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Wie helfen uns tote Wale?

Wale, die nach ihrem Tod an Land gespült werden, sind eine lebenswichtige Nahrungsquelle für viele...
© Christopher Swann

Um die Erde zu schützen, müssen wir über Wal-Kot und -Kadaver sprechen

Wir wissen, dass der Schutz der Wale unerlässlich ist, wenn wir die Erde retten wollen....
Rundkopfdelfin © Andy Knight

Wenn wir Rundkopfdelfine schützen wollen, müssen wir sie kennenlernen

Ehrenamtliche Bürger:innen helfen uns mit ihren Fotos, die Rundkopfdelfine vor Schottland besser zu verstehen. Rundkopfdelfine...

WDC im Kampf gegen den kommerziellen Walfang

Ereignisreiche Tage liegen hinter uns - was für eine Erfahrung! Die Konferenz der Internationalen Walfangkommission...

Beluga-Refugium: Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung

Besucherzentrum Refugium Island

Bei einem Meeresrefugium für Belugas dreht sich alles um die Wale, oder? Das ist richtig, jedoch sind beim Wal- und Delfinschutz stets auch Menschen involviert. So zum Beispiel auf den Westmännerinseln, wo wir eine Partnerschaft mit dem SEA LIFE Trust eingegangen sind, um das erste Belugarefugium der Welt zu errichten. Dieses soll auf der Hauptinsel Heimaey entstehen.

Vulkaninseln bilden den Archipel der Westmännerinseln, von denen einige sogar erst 1963 durch Unterwassereruptionen entstanden sind. Heimaey ist die größte und die einzige bewohnte Insel. Dort leben rund 4.000 Einwohner*innen, die meisten in der Hauptstadt Vestmannaeyjabaer.

Der Archipel ist lediglich 38 Kilometer lang, kann jedoch eine vielfältige Tierwelt und wunderschöne Natur vorweisen. Über 30 Meeresvogelarten nisten in den Klippen und grasbewachsenen Felsvorsprüngen der Inseln. Am zahlreichsten findet man den Papageientaucher. Die Westmännerinseln beheimaten die weltweit größte Kolonie dieser Vogelart.

Papageientaucher

Papageientaucher (C) U. C. Ludewig

Die umgebenden Gewässer bieten die reichsten Fischgründe des Nordatlantiks. Dies zieht zahlreiche Meeressäuger an – 23 Wal- und Delfinarten leben hier. Es gibt häufig Regen und starke Windböen. Heimaey liegt knapp unterhalb des nördlichen Polarkreises. Würde man von hier aus auf direktem Weg Richtung Süden segeln, wäre die nächste Landmasse, auf die man treffen würde, die Antarktis auf der anderen Seite der Welt.

Im späten August und frühen September verlassen unzählige junge Papageientaucher ihre Nester in den Klippen und fliegen auf das offene Meer hinaus. Dabei orientieren sie sich am Mondlicht. Leider kann hier sogar eine kleine Stadt wie Vestmannaeyjabaer Verwirrung stiften – viele der Vögel orientieren sich am Licht der Stadt. So landen jährlich tausende der Jungen in den Straßen und Gärten der Einwohner*innen. Glücklicherweise sind die Schulkinder und Erwachsenen mit dem Phänomen vertraut und transportieren die Papageientaucher in Kartons zu Helfer*innen. Am Belugarefugium wird auch eine Auffangstation für Papageientaucher errichtet. Dort werden sie untersucht, vermessen und auf ihre Reise ins offene Meer entlassen.

Bringt man ein neues Projekt in eine kleine Gemeinde, ist es enorm wichtig, die lokale Bevölkerung einzubinden. Tourismus ist ein wichtiger Industriezweig der Westmännerinseln und ein guter Draht zum Lokaltourismus festigt die Beziehung. Auch andere Chancen zur Zusammenarbeit ergeben sich daraus. So hoffen wir beispielsweise, dass lokale Reiseveranstalter*innen mit ihren Gästen vor einer Whale Watching- oder Wildtierentdeckungstour außerhalb der Bucht vorab das Besucherzentrum des Refugiums besuchen.

Eines der beliebtesten Touristenziele in Vestmannaeyjabaer ist das Vulkanmuseum „Eldheimar“, mit dem wir bereits zusammenarbeiten. Wir schlagen Besucher*innen des Refugiums vor, das Museum ebenfalls zu besuchen.

Der gute Kontakt zur Lokalbevölkerung bedeutet auch, dass wir den menschlichen Einfluss auf die Belugas reduzieren können. Im Gespräch baten wir den Hafenmeister sowie die lokalen Schiffsführer*innen, Lärm und andere Störfaktoren auf ein Minimum zu reduzieren, wenn sie durch die Bucht fahren, in der die Belugas leben werden. Auch die Fischer*innen werden sich darum bemühen, ihre Fischabfälle nicht in der Nähe des Refugiums zu entsorgen, da dies Seevögel anlocken würde.

WDC hat eine langjährige und gute Beziehung mit IceWhale, dem Isländischen Verband für Whale Watching. 1995 organisierte WDC in Reykjavik einen Workshop, welcher zu einem bis heute anhaltenden rapiden Wachstum in respektvoller Walbeobachtung geführt hat. Whale Watching spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen Islands Walfang. Es soll die Isländer*innen dazu ermutigen, Wale als wichtig und somit schützenswert zu erachten. Letzten Oktober präsentierten wir zusammen mit dem SEA LIFE Trust den Vertreter*innen der Organisation IceWhale die neuesten Projektpläne für das Refugium und konnten großes Interesse wecken.

Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit IceWhale. Dazu gehört die Förderung von Whale Watching als Alternative zum Walfang und nun können wir sogar Meeresrefugien als Lösung für die Gefangenschaftshaltung bewerben. Wir sind auch an Forschungsprojekten interessiert: So stehen wir im Kontakt mit dem isländischen Orca-Projekt, das außerhalb von Vestmannaeyjabaer aktiv ist und angehenden Orca-Forscher*innen die Möglichkeit zu einem Freiwilligeneinsatz bietet.

Wir freuen uns über die positiven Reaktionen von Bewohner*innen der Westmännerinseln sowie der Bevölkerung aus anderen Teilen Islands, vor allem, wenn man die heikle Beziehung zwischen Mensch und Wal auf Island betrachtet. Gleichgesinnte und engagierte Personen sowie Organisationen sind der Schlüssel zum Erfolg. Wir hatten viele Herausforderungen zu meistern, um so weit zu kommen. Dieses bahnbrechende Projekt befindet sich nun auf der Zielgeraden.

Während unsere Vorbereitungen zur Verbesserung der Lebensqualität von Little White und Little Grey voranschreiten, sind diese Belugas unwissentlich zu Vorreitern in den Bemühungen geworden, die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen zu beenden.

Über Cathy Williamson

Cathy Williamson was policy manager of our End Captivity Programme until July 2021.

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