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Temperaturanstieg im Mittelmeer: Wale und Delfine in der Klimafalle

Finnwal im Pelagos Schutzgebiet, Mittelmeer
Finnwal im Pelagos Schutzgebiet, Mittelmeer

Die Temperatur steigt im Mittelmeerraum deutlich schneller als im globalen Durchschnitt, so eine neue wissenschaftliche Studie. WDC warnt vor gravierenden Auswirkungen auf Wale und Delfine sowie das gesamte Ökosystem.

Die Studie des MedECC Netzwerks, bestehend aus über 600 Wissenschaftler*innen aus 35 Ländern, ist in vielerlei Hinsicht besorgniserregend. Im Vergleich zum globalen Temperaturanstieg von durchschnittlich 1,1 Grad stieg die Temperatur im Mittelmeerraum um 1,5 Grad. Die Klimakrise stellt in Südeuropa also sowohl für Menschen als auch für Meeresbewohner eine konkrete Bedrohung dar, der wir dringend entgegenwirken müssen.

„Wale und Delfine spielen für das empfindliche Ökosystem im Meer eine wichtige Rolle“, so Fabian Ritter, Meeresbiologe bei WDC. „Sie helfen dabei, CO2 im Meer zu reduzieren und sind deshalb wichtige Verbündete im Kampf gegen die Klimakrise!“

Mit einem Anstieg der Meerestemperatur geht auch eine Veränderung des gesamten Ökosystems einher. Wegen der erhöhten Temperaturen verändern sich Organismengemeinschaften, vom Plankton über Fische bis hin zum Delfin oder Wal. Wärmeres Wasser kann nur weniger Sauerstoff speichern. So ändern sich Artengemeinschaften und die Biodiversität leidet. Zum Beispiel könnten wichtige Nahrungsorganismen verloren gehen oder zukünftig nur noch in geringerer Zahl vorhanden sein.

Das wiederum hat Auswirkungen auf die Populationen von Meeressäugern und Fischen im Mittelmeer. Wale und Delfine reagieren sensibel auf Veränderungen in ihrer Umgebung. Die Geburtenrate könnte sinken und somit der Bestand von Walen und Delfinen, auch im Pelagos Schutzgebiet. Hinzu kommt, dass die Meeressäuger bereits durch Überfischung, Meeresverschmutzung und Tourismus stark unter Druck stehen.

Normalerweise folgen Wale und Delfine ihrer Beute und passen sich flexibel an veränderte Nahrungssituationen an. Doch der Ausweg aus dem Mittelmeer in kühlere Regionen ist geografisch begrenzt: Ein Ausweichen nach Norden oder Süden, um sich den Temperaturänderungen anzupassen, ist kaum möglich. Für die Wal- und Delfinpopulationen könnte das Mittelmeer deshalb zur Klimafalle werden.

Je weniger Wale im Meer, desto weniger regulierende Wirkung haben sie als Top-Predatoren im Ökosystem. Je weniger Wale es gibt, umso weniger können sie auch ihre Ökosystemfunktionen wahrnehmen, wo sie die Meere mit ihren Ausscheidungen düngen und große Mengen Kohlenstoff in ihren massigen Körpern binden. Das wiederum verstärkt die Auswirkungen der Klimakrise - ein fataler Kreislauf.
WDC fordert deshalb, sofortige Maßnahmen zum Schutz der Meere zu ergreifen. Dazu gehört in erster Linie eine überzeugende Klimapolitik, aber auch die strenge Regulierung der Fischerei, das Verbot von umweltschädlichen Fangmethoden und die Durchsetzung der Maßnahmen in Schutzgebieten, damit diese ihre eigentliche Funktion erfüllen.

„Beim Klimawandel sitzen Menschen und Wale im selben Boot“, so Fabian Ritter. „Wir teilen das gleiche Schicksal und müssen uns gegenseitig dabei unterstützen, den globalen Veränderungen des 21. Jahrhunderts zu begegnen. Denn wenn wir die Wale retten, retten wir auch uns selbst.“

[shariff]

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