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Isar Clean-Up: 690 Zigarettenstummel in 60 Minuten

WDC-Praktikantin Rieka Janssen berichtet in diesem Beitrag über unser WDC-Clean-Up in München.

Im letzten Monat habe ich 1362 Zigarettenstummel gesammelt. Nicht alleine, sondern zusammen mit anderen Freiwilligen beim Clean-Up Day in Frankfurt und bei unserem Isar Clean-Up hier in München. Nachdem in Frankfurt bereits viel Müll zusammengekommen war, wollten wir als WDC-Team auch hier in München einen kleinen Beitrag gegen die Müll-Flut in unserer Umwelt leisten. Ende September war es so weit und wir machten uns vom Büro auf in Richtung Isar– natürlich hatten wir uns einen der kältesten und windigsten Tage ausgesucht. Um noch ein paar kleine Vorbereitungen zu treffen, ging ich eine halbe Stunde vor meinen Kollegen los. Als ich an der Isar ankam, sprang mir direkt die orange-leuchtende Arbeitskleidung zweier Männer in die Augen, die mit Müllgreifer und IsarSauber-Tüten bewaffnet den Boden abscannten. „Mist“, dachte ich kurz oder zugegeben auch etwas länger. Einer der beiden Männer erzählte mir, dass sie zweimal in der Woche hier an der Isar Müll sammeln würden, heute sogar zu fünft. Zigarettenstummel, Kronkorken, Plastik – alles würde eingesammelt. Von den Wiesen bis hin zum Wasser. „Fünf Leute, die auf unserem Abschnitt schon Müll gesammelt hatten?“, dachte ich. „Dann haben wir ja gar nichts mehr zum Sammeln!“ Als ich das Gelände ablief, um den geplanten 100-m-Abschnitt für unsere Auswertung abzustecken, bestätigte sich mein Gedanke: Von Müll auf den ersten Blick keine Spur.

„Hier sieht es so sauber aus, hier liegt fast nichts“

So in etwa kündigte ich das auch meinen Kollegen an, als diese beim Treffpunkt ankamen: „Hier sieht es so sauber aus, hier liegt fast nichts.“ Wie falsch ich mit dieser Aussage liegen sollte, stellte sich nach knapp über 60 Minuten bei der Auswertung unseres 100m-Abschnitts heraus. „Fast nichts“, wie ich zu Beginn noch groß getönte hatte, erwies sich nämlich als 690 Zigarettenstummel, 273 Kronkorken, 183 Plastikteilchen sowie ein Haufen Papiermüll, Scherben, Eislöffel, Spielzeug, eine Kaugummidose, Schnapsflaschen, Hundespielzeug, ein benutzter Hundekotbeutel, To-Go-Deckel, Becher, Schnüre, Tüten, Zigarettenschachteln, eine Rasiererabdeckung, Klorollen, Alustücke, eine