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Wird es in Russland jemals ein Ende des Wal- und Delfinfangs geben?

Der Orca Narnia tritt in Russland auf. (C) Oxana Fedorova
Der Orca Narnia tritt in Russland auf. (C) Oxana Fedorova

Das berüchtigte "Walgefängnis"an Russlands östlicher Küste steht leer. Vom Spätsommer 2018 bis November 2019 wurden mehr als 100 wild gefangene Belugas und Orcas in winzigen, überfüllten Becken gefangen gehalten, um sie später an Aquarien weltweit zu verkaufen. Als der Winter einsetzte, begann das Eis die Becken zu bedecken, und es wurde sich weltweit dafür eingesetzt die gefangenen Wale aus ihrer schrecklichen Lage zu retten. Stars wie Pamela Anderson und Leonardo DiCaprio forderten gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus aller Welt, darunter auch vom WDC, Präsident Putin auf, die Wale zu retten.

Im April 2019 reisten der Ozeanograf Jean-Michel Cousteau und Charles Vinick vom „Whale Sanctuary Project“ nach Russland und unterzeichneten ein Abkommen über die Freilassung der Wale.

Im November war dann das Walgefängnis endlich leer. 11 Orcas und 87 Belugas (von denen einige in der Zwischenzeit "verschwunden" sein sollen, aber wahrscheinlich starben) wurden, nach einer Intervention von Präsident Putin, freigelassen.

 

Was hat man daraus gelernt, und markiert dies einen Wendepunkt in der Einstellung Russlands gegenüber der Gefangenschaft? Das schauen wir uns jetzt mal genauer an…

 

Um eine Wiederholung des Walgefängnisses zu verhindern, hatten im Januar 2020 100.000 Personen in Russland eine Petition unterzeichnet. Die Petition erhob Einwände gegen die Gefangenschaft und forderte die russische Regierung auf, den Fang von Orcas, Belugas und Delfinen sowie deren Verkauf an Aquarien einzustellen. Daraufhin kam im April 2020 die erfreuliche Nachricht, dass die Regierung die Aufnahme der Orcas in das russische „Rote Buch gefährdeter Arten“ genehmigt hat - dabei handelt es sich um ein staatliches Dokument, das gefährdete Arten auflistet. Der Fang jeglicher der im Roten Buch gelisteten Arten ist illegal.

 

Russin*innen protestieren gegen das Walgefängnis. (C) FreeRussianWhales.org

 

Die russische Regierung antwortete auf die Petition im Mai, in Form von einer sogenannten "Experten"-Arbeitsgruppe, die die Bedenken der russischen Bürger*innen zurückwies und sich für die Fortsetzung des Fangs und Verkaufs der Wildtiere einsetzt. Was das genau für die Zukunft von russischen Walen und Delfinen heißt, müssen wir noch abwarten.

Am 22. Juli veröffentlichte „Проект“ (auf Deutsch: "Das Projekt"), ein unabhängiges russisches Medienunternehmen, eine detaillierte, mit grausigen Bildern begleitete Zusammenfassung dessen, was die Journalistin Svetlana Osipova als "das unmenschlichste Geschäft Russlands" bezeichnete.

Die Schwarzmeer-Tümmler waren die ersten Meeressäuger die in russischen Gewässern für die internationale Unterhaltungsindustrie gefangen wurden. Vor dem Zerfall der Sowjetunion, wurden Delfine vom Militär unter anderem für die Suche nach nicht explodierten Minen und zur  Überwachung von Militärhäfen eingesetzt. Diese trainierten Delfine wurden dann an Delfineinrichtungen in verschiedenen Ländern verkauft, um zahlende Zuschauer*innen zu unterhalten. Um die damals steigende Nachfrage zu befriedigen, wurden jedoch weitere freilebende Delfine gefangen genommen und ins Ausland verkauft. Das Schicksal der meisten gefangenen Tiere war ein kurzes Leben unter schrecklichen Bedingungen. In ihrem Artikel beschreibt die Journalistin Osipova beispielsweise zwei Delfine, die in einer mit Wasser gefüllten Grube in einem Kuhstall landeten.

Die Schwarzmeer-Tümmler stehen heute unter dem Schutz von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), dem "Washingtoner Artenschutzübereinkommen". Demnach ist es illegal, Individuen, die in der Wildnis gefangen wurden, für kommerzielle Zwecke zu exportieren. Jedoch gibt es Anzeichen, dass der Handel mit den Delfinen fortläuft: In einigen Teilen der Welt besteht nach wie vor eine geringe, aber stabile Nachfrage nach Delfinshows und dem Schwimmen mit Delfinen. Bei anderen Walarten, die in russischen Gewässern vorkommen, sieht die Situation jedoch etwas anders aus. Der Wildfang von Belugas und Orcas wird fortgesetzt.

