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Beifang: WDC-Beschwerde bei der Europäischen Kommission

Gestrandeter Schweinswal
(C) Jan Haelters

Anfang Juli haben 22 Umweltschutzorganisationen unter der Führung von WDC Beschwerde bei der EU eingereicht. Nachdem diese Länder dabei versagt haben, die Wale und Delfine im Nordostatlantik vor Beifang in Fischernetzen zu schützen, sollen so rechtliche Schritte gegen 15 EU-Mitgliedstaaten erwirkt werden.

Die Organisationen verlangen außerdem Notfallmaßnahmen für den Schweinswal in der zentralen Ostsee sowie für Gewöhnliche Delfine im Nordost-Atlantik, um einer weiteren Dezimierung dieser Populationen entgegenzuwirken.

Beifang ist weltweit die Todesursache Nummer 1 für Wale und Delfine. Oft ersticken die Tiere qualvoll in Netzen, die sie daran hindern, zum Atmen an die Oberfläche zu kommen. Im verzweifelten Todeskampf reißen Muskeln, brechen Zähne und Flossen werden amputiert. Diejenigen Individuen, die entkommen, tragen oft schwere Verletzungen davon und können noch Wochen später daran sterben.

Die Situation ist in Europa für einige Populationen besonders bedrohlich. Gewöhnliche Delfine werden seit Jahrzehnten jedes Jahr zu Tausenden gefangen. Dies geht aus Untersuchungen an Totfunden in Ländern wie England, Frankreich, Irland und Spanien hervor. Allein an Frankreichs Atlantikküste wurden im letzten Winter mehr als 1.200 tote Delfine angespült. 80% waren in Netzen verendet. Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisberges, da ein Vielfaches der Tiere das Land gar nicht erst erreichen, sondern auf hoher See abtreiben oder zum Meeresgrund sinken. Um den Tod von weiteren Tausenden Tieren im kommenden Winter zu verhindern, müssen die betroffenen Fischereien in dem Zeitraum, wo sonst der Beifang am höchsten ist (Februar und März), geschlossen werden.

Der Schweinswal in der zentralen Ostsee ist sogar schon akut vom Aussterben bedroht: Es gibt dort nur noch wenige Hundert Tiere. Bereits der Beifang eines einzigen reproduktionsfähigen Weibchens kann hier Konsequenzen für die gesamte verbleibende Population haben. Um den Zusammenbruch abzuwenden, wird einer Reihe von Notfallmaßnahmen für diese Population empfohlen, unter anderem das zeitweise Verbot von Stellnetzen – denn diese gefährliche Fangmethode ist bisher fast überall noch erlaubt, sogar in ausgewiesenen Schutzgebieten.

„Wale und Delfine genießen gemäß der europäischen Gesetzgebung den höchsten Schutzstatus. Jedoch führt der lasche Umgang bei der Umsetzung dazu, dass jedes Jahr Tausende Wale und Delfine umkommen. Weder werden effektive Maßnahmen ergriffen, noch wird die Fischerei ausreichend kontrolliert – europaweit!“, sagt Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC. „Zuletzt hat sich das deutsche Landwirtschaftsministerium sogar aktiv internationalen Schutzbemühungen in den Weg gestellt, um die heimische Stellnetzfischerei nicht einschränken zu müssen. Ein handfester Skandal!“

Tatiana Lujan, auf Wildtierschutz spezialisierte Anwältin bei ClientEarth sagt: “Diese Beschwerde wird vorgebracht, weil jedes einzelne der 15 EU-Mitglieder bisher dabei versagt hat, die verbindlichen Regulationen der EU umzusetzen. So muss z.B. verpflichtend dafür gesorgt werden, dass die Fischerei keinen erheblichen Einfluss auf die Wale und Delfine hat.“

„Wale und Delfine spielen eine sehr wichtige Rolle im Ökosystem Meer. Seit vielen Jahren machen die Mitgliedsländer ihre Hausaufgaben nicht, und deswegen kommen bis heute so viele Tiere um. Gemäß der EU Regulationen sollten die Populationen bis 2020 in gesundem Zustand sein. Davon sind wir meilenweit entfernt“, sagt Alice Belin von Seas At Risk.

Ida Carlen, Naturschutzbeauftragte der Coalition Clean Baltic ergänzt: “Der Schweinswal braucht Meeresschutzgebiete, die mehr wert sind als das Papier, auf dem sie geschrieben stehen. Deshalb verlangen wir von der EU Kommission die Ergreifung von Notfallmaßnahmen. Gleichzeitig müssen die Anrainerstaaten aber auch an langfristigen Lösungen arbeiten.“

Fabian Ritter

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutzgebietekampagne - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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