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Warum Vielfalt wichtig ist

Kleine Schwertwale / False Killer Whales
Kleine Schwertwale im Oman (C) Birgit Kraft

Unsere Erde erfährt derzeit einen dramatischen Verlust an Tier- und Pflanzenarten. In Deutschland ist ein Großteil der Amphibien- und Reptilienarten vom Aussterben bedroht, zahllose Vogelarten stehen auf der roten Liste. Bei Fischen, Säugetieren, Insekten sieht es nicht viel besser aus. Der Schweinswal in der zentralen Ostsee, der Nördliche Glattwal, Irawadi-Delfine im Mekong, Buckeldelfine vor Westafrika, und zahlreiche weitere Wal- und Delfinarten bzw. -populationen stehen am Abgrund.

Jede*r von uns hat sich wahrscheinlich schon einmal die Frage gestellt, welche Funktion all die unzähligen Arten in der Natur erfüllen. Wozu sind sie gut? Sind „Schädlinge“ nicht sogar besser auszurotten, wenn Sie uns schaden? Ist jede dieser Arten wirklich notwendig für das Funktionieren der Natur? Wen stört es, wenn eine Fischart nicht mehr existiert, weil ihr Bestand durch die Fischerei „übernutzt“ wurde? Bricht das Nahrungsnetz im Meer zusammen, wenn Haie oder Wale fehlen? Augenscheinlich scheint dem doch nicht so zu sein. Wozu also die Vielfalt?

Ökosysteme sind Netzwerke

Sie funktionieren umso besser, je stabiler jede einzelne Art im System verankert ist. Das heißt in der Regel, dass Populationen eine bestimmte Größe haben müssen, um das Ganze zu stützen und am Leben zu erhalten. Bricht eine Population weg oder stirbt eine Art aus, entsteht eine Lücke. Irgendwem fehlt diese Art dann in irgendeiner Weise. Die wenigsten Arten sind so spezialisiert, dass sie auf eine „Schüsselart“ angewiesen sind (obwohl es hierfür unzählige Beispiele gibt, sowohl in den Meeren als auch an Land). Das heißt wenn eine Art fehlt, kann sie durch andere teilweise oder ganz ersetzt werden. Der Verlust bleibt verschmerzbar. Die Resilienz des Systems gegenüber weiteren Verlusten jedoch sinkt. Wird das System ärmer an Arten, wird es auch immer instabiler.

Wenn man im Meer zum Beispiel die so genannten Topprädatoren entfernt, also die Jäger an der Spitze der Nahrungsnetze wie Haie oder Wale, können diese keine Kontrollfunktion mehr auf ihre Beutefische ausüben. Arten niedriger trophischer Stufen, d.h. auf weiter unten angesiedelten Ebenen im Nahrungsnetz, können sich stärker vermehren und dezimieren ihrerseits ihre Beuteorganismen über die Maßen. Es kommt zu Kaskadeneffekten und evtl. zu Massenvermehrungen „ungeliebter“ Arten. Genau das scheint vielerorts derzeit zu geschehen: Nach dem geschätzte 90 % der Topprädatoren (Haie, Schwertfische, große Thunfischarten, usw.) aus den Ozeanen verschwunden sind, kommt es immer häufiger zu Massenauftreten z.B. von Quallen, die sich auf den unteren Ebenen der Nahrungsnetze befinden.

Vielfalt im Nahrungsnetz

Komplexe, d.h. feinmaschige Nahrungsnetze bilden also einen widerstandsfähigen Verbund, wo der Nutzen einer bestimmten Art nicht sofort ersichtlich ist. Kleinräumig spielen sie eine wichtige Rolle, das Netz bleibt aber auch ohne sie stabil. Das geht solange gut, bis sich die Vielfalt soweit verringert hat, dass sich das jetzt grobmaschige Netz keinen Verlust mehr erlauben kann, ohne als Ganzes seine Funktion einzubüßen. Das Loch in einem solchen Netz sorgt für relativ größere Verluste als dasjenige in einem feinmaschigen. Ein grobmaschiges Netz muss sich mit jedem Verlust einer Art auf neuem Niveau einpendeln – irgendwann jedoch bricht das System zusammen.

Deshalb sind Lebensräume, die auf einem Netzwerk von nur wenigen Arten basieren, anfälliger für menschliche Eingriffe. Wenn Fischerei z.B. eine Art dezimiert oder verschwinden lässt, die eine zentrale Rolle spielt, können die Folgen dramatisch und auch nicht wieder gutzumachen sein. Dies hat z.B. die nordamerikanische Kabeljaufischerei in den 90er Jahren auf dramatische Art erlebt. Die Population dieses Fisches im Nordwest-Atlantik, die Jahrhunderte lang massenweise befischt wurde bis sie komplett zusammenbrach, hat sich bis heute nicht wieder erholt. Ein „hausgemachtes“ und nachhaltiges Desaster sowohl für die Ökologie als auch die Ökonomie. Dasselbe Prinzip gilt für andere Arten und Lebensräume, z.B. Tiefseehabitate, wo neben der Zerstörung wertvoller Lebensräume auch Fischarten erbeutet werden, deren Lebenszyklen extrem langsam ablaufen und sich deswegen nur sehr extrem langsam von Eingriffen erholen.

Mein Fazit zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt

Vielfalt sorgt für Beständigkeit und Resilienz, Artenarmut macht das komplexe System anfällig oder sorgt sogar für den Zusammenbruch. Deshalb müssen wir die Artenvielfalt so gut es geht erhalten. WDC setzt sich seit vielen Jahren für den Erhalt der Meere ein und betont dabei stets, dass es um den Schutz der Meeresumwelt als Ganzes und die Verfolgung eines ökosystemaren Ansatzes im Naturschutz geht.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Fabian Ritter

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutz - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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