 

Ponchik, ein riesiger Beluga, der in einem kleinen Becken in Russland gehalten wird. Er starb 2019. (C) Oxana Fjodorowa

 

Es ist nach wie vor möglich, Wale und Delfine und andere Meeressäuger für kulturelle, erzieherische und wissenschaftliche Zwecke zu fangen. Delfinarien sind in Russland als Einrichtungen anerkannt, die diese Kriterien erfüllen und sind somit legal. Osipova berichtet, dass Russland zwischen 2012 und 2018 der weltweit größte Exporteur von Meeressäugern war. In den letzten sieben Jahren hat der russische Zoll die Ausfuhr von 637 Walen, Delfinen, Robben, Seelöwen, Walrossen und anderen Meeressäugern mit einem Gesamtbetrag von mehr als 29 Millionen Dollar verzeichnet. China ist der größte Importeur von Meeressäugern aus russischen Gewässern.

Nach russischem Recht werden für den Fang von Meeressäugern artenspezifische Quoten festgelegt, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen der jeweiligen Populationen basieren sollten. In den meisten Fällen sind solche Daten jedoch nicht verfügbar, aber die Quoten werden trotzdem erteilt. Der Erhalt der Populationen ist dadurch nicht nachhaltig möglich. Die Individuen sterben oft während des Fangs oder kurz danach. Laut Tatiana Denisenko, Tierärztin und Spezialistin für Meeressäuger, überleben nur etwa 10 Prozent der gefangenen Individuen die Fangaktion. Allein der Transport in Containern, die schnell verunreinigt werden, verursacht Hautkrankheiten, Unterkühlung, Austrocknung und Verletzungen.

Nach dem nationalen und internationalen Aufschrei über das Walgefängnis wurden im Jahr 2020 keine Quoten festgelegt. Im Jahr 2019 wurden die Wal- und Delfinexporte gestoppt, und der russische Vize-Premierminister Alexej Gordejew behauptete, dass seine Regierung beabsichtige, den Walfang einzuschränken. Wir hoffen sehr, dass dies der Fall sein wird und es zu keinen weiteren Fängen kommt.

 

Eine neue Generation von Demonstrant*innen in Russland. (C) FreeRussianWhales.org

 

Doch für die gefangenen Tiere geht das traurige Leben weiter. Russland liegt bei der Zahl der Delfinarien weltweit an fünfter Stelle. Berichten zufolge sind 38 Einrichtungen durchgehend in Betrieb und es gibt einige zusätzliche Reiseshows oder Zirkusse. Viele dieser Einrichtungen haben infolge der Coronavirus-Pandemie jetzt wahrscheinlich Schwierigkeiten sich zu halten: Die Haltung von Meeressäugern ist teuer, selbst unter schlechten Bedingungen. Doch Freilassungsprojekte sind leider auch teuer und benötigen einiges an Planung und Vorbereitung.

Angesichts des zunehmenden Drucks auf das Walgefängnis, der abnehmenden Unterstützung für die Wal- und Delfingefangenschaft in vielen Ländern, der Einstellung von vielen Reiseveranstaltern gegenüber Gefangenschaftseinrichtungen und des verstärkten Schutzes von Orcas in Russland sollte der Fang von Walen und Delfinen in russischen Gewässern hoffentlich aufhören.

Im Jahr 2000 erkannte IWC, die "Internationale Walfangkommission" (die weltweit die Waljagd reguliert), fünf verschiedene Belugapopulationen im Osten Russlands an. Neue Forschungen der Beluga-Expertin Olga Shpak und anderer, lassen jedoch darauf schließen, dass es sich höchstwahrscheinlich um sieben verschiedene Populationen handelt. Dies bedeutet, dass bei der Erwägung einer Quotenfestlegung zusätzliche Untersuchungen durchgeführt werden sollten, da die Nachhaltigkeit jeder Population separat betrachtet werden muss. Natürlich sind wir der festen Überzeugung, dass Wale und Delfine nicht gefangen werden sollten, selbst wenn die Bestände nachhaltig sind.

WDC unterstützt Walforscher*innen im Osten Russlands sowie Organisationen, die sich gegen die Gefangennahme von Walen in russischen und internationalen Gewässern wenden.  Aber es gibt noch viel zu tun, wenn wir der grausamen Wal- und Delfingefangenschaft in Russland ein Ende setzen wollen. Machen wir uns nichts vor, es ist ein harter Kampf, und um ihn zu gewinnen, werden wir jede Unterstützung brauchen, die wir nur kriegen können – auch Ihre.

 

 

 

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Cathy Williamson

Über Cathy Williamson

Policy manager - End Captivity Programme Lead

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