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Schnorcheln mit Orcas: Gesetzgebung in Norwegen unzureichend

Warum sollte jemand um diese Jahreszeit in den tiefen, dunklen und eiskalten Gewässern von Nord-Norwegen schnorcheln gehen? Selbst ein Trockenanzug und die Vorstellung, dabei Orcas zu begegnen, würden mich nicht in Versuchung führen – obwohl sie unter allen Walen und Delfinen meine Lieblingsart sind. Wir von WDC betonen immer wieder, dass man nicht mit Walen und Delfinen schwimmen gehen sollte. Dabei geht es nicht nur um die eigene Gesundheit und Sicherheit, sondern auch um die der Tiere. Dieser Ratschlag passt besonders gut in arktische Gewässer, in denen die Sonne ein halbes Jahr lang kaum zu sehen ist.

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen - C - Steve Truluck

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen (C) Steve Truluck

Dennoch findet man bei der Suche im Internet innerhalb von Sekunden ein Dutzend Firmen, die „Schnorcheln mit Orcas“ anbieten. Oft in Kombination mit Angeboten für Whale Watching und Nordlichter, die man bei einem Urlaub im arktischen Norden auch erwartet.

Das norwegische Fischereiministerium hat nun endlich Verhaltensregeln für Whale Watching herausgegeben. Für mich ein Grund zur Erleichterung, denn bisher hat Norwegen Whale Watching und Schnorcheln mit Orcas nicht reguliert. Die verantwortungsbewussten Firmen haben sich an die hervorragenden lokalen Richtlinien von Visit Tromsø gehalten, die stark von Aktivitäten mit Walen im Wasser abraten (Schnorcheln, Schwimmen oder Tauchen). Andere Anbieter*innen haben jedoch die fehlenden Sanktionen ausgenutzt und ungestraft Personen ins Wasser gelassen. Erst letzte Woche habe ich einen Social Media Beitrag gesehen, wo jemand mit einem Buckelwal-Baby bei Skjervøy im Nordosten von Tromsø getaucht ist.

Hoffen wir, dass diese gesetzesfreie Zeit nun endlich vorbei ist. Letztes Frühjahr beabsichtigte die norwegische Fischereibehörde bereits, Vorschriften einzuführen. Wichtige Akteur*innen (darunter WDC) wurden eingeladen, Feedback zu geben. Auslöser war eine Reihe von Konflikten und potentiell gefährlichen Situationen.

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen (C) Rob Lott

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen (C) Rob Lott

Orcas sind beim Schnorcheln besonders beliebt. Sie werden jedoch von Fischerbooten angelockt, da die Wale Hering aus den Netzen stibitzen wollen. Schnorchler*innen folgen den Orcas und befinden sich dann selbst gefährlich nah an den Fischerbooten. Die Küstenwache und die Fischereiflotte konnten beispielsweise beobachten, wie Menschen nur wenige Meter neben fahrenden Booten schwammen. Das stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar. Es wurde bereits gefordert, Schwimmer*innen zu kennzeichnen, so dass Fischerboote und andere Wasserfahrzeuge sie rechtzeitig bemerken.

Letzten Monat kritisierte Rolf Harald Jensen von der zuständigen Fischereibehörde die „Tauchen mit Orcas“-Touren scharf: „Wir vertreten die Ansicht, dass man aus Sicherheitsgründen nicht mit diesen Tieren ins Wasser gehen sollte. Wir glauben, dass es nicht zu rechtfertigen ist. Es gibt bereits eine Vielzahl an Ländern mit einer entsprechenden Gesetzgebung. Wir sind ernsthaft besorgt, dass diese Entwicklungen in die falsche Richtung gehen. Auch die Situation für die Crew an Bord wird schwieriger. Ihre Aufmerksamkeit gilt nicht mehr ihrer eigentlichen Arbeit, sondern sie verschwenden Energie damit, sich mit Menschen zu beschäftigen, die nicht für ihre eigene Sicherheit sorgen können. Letztendlich stellt es eine Lebensgefahr dar.“

Er bezieht sich auf ein Video, dass erst kürzlich aufgenommen wurde. Darin ist zu sehen, wie die Besatzung eines Fischkutters das Vakuum-Pumpsystem des Bootes anwirft. Glücklicherweise konnten gerade noch zwei Taucher*innen entdeckt werden, die im Stockdunkeln nahe der Pumpe schwammen. Die Crewmitglieder wurden alarmiert und die Pumpe sofort ausgeschaltet, doch es war sehr knapp für die Taucher*innen.

Jensen kommentierte den Vorfall so: „Die Pumpe ist so konstruiert, dass sie den Fang mit dem Wasser ins Boot saugt und arbeitet mit starkem Druck. Alles im Umkreis wird eingesaugt – auch Personen in der Nähe. In diesem Fall waren sie zu nah dran. Fast wären sie durch die Pumpe umgekommen.”

