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Das leise Verschwinden der Schweinswale aus der deutschen Nordsee

(C) Charlie Phillips
(C) Charlie Phillips

Ein Forscher*innen-Team der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover veröffentlichte Anfang Januar 2021 eine Studie über den Rückgang der Schweinswale in der Nordsee. Das Team untersuchte die Populationsgröße der Schweinswale in der deutschen Nordsee über einen Zeitraum von rund 20 Jahren. Ein besonderer Fokus lag auf den ausgewiesenen Meeresschutzgebieten. Die Ergebnisse sind besorgniserregend.

Die Populationen wurden per Flugzeug aus der Luft, durch Zählungen und entsprechende Hochrechnungen ermittelt, aus denen über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg Trends gebildet wurden. Die Auswertung der Daten zeigte, dass die Zahl der Schweinswale in der Nordsee zwischen 2002 und 2019 fast stetig um 1,8% pro Jahr abgenommen hat. Interessant ist dabei, dass sich die Population großflächig von den nördlichen Jagd- und Fortpflanzungsgebieten in südlichere Regionen zu verlagern scheint.

Der Rückzug der Schweinswale aus einem ihrer wichtigsten Schutzgebiete, dem "Sylter Außenriff", ist besonders bedenklich, denn die kleinen Wale gelten als sogenannte "Indikatoren" für den Gesundheitszustand eines Ökosystems. Verschwinden sie aus einem Gebiet, deutet das darauf hin, dass das Gleichgewicht dieses Lebensraums nachhaltig gestört ist.

Die Ursachen dafür sind vielschichtig: Obwohl Schweinswale laut EU-Umweltrecht als streng geschützte Art geführt werden, finden sie selbst in ausgewiesenen Schutzgebieten kaum Ruhe und ausreichend Entlastung von menschlichen Aktivitäten. Meeresverschmutzung, Unterwasserlärm und vor allem die Fischerei machen den Meeressäugern zu schaffen. Schweinswale ernähren sich von kleinen Fischen wie Hering, Sprotte und Sandaal, die auch auf der Fangliste lokaler Fischer*innen stehen. Hinzu kommen umweltschädigende Fischereimethoden, wie die Grundschleppnetzfischerei. Außerdem fordert die Stellnetzfischerei jedes Jahr Hunderte Schweinswale, die als Beifang sterben. Die Populationen können sich also kaum erholen.

Im "Borkum Riffgrund", dem kleinsten und am weitesten südlich gelegenen der untersuchten Schutzgebiete, konnten die Forscher*innen ein erhöhtes Vorkommen von Schweinswalen feststellen. Dies ist jedoch problematisch: Da Schweinswale sehr mobile Arten sind und ihre Verbreitung variiert, kommen (zu) kleine Schutzgebiete ihren räumlichen Bedürfnissen nicht angemessen nach. Folglich können die Schutzgebiete ihre Funktion nicht effektiv erfüllen.

 

Meeresschutzgebiete in der deutschen Nordsee. (C) WDC

 

"Die mit dieser Studie vorgelegten Daten zeichnen ein trauriges Bild", sagt Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC. "Der deutliche und kontinuierliche Rückgang der Schweinswale in deutschen Nordsee-Gewässern zeigt nicht nur, wie es den Tieren, sondern auch wie schlecht es dem Lebensraum Meer als Ganzes geht. Und es zeigt in aller Deutlichkeit das Versagen der Meeresschutzpolitik in Deutschland."

WDC berichtete erst kürzlich, dass viele marine Schutzgebiete nur auf dem Papier existieren und fordert seit langem, dass menschliche Aktivitäten, insbesondere Fischerei, aus Schutzgebieten herausgehalten werden. Die neue Studie legt jetzt dar, wie dringend entsprechende Maßnahmen und deren langfristige Kontrolle umgesetzt werden müssen.

In der zentralen Ostsee gilt der Schweinswal mit rund 500 verbleibenden Individuen bereits als vom Aussterben bedroht. WDC startete deshalb im November 2020 die Kampagne "Stellnetze raus aus Schutzgebieten!" und fordert mit einer Petition Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dazu auf, dafür Sorge zu tragen, dass Stellnetze endlich aus Schutzgebieten verbannt sowie alternative Fischereimethoden gefördert werden.

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Bianca König

Über Bianca König

Referentin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - Bianca König unterstützt bei WDC den Bereich Kommunikation und organisiert bundesweite Clean-Ups. Als Ehrenamtliche unterstützt sie regelmäßig die Forschungsarbeiten der Orca-Forschungsstation OrcaLab an der kanadischen Westküste, wo die Patenorcas von WDC beheimatet sind.

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