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WDC fordert für den Schiffsverkehr weitere Geschwindigkeitsgrenzen zum Schutz der gefährdeten Atlantischen Nordkaper

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Clean-Up mit besonderem Flair

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Zeiten und Gezeiten – Orcas vor Großbritannien

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Besorgniserregende Wasserqualität in Delfinarium in Mexiko

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250 Wale beim Walfang auf den Färöer-Inseln getötet

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Zeiten und Gezeiten – Orcas vor Großbritannien

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Für die meisten von uns fühlt sich die Welt gerade sehr fremd an. Wir gewöhnen uns an eine neue Normalität mit veränderten Routinen und neuem Alltag. Beruhigend zu wissen also, dass zumindest einige Traditionen im alten, natürlichen Takt bestehen bleiben. Tauchen Sie mit mir in das Leben und die saisonalen Wanderrouten der wenig bekannten Orcas vor Großbritannien ein...

Solange ich denken kann, begeistere ich mich leidenschaftlich für Orcas. Anfangs bewunderte ich nur, wie majestätisch schön und mächtig diese Geschöpfe sind. Aber als ich Gelegenheit hatte, mehr über sie zu erfahren – wie sozial, mitfühlend und flink sie sind – wuchs auch mein Respekt vor diesen Spitzenpredatoren enorm.

Die meisten Naturdokumentationen und Magazine konzentrieren sich auf Orca-Gemeinschaften an weit entfernten Orten wie der Westküste Kanadas und der USA, Patagonien und der Antarktis. Man sieht atemberaubende Bilder von Orcas, die sich absichtlich an den Strand werfen, um Seelöwen zu jagen – oder Wellen erzeugen, die Robben von ihren Eisschollen herunterspülen. Diese Bilder machten die Orcas zu ikonischen Wildtieren in fernen Ländern. In den letzten zehn Jahren faszinierten mich jedoch auch unsere “heimischen” Orcas vor den Britischen Inseln immer mehr. Ich gebe zu, als “Orca-Hotspot” kann man das nicht gerade bezeichnen: Sichtungen sind eher zufällig, aber mit ein wenig Know-How und einer großen Portion Glück wird man auch hierzulande mit tollen Begegnungen belohnt.

Technisch optimierte Film- und Fotodokumentationen und der Austausch über soziale Medien ermöglichen uns inzwischen, einzelne Individuen jederzeit und von Zuhause aus zu beobachten und zu identifizieren – wann immer sie an unserer Küste auftauchen. Auf diese Weise können sich jahreszeitliche Verhaltensmuster und Lieblingsplätze offenbaren. Viele wichtige Puzzleteile, die uns immer mehr Einblicke in das Leben der Orcas geben.

Vor den Britischen Inseln ist die “Westküsten-Gemeinschaft” eine der wenigen ortsansässigen Orca-Gruppen. Ein männliches Mitglied namens John Coe fällt besonders ins Auge. Erstmals gesichtet wurde er 1980, was vermuten lässt, dass er inzwischen rund 60 Jahre alt ist. John Coe gehört damit zu den ältesten, heute bekannten, wilden männlichen Orcas der Welt.

Auch wenn sich diese Orca-Gruppe während der Sommermonate vor allem an der Westküste Schottlands aufhält, unternimmt John Coe jedes Frühjahr einen größeren "Streifzug" an Irland vorbei. Vor einiger Zeit erhielt ich jedes Jahr Ende Mai/Anfang Juni regelmäßige Berichte (einige fast auf den Tag genau) von seiner Reise durch die Irische See.

 

 "John Coe" am Chanonry Point, nordöstlich vor Schottland.

 "John Coe" am Chanonry Point, nordöstlich vor Schottland. (C) WDC

 

Im Juni 2018 wurde John Coe vor der Küste von Anglesey gesichtet und auch 2020 machte er keine Ausnahme: Erst im Mai dieses Jahres wurde John Coe zusammen mit seinem treuen Wegbegleiter Aquarius, einem weiteren Orca-Männchen, in Strangford Lough, Nordirland, gesichtet. John Coe fehlt ein großes Stück an der Hinterkante seiner Rückenflosse. Dieses Merkmal macht ihn unverwechselbar, wo immer er auftaucht. Kein Wunder also, dass sein auffälliges Erscheinungsbild im Mai für Aufregung bei den Menschen am Ufer in Strangford Lough sorgte.

Forscher gehen davon aus, dass die Orca-Gemeinschaft an der Westküste acht Individuen umfasst. In den letzten Jahren konnten allerdings nur Sichtungen von John Coe und Aquarius bestätigt werden. Ein neuntes Mitglied dieser Gruppe, ein Orca-Weibchen namens Lulu, wurde 2016 auf der hebräischen Insel Tiree tot an Land gespült. Sie hatte sich in einem Angelseil verfangen und die anschließende Analyse ihres Fettes ergab eine der höchsten jemals bei einem Meeressäuger gemessenen Schadstoff-Konzentrationen (PCB). Traurigerweise sieht die Zukunft für diese kleine, isolierte Gemeinschaft düster aus.

