis-silvia

Executive director - WDC North America

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