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Meine unglaubliche Woche als Delfinforscherin auf Zeit

Schon immer träumte Joelle Davies davon, unser Forschungsteam in Wales bei seiner jährlichen Erfassung von Walen und Delfinen zu unterstützen. Dieses Jahr ließ sie ihren Traum wahr werden, ein Erlebnis, das ihre Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern weit übertraf. Wenn Sie mehr über die Arbeit als Volontär*in bei einem solchen Projekt erfahren wollen oder vielleicht selbst im nächsten Jahr dabei sein möchten, tauchen Sie ein in Joelles Gastbeitrag. Darin schildert sie eindrucksvoll ihre Erfahrungen und Eindrücke aus einer Woche Wal- und Delfinbeobachtung am westlichsten Punkt von Wales.

Risso's Delfine (C) Sonja Eisfeld-Pierantonio
Rundkopfdelfine (C) Sonja Eisfeld-Pierantonio

Seit ich das englische Büro von WDC als Volontärin unterstütze, weiß ich von der Erforschung der Wale und Delfine, die um Bardsey Island in Nord-Wales leben. Eines Tages, so habe ich es mir versprochen, würde auch ich Teil dieses Projektes sein und diese mystische Insel einmal selbst erleben.

Ihre magische Schönheit, die unerbittlichen Gezeiten und das wechselhafte Wetter verleihen Bardsey Island einen schon fast spirituellen Zauber. Ich war fasziniert von Erzählungen über verschollene Seelen auf See und den betörenden Gedichten von manch Reisendem, den die windgepeitschte Landschaft aus Ginster, Heide und Flechte überwältigte. Meine Spannung war schier grenzenlos, als ich nach einer siebenstündigen Zugreise schließlich Aberdaron auf der Llŷn-Halbinsel erreichte. Es fühlte sich an, als stünde ich hier nicht am westlichsten Punkt von Wales, sondern am Ende der Welt.

Es war Freitag, am Abend vor dem offiziellen Beginn unserer Forschungswoche. Für diese Nacht wohnte ich in Gwesty Ty Newydd, einem der wenigen Gasthäuser im Dorf. Dort hätte es kaum charmanter sein können, gelegen mitten in der Aberdaron Bay und direkt neben einer wunderschönen Kirche. Das Haus verfügt über eine Terrasse, von der aus man entlang der Landzungen zu beiden Seiten der Bucht blicken kann soweit das Auge reicht. Nachdem ich mein Gepäck verstaut hatte, zog es mich gleich zu einem Erkundungsspaziergang an den Strand. Eine ideale Gelegenheit, um meiner Angewohnheit aus Kindertagen in der Karibik nachzukommen: der Suche nach kleinen „Schätzen“, die sich im Sand verbergen. Auf meinem Rückweg zum Gasthaus winkten mir aus der Ferne zwei Silhouetten zu und siehe da, es waren Pine und Vicki von WDC, die beiden Leiterinnen des Projektes. Aberdaron ist winzig, habe ich das bereits erwähnt? Aufregung lag in der Luft.

In der Mitte stehe ich, gemeinsam mit Pine von WDC zu meiner Rechten und Vicki zu meiner Linken.

In der Mitte stehe ich, gemeinsam mit Pine von WDC zu meiner Rechten und Vicki zu meiner Linken.

Nach dem Frühstück am darauffolgenden Tag erkundete ich den Porth y Swnt National Trust, der mich auf eine geologische, landwirtschaftliche, literarische und spirituelle Reise über die Llŷn-Halbinsel mit ihrer einzigartigen Landschaft und Wildnis einlud. Vertrauter mit der Geschichte und Geographie der Insel wanderte ich nun noch ein Stück die Nordküste der Landzunge entlang und machte mich anschließend auf den Rückweg zum Gasthaus. Es war kurz nach dem Mittagessen, da lasen mich Pine und Merel auf, eine weitere Volontärin, die soeben aus den Niederlanden angereist war. Gemeinsam brachte man uns nach „Geufron“, unserer Unterkunft für die kommende Woche.

Während das WDC-Team in den vergangenen Jahren direkt auf Bardsey Island stationiert war, blieben wir in diesem Jahr auf dem Festland. Unsere Arbeit sollte je nach Wetterbedingungen entweder von einem der beiden Beobachtungspunkte an der Küste oder von einem Boot aus erfolgen. Am Nachmittag stießen Rebecca, eine Studentin der Universität Oxford, und Ruth, eine Dozentin, zu uns hinzu und komplettierten die Gruppe der Volontärinnen zu einem Vierergespann. Zuletzt erreichte uns Simon, ein Umweltwissenschaftler, der neben Pine auf dem Boot das Hydrophon bediente (ein Unterwassermikrofon zur Aufnahme von Walen und Delfinen). Mit ihm stieg unsere Teamgröße auf die Glückszahl Sieben.

Volunteers auf Bardsey Island

Das mystische Bardsey Island verzauberte uns von unserem Beobachtungspunkt aus.