Es ist gut, dass Whale Watching Boote nun mindestens 370 Meter Abstand von Fischerbooten oder fest installierter Fischereiausrüstung halten müssen. Für Personen im Wasser gilt sogar die doppelte Distanz. Diese neue Gesetzgebung führt hoffentlich dazu, dass keine gefährlichen Situationen an Fischkuttern mehr auftreten.

Trotzdem könnten die Richtlinien deutlich strenger und ausführlicher sein. Es wirkt eher so, als wären sie verfasst, um Fischer*innen zu schützen als umfangreiche Hilfestellung für die Whale-Watching-Firmen und Schwimmen-mit-Orcas-Anbieter*innen zu geben.

Der Aufenthalt im Wasser bleibt trotz allem ein Risiko. Es wird keine Erfahrung vorausgesetzt und selbst im Trockenanzug ist das eiskalte arktische Wasser vor Norwegens Küste gefährlich. Die Kombination aus Tiefe, Dunkelheit und Kälte mit starkem Wellengang kann unerfahrene Schwimmer*innen schnell ermüden lassen oder bereits vorhandene medizinische Probleme triggern.

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen (C) Steve Truluck

Schnorcheln mit Orcas in Norwegen (C) Steve Truluck

Norwegen ist ein toller Ort für Whale Watching. Ich war selbst schon im Winter dort und kann aus ehrlicher Überzeugung sagen, dass ein Aufenthalt über Wasser empfehlenswerter ist. Die spektakuläre marine Lebenswelt kann man auch in Sicherheit von einem Boot aus genießen.

Was WDC tut:

  • Im Juni letzten Jahres haben wir mit norwegischen Expert*innen zusammengearbeitet, um ein Positionspapier für die Regierungsanhörung zu erstellen. Darin haben wir auch gefordert, schnellstmöglich offizielle Vorschriften zu beschließen. Wir freuen uns zwar, dass es nun Vorschriften gibt, doch die Details darin sind enttäuschend und eine verpasste Gelegenheit. Nötig wären auch detaillierte Anweisungen zum Verhalten von Wasserfahrzeugen. Außerdem sollten die Vorschriften auch überprüft und durchgesetzt werden.
  • Wir begrüßen die Tatsache, dass die norwegische Regierung anerkennt, dass es ein Problem gibt. Dennoch muss deutlich mehr getan werden, um Gefahren zu vermeiden, wenn Personen in dunklen, arktischen Gewässern inmitten von Orcas und Buckelwalen abgesetzt werden.
  • Wir setzen uns in Arbeitsgruppen der Bonner Konvention und der Internationalen Walfangkommission für respektvolles Whale Watching ein.

WDC-Ratgeber für Whale Watching

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Vanessa Williams-Grey

Über Vanessa Williams-Grey

Policy manager - Stop Whaling and Responsible Whale Watching

2 Kommentare

  1. Avatar Veröffentlich von Martin am 17. Dezember 2019 um 6:49 pm

    Vor einem Monat war ich selbst als Skipper eines Segelschiffes in der Region unterwegs – am Wale beobachten. Auch wenn weder ich selbst, noch sonst jemand von meiner Crew ins Wasser ging, bin ich überzeugt, dass es weder für Mensch noch Wal gefährlich sein muss, gemeinsam im Wasser zu sein. Einige Szenen haben mir aber regelrecht das Herz gebrochen. Wenn zehn Gummiboote aus unterschiedlichen Richtungen auf eine Gruppe Orcas zuspeeden, dann je acht Leute ins Wasser springen, nach zwei Minuten wieder aufsteigen und auf die nächste Gruppe zuhalten… das hat mit Respekt vor der Natur null und nichts zu tun und ich kann mir auch nicht vorstellen, dabei glücklich zu sein.
    Wenn sich alle Veranstalter an die von Visit Tromsø publizierten Regeln halten würden, gäbe es wahrscheinlich keine Probleme.
    Es braucht meiner Meinung nach keine strengeren Gesetze, sondern Mittel, die bestehenden zu überwachen und durchzusetzen.
    Martin

    • Michaela Harfst Veröffentlich von Michaela Harfst am 19. Dezember 2019 um 11:11 am

      Lieber Martin, vielen Dank für Ihr Feedback zu diesem Beitrag. Die Guidelines von Visit Tromso untersagen das Schwimmen mit Walen. Die Personen, die das trotzdem machen (bzw. die Firmen, die es anbieten) handeln also entgegen der Richtlinien. Meine Kollegin Vanessa Williams-Grey stimmt Ihnen zu, dass die bestehenden Guidelines in der Region Tromso besser umgesetzt (und bei Verstößen sanktioniert) werden müssten. Aber die von ihr kritisierten Richtlinien sind allgemein vom norwegischen Fischereiministerium ausgestellt worden (also einer anderen Behörde). Es handelt sich hierbei um zwei verschiedene Dokumente.
      Freundliche Grüße,
      Michaela Harfst von WDC

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