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Neue Studie zeigt: EU-Meeresschutzgebiete existieren nur auf dem Papier

(C) WDC
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Eine Analyse der Europäischen Meeresschutzgebiete hat ergeben, dass es fast allen an effektivem Schutz und Management fehlt. Die Auswertung bezog sich auf knapp 3.500 MPAs (Marine Protected Areas), die im Rahmen des europäischen Natura 2000-Programms ausgewiesen wurden. WDC fordert, dass sowohl die EU-Kommission als auch die Mitgliedsstaaten endlich für wirkungsvollen Schutz der Meere sorgen.

Im Jahr 2018 erklärte die EU, die internationalen Ziele für den Meeresschutz erreichen zu wollen, indem zehn Prozent der europäischen Gewässer als Meeresschutzgebiete ausgewiesen würden. Doch die Ausweisung ist nur ein Schritt von vielen – was den meisten MPAs bis heute fehlt, ist ein effektives Management und die Umsetzung entsprechender Schutzmaßnahmen.

Wie viel Schutz die europäischen Meeresschutzgebiete tatsächlich bieten, untersuchte jetzt die NGO Oceana. Die Studie beschäftigt sich mit dem Ausmaß der schädlichen menschlichen Aktivitäten innerhalb von MPAs sowie mit den Managementplänen und den Maßnahmen, die den Bedrohungen begegnen sollen. Die Ergebnisse der Untersuchung sind erschreckend:

  • In 96 Prozent der Schutzgebiete sind mindestens eine extraktive (z.B. Fischerei oder Kiesabbau) oder industrielle Aktivität (z.B. Schifffahrt), oder eine infrastrukturelle Entwicklung (z.B. Bau von Offshore Windparks) erlaubt.
  • In 53 Prozent der größten Natura 2000-Schutzgebiete aus jedem EU-Land gibt es keinerlei Management.
  • 80 Prozent der existierenden Managementpläne, waren unvollständig oder befassten sich nicht mit den Hauptbedrohungen innerhalb der Gebiete.
  • In mehr als 500 Natura 2000-Schutzgebieten ist "hochriskante" Fischerei erlaubt – d.h. Fischerei mit Geräten, die bekanntermaßen Riffe, Sandbänke und Seegraswiesen schädigen wie z.B. Grundschleppnetzfischerei.

Das Fazit: Genau die Lebensräume, die zahlreichen seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bieten und deshalb dringend geschützt werden müssen, leiden massiv unter den Aktivitäten des Menschen.

"Wir kritisieren den mangelnden Schutz innerhalb von Schutzgebieten, der mit diesem Bericht eindrucksvoll und ernüchternd dargelegt wird, schon seit langem", sagt Fabian Ritter, Leiter des Bereichs Meeresschutz bei WDC. "Auch Deutschland ist da keine Ausnahme. Erst viel zu spät hat die Bundesregierung Managementpläne für die marinen Schutzgebiete vor Deutschland in Angriff genommen – für die Ostsee fehlen sie bis heute. Eine wirksame Kontrolle von Maßnahmen findet auch bei uns nicht statt, und selbst umweltschädigende Fischerei ist in allen Schutzgebieten möglich. Mit solchen Paper Parks ist niemandem geholfen außer der Industrie."

Fest steht, dass viele MPAs nur den Mindestschutz für eine begrenzte Auswahl an Kriterien abdeckt. Darüber hinausreichende, schädliche Aktivitäten verhindern jedoch, dass sich die Ökosysteme nachhaltig erholen und entwickeln können. Ein Beleg dafür ist, laut Bericht, der fortschreitende Rückgang mariner Arten und Lebensräume innerhalb der europäischen MPAs.

In der Nord- und Ostsee ist besonders die einzige bei uns beheimatete Walart, der Schweinswal, bedroht. Die Population in der zentralen Ostsee verringerte sich in den vergangenen Jahren auf nur noch rund 500 Individuen. Eine Hauptbedrohung ist die Stellnetzfischerei, die in Deutschland bis heute in sämtlichen Schutzgebieten erlaubt ist. WDC startete deshalb im November 2020 die Kampagne "Stellnetze raus aus Schutzgebieten!" und fordert mit der Petition Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner dazu auf, dafür Sorge zu tragen, dass Stellnetze aus Schutzgebieten verbannt sowie alternative Fischereimethoden gefördert werden.

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Fabian Ritter

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutz - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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