Am Sonntag besuchten wir die beiden Beobachtungspunkte, St Mary’s Well und Pen-y-Cil, um uns bereits mit der Umgebung vertraut zu machen und schon ein wenig Erfahrung im Umgebung mit den Geräten und Techniken zu sammeln. Die Aussichtsplattformen lagen hoch über den Klippenrändern und boten dadurch eine hervorragende Sicht über den gesamten Bardsey Sound, den Meeresarm, der Bardsey Island vom Festland trennte. Vicki führte uns durch den Beobachtungsprozess. Mit einem speziellen Fernglas inklusive eingebautem Kompass scannt die erste Person das Gebiet von der Landzunge im Osten bis zur Landzunge im Westen für zehn Minuten. Bardsey Island liegt in dieser Zeit für etwa fünf Minuten im Fokus. Diese Aufgabe erfordert nicht nur eine besonders ruhige Hand, sondern auch die Fähigkeit, sich mit konstanter Geschwindigkeit langsam zu bewegen. Die zweite Person füllt den Beobachtungsbogen mit Informationen zu den aktuellen Wetterbedingungen und – noch viel wichtiger – allen gesichteten Tieren, inklusive Anzahl, ihrem Verhalten und genauen Aufenthaltsort. Die dritte Person darf eine kurze Pause einlegen und diese Auszeit zum Essen, Erholen, Beinevertreten oder Fotografieren nutzen. Die Zuteilung der Aufgaben wechselte im 10-Minuten-Zyklus.

In diesem Bild stehe ich links und beobachte das Meer. Neben mir sind Pine, Merel und Rebecca.

In diesem Bild stehe ich links und beobachte das Meer. Neben mir sind Pine, Merel und Rebecca.

Am Montag, unserem ersten richtigen Arbeitstag, machten sich Vicki und wir vier Volontärinnen wieder auf den Weg zur Aussichtsplattform St. Mary’s Well, während Pine und Simon das Hydrophon auf dem Boot für die Ausfahrt am nächsten Tag vorbereiteten. Das Wetter war nicht mehr als akzeptabel, etwas zu windig für unseren Geschmack, sodass viele Lagen windschützenden Stoffes notwendig waren. Im Laufe unseres ersten Scans entdeckten wir einige Schweinswale, die für den Rest des Tages in der Bucht verblieben. Erst gegen Abend, gerade als wir neu rotierten, bekundete Rebecca mit lauter Stimme ihre Sichtung eines Rundkopfdelfins nahe der Klippen unter uns. Tatsächlich handelte es sich nicht nur um einen, sondern ganze fünf: einer Mutter mit ihrem Baby und drei anderen Jungtieren. Letztere lassen sich gut anhand ihrer dunkelgrauen Farbe von älteren Individuen unterscheiden.

Rundkopfdelfine (C) Sonja Eisfeld-Pierantonio

Rundkopfdelfine (C) Sonja Eisfeld-Pierantonio

In den nächsten Tagen konnten wir aufgrund des hervorragenden Wetters vom Boot aus beobachten. Tony steuerte den „Highlander“, ein Schiff ohne jeglichen Luxus und Komfort, dafür aber zweckmäßig und umso robuster und widerstandsfähiger. Die See war unserem ersten „Boot-Tag“ rau und so verblieben wir trotz ganztägiger Ausfahrt ohne jede Sichtung. Am Tag darauf war das Meer deutlich ruhiger und der Himmel nahezu wolkenlos. Voll Optimismus fuhren wir hinaus und sahen schon bald eine kleine Gruppe Rundkopfdelfine. Um ein paar Fotos zu ergattern, folgten wir ihnen durch die Bucht. Ohne Fotografien würde unsere Forschung nicht funktionieren, denn nur mit ihrer Hilfe lassen sich einzelne Individuen identifizieren und ein wertvoller Eindruck über deren Leben, Gewohnheiten und soziale Strukturen gewinnen.

Es schien, als waren die Rundkopfdelfine bei der Nahrungssuche. Regelmäßig tauchten sie auf zum Luftholen, wieder ab und erschienen kurze Zeit später an einem ganz anderen Ort erneut. Doch es blieb nicht nur bei diesem Erlebnis, denn kurz darauf hatten wir eine weitere Begegnung. Dieses Mal konnten wir eine größere Gruppe Gemeiner Delfine beobachten, die uns ihr „Bow-Riding“ präsentierten. Dabei „Surfen“ die Tiere auf der Bugwelle des Schiffes und lassen sich von ihrem Schub vorantreiben. Es war magisch.

Viel zu schnell wurde es Samstag. Dieser Tag bedeutete die Abreise von Ruth, Rebecca und mir. Merel blieb für eine weitere Woche und drei neue freiwillige Helfer*innen würden anreisen, um unsere Aufgaben zu übernehmen. Ich habe jede Sekunde genossen, Teil dieses Projektes gewesen zu sein. Die erlernten Fähigkeiten, die Schönheit und Abgeschiedenheit der Insel, die neugeknüpften Freundschaften, die frische Meeresluft und – allem voran – die Wale und Delfine haben diese Woche zu etwas Einzigartigem gemacht.

Gleichzeitig musste ich erkennen, dass Wissenschaftler*innen heute Wale und Delfine nicht mehr nur aus Interesse erforschen können, sondern es müssen, um sie zu schützen. Ein Zeichen für die Zeiten, in denen wir leben, und umso mehr ein Grund, Projekte wie dieses zu fördern.

Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Wir setzen uns weltweit in verschiedenen Projekten für Wale und Delfine ein.

Julia Pix

Über Julia Pix

Communications manager - Public Engagement

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