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Belugas rufen sich beim Namen

Beluga
(C) GREMM

Das renommierte wissenschaftliche Fachjournal „Marine Mammal Science“ veröffentlichte kürzlich einen Artikel über die Lautäußerungen freilebender Belugas. Eine neue Studie zeigt, dass Belugas individuelle, komplexe Kontaktrufe von sich geben – und sich somit womöglich „beim Namen rufen“.

Die Forscher*innen untersuchten 14 unterschiedliche Belugagruppen, die in einem flachen Kanal in Cunningham Inlet auf natürliche Weise vorübergehend eingeschlossen waren. Die so entstandene Isolation der Belugagruppen bot ideale Voraussetzungen für eine Erforschung der Kontaktrufe. Das Forschungsteam stellte fest, dass vorübergehend im Flachwassser eingeschlossene Belugas im Gegensatz zu sich frei im Ozean bewegenden Tieren proportional mehr Kontaktrufe ausstießen, um sich miteinander zu verständigen.

Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass mit Anzahl der eingeschlossenen Tiere auch die Anzahl der komplexen Kontaktrufe proportional anstieg. Eine mögliche Erklärung ist, dass jeder komplexe Kontaktruf einen individuellen Beluga repräsentiert. Möchte man dieses Verhalten auf Menschen übertragen, würde man wohl sagen, dass sich die Wale gegenseitig beim Namen rufen. Jedoch war es dem Team technisch nicht möglich, einzelne Kontaktrufe einem bestimmten Individuum zuzuordnen.

Es gelang allerdings, zu zeigen, dass gelegentlich zwei Tiere in schnell aufeinanderfolgenden Abständen dieselbe Art von Kontaktruf wiedergaben. Möglicherweise können sich die Tiere dabei an ihrer Stimmlage individuell erkennen. Eine weitere Möglichkeit sind gemeinsame Rufe, welche nicht Individuen, sondern Gruppen identifizieren. Teilen verwandte Tiere einen oder mehrere Kontaktrufe, wächst auch die Anzahl der Kontaktrufe mit der Anzahl der eingeschlossenen Tiere. Dadurch, dass Belugas in sogenannten „Fission-Fusion-Gesellschaften“ leben – sich also nur für gemeinsame Unternehmungen wie jagen, schlafen etc. in großen Gruppen versammeln – könnten die Kontaktrufe auch dazu dienen, einzelne Familienmitglieder zu erkennen und so die Familie zusammenzuhalten.

Die Ergebnisse dieser Forschung deuten in jedem Fall darauf hin, dass Belugas Rufe gezielt einsetzen, um sich gegenseitig zu identifizieren. Der Titel der Studie spricht zwar nur von „vorläufigen Beweisen“, jedoch verdient die Tatsache Respekt, dass es sich hier um eine Freilandstudie und nicht um eine Studie gefangener Belugas handelt, denn solche Ergebnisse sind in der Wildnis nur schwer zu erhalten. Nach Großen Tümmlern wären Belugas erst die zweite Tierart, bei der man „Eigennamen“ nachgewiesen hätte.

Michaela Harfst

Über Michaela Harfst

Leiterin Kommunikation - Bei WDC ist Michaela Harfst für den Kontakt mit Journalist*innen zuständig. Sie betreut außerdem die Website und Social Media Kanäle von WDC.

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