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Überfischung der Meere: was die Fischerei anrichtet

Fischfang in Netzen
(C) Greenpeace

Überfischung bedeutet, dass aus einer bestimmten Fischpopulation mehr Fische entnommen werden als nachwachsen. Das merkt man oft erst sehr spät. Um Überfischung nachzuweisen, benötigt man Daten über die Größe der Population und ihre Entwicklung. Solche Daten liegen jedoch nur selten vor.

Die Folgen der Überfischung

Historisch betrachtet hat der Mensch im Grunde stets so lange gefischt, bis die Population an den Rand des Verkraftbaren dezimiert wurde. Die Fischer*innen bemerken diese Entwicklung daran, dass die gefangenen Fische kleiner sind als früher. In überfischten Populationen sinkt die durchschnittliche Größe der Fische stetig, weil die größten Fische ab einem bestimmten Zeitpunkt (fast) alle gefangen wurden. Die nachkommenden Fischgenerationen werden nie so groß, da sie schon vorher gefangen werden. Bleibt der Fischereidruck dauerhaft hoch, gehen über kurz oder lang die Fangzahlen zurück. Es werden also nicht nur kleinere Fische gefangen, sondern immer weniger.

Das ist nicht nur für die Fischpopulationen dramatisch, die sich an diesem Punkt nur noch durch ein Fangverbot erholen könnten. Auch die Fischer*innen leiden unter den ökonomischen und sozialen Konsequenzen. So viel Fisch wie möglich zu fangen, ist nicht nachhaltig – weder für den Fisch noch für den Mensch.

Nur langsam begreift der Mensch, dass er die Meere nicht ohne Konsequenzen plündern kann. Immer größere Schiffe, immer größere Flotten und immer effektivere Fangmethoden haben vielen Populationen den Garaus gemacht. Selbst in Europa, das mittlerweile versucht, seine Fischereien zu reformieren und nachhaltig zu gestalten, gelten heute immer noch rund die Hälfte aller Fischpopulationen als überfischt.

Eine Bedrohung für das Überleben der Fischpopulationen

Ein großes Problem der heutigen Fischerei besteht darin, dass extrem überfischte Population sehr lange brauchen, um wieder die ursprüngliche Größe zu erreichen. So hat sich beispielsweise der Kabeljau nach dem Zusammenbruch der Population im Nordwestatlantik bis heute nicht wieder erholt. Früher war es eine der erträglichsten Fischereien weltweit, doch sie liegt seit mehreren Jahrzehnten brach. Man hatte die Zeichen zu spät erkannt bzw. zu spät auf den drohenden Kollaps reagiert. Hier liegt das zentrale Problem der heutigen Fischerei: sie ist als gewinnorientierte Industrie nicht gewillt, Einschränkungen hinzunehmen, selbst wenn allseits bekannt ist, dass die Überfischung zwangsläufig irgendwann zum Kollaps führt. Fischereilobbys üben überall auf der Welt ungeheuren Druck auf die Politik aus - oft mit Erfolg.

Besonders tragisch ist Überfischung dort, wo wir Arten an den Rand der Ausrottung bringen (Haie, Thunfische, Schwertfische, Ostseedorsche...), vor allem wenn es sich um Lebewesen handelt, die gar nicht gefangen werden sollen. Jedes Jahr sterben Millionen Delfine, Wale, Meeresschildkröten und Seevögel sinnlos in den Fischernetzen.

Stellnetze

Stellnetze an der Ostsee

Die Fischereiindustrie gerät unter Druck

Die industrielle Fischerei mit ihrer an Gewinnmaximierung orientierten Handlungsweise bringt weltweit außerdem kleine, traditionelle Fischereien unter Druck. In den Netzen der Kleinfischer*innen landet immer weniger Fisch. Dabei ist für die Bevölkerung in ärmeren Ländern Fisch als Proteinquelle überlebenswichtig.

Was kann man gegen Überfischung tun?

  1. Nachhaltige Fangquoten: Die meisten Fischpopulationen könnten dauerhaft auf hohem Niveau befischt werden, so lange man eine bestimmte Fangmenge nicht überschreitet. Deshalb ist es wichtig, mit wissenschaftlicher Unterstützung diese Menge zu berechnen. Selbst vormals überfischte Populationen erholen sich in der Regel recht schnell (innerhalb von einige Jahren, je nach Fischart), sofern der totale Kollaps nicht bereits verursacht wurde. Das liegt daran, dass die Meere unglaublich produktiv sind – wenn man ihnen die Chance dazu lässt.
  2. Politischer Wille: Fischerei muss aus Schutzgebieten herausgehalten werden. Es ist zwingend notwendig, selektive Fangmethoden einzusetzen, um Beifang zu vermeiden und Fischpopulationen müssen Schonzeiten bekommen. Dazu ist die effektive Überwachung und vor allem strikte Kontrolle der Fischerei nötig. Dafür sind finanzielle Mittel und politische Durchsetzungskraft wichtig.
  3. Bewusster Konsum: Wo die Industrie nur an sich selbst und ihre Gewinne denkt und die Politik als regulierende Instanz versagt, sind wir als Konsument*innen gefragt. Wir sollten überdenken, wieviel und welchen Fisch wir verzehren. Es ist heute ohne großen Aufwand möglich, sich darüber zu informieren, welchen Fisch man noch guten Gewissens essen kann. Das bedeutet aber auch, auf einige Fischarten wie Lachs, Thunfisch und Kabeljau besser zu verzichten.

Wir müssen alle dazu beitragen, dass die Überfischung der Meere eines Tages der Vergangenheit angehört.

Fabian Ritter

Über Fabian Ritter

Leiter Meeresschutzgebietekampagne - Fabian Ritter ist Biologe und leitet bei WDC den Bereich Meeresschutz.

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