Die Shetland- und Orkney-Inseln, die sich weiter nördlich in das äußere Gebiet der Britischen Inseln erstrecken, können die meisten Orca-Sichtungen im Vereinigten Königreich vorweisen. Hier kann man zu jeder Jahreszeit Orcas sehen. Zu den häufiger anzutreffenden Gruppen (Pods) gehört die Familie (Matriline) “64” mit vier Individuen, die Familie “65” mit sechs und die Familie “27” mit acht Mitgliedern. Vor recht kurzer Zeit galten die Familien “64” und “65” als eine Gruppe; allerdings teilte sie sich aus noch unklaren Gründen auf. Ein Grund könnte der Tod einer Matriarchin oder eine für die Robbenjagd zu große Gruppengröße sein – möglicherweise ist die Jagd in kleineren Einheiten effizienter. Interessanterweise zog die Familie “27” im Jahr 2017 von den Shetland-Inseln an die Nordküste Islands. Dort wurde sie bei der Jagd auf Schweinswale beobachtet.

Etwas weiter von der britischen Küste entfernt, auf hoher See, melden Fischtrawler oft Sichtungen großer Orca-Gruppen, die jedes Jahr im Oktober den Wanderrouten der Makrelen folgen.

Nicht unerwähnt lassen darf ich natürlich die saisonalen Besuche unserer “Wikinger”! Im Laufe der Jahre hat das “Isländische Orca-Projekt” weit über 400 Orcas katalogisiert. Um sie webt sich eine faszinierende Geschichte, die aus einem Foto-Vergleich zwischen Sichtungen vor Schottland und Island hervorgeht. Ein kleiner Teil der Population scheint regelmäßig im Frühling eine 1400 km lange Reise aufzunehmen, um vor der schottischen Küste auf Robbenjagd zu gehen.

Die tolle Zusammenarbeit zwischen den Orca Guardians Island, dem isländischen Orca-Projekt, Dr. Andy Foote und Orca Survey Schottland brachte kürzlich die Identifizierung von 30 Orcas hervor, die sich sowohl vor Schottland als auch vor Island aufhalten. Angeführt werden sie von der berühmten Matriarchin Mousa.

 

"Mousa" mit ihrer Familie vor Island und Schottland. (C) Rob Lott

 

Ich hatte das Glück, sie im Winter und Frühling mehrmals in Island zu sehen, wo sie 1999 zum ersten Mal identifiziert wurde. Sie ist leicht auszumachen, da sie – genau wie John Coe – eine sofort erkennbare Flosse mit einer markanten halbmondförmigen Einkerbung an der Hinterkante hat.

Fast ein Jahrzehnt später wurde Mousa zusammen mit ihrer Familie vor den Shetland-Inseln identifiziert, als sie 2008 das Gebiet “Mousa Sound” durchkreuzten. So kam Mousa schließlich auch zu ihrem Namen. Seitdem ist sie saisonal an der schottischen Küste anzutreffen. So zum Beispiel genau jetzt: Während ich diesen Blog schreibe, teilt mir meine WDC-Kollegin Katie mit,  dass Mousa zusammen mit ihren drei Kindern Gunnar, Summer und Tide gerade vor Lossiemouth gesichtet wurde, nur wenige Kilometer von der Küste vor unserem Scottish Dolphin Centre im Moray Firth entfernt. Üblicherweise beobachten meine Kolleg*innen dort Große Tümmler – aber manchmal eben auch Orcas.

Niemand weiß genau, seit wie vielen Generationen Mousa und ihre Familie die Odyssee durch den Nordatlantik schon unternehmen oder wann die Streifzüge begonnen haben. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Mousa als junger Orca bereits ihrer Mutter hierher gefolgt ist – und diese kulturelle Tradition nun an ihren eigenen Nachwuchs weitergibt. Jedenfalls wurde schon oft beobachtet, wie Mousa in den Sommermonaten vom schottischen Festland weiter nördlich Richtung Orkney- und Shetland-Inseln schwamm, bevor sie schließlich wieder nach Island zurückkehrte.

 

Meine Fotos vom bildschönen "Hulk", vor Island und Schottland. (C) Rob Lott

 

Zwei weitere Orcas, die als Hulk und Nótt bekannt sind, pendeln alljährlich zwischen Island und Schottland hin und her. Die beiden beeindruckenden Männchen erfreuen die Besucher der jährlichen Orca-Watch-Woche Ende Mai jedes Jahr auf’s Neue.

Es ist noch immer unklar, warum einige wenige Individuen jedes Frühjahr die Heringsgründe Islands verlassen, um im kilometerweit entfernten Süden vor Schottland auf Robbenjagd zu gehen.

Aber eines ist klar: Ganz gleich, welch lange Reisen diese faszinierenden Tiere auf sich nehmen – ihr wahres Zuhause finden sie stets in ihren engen Familienbanden.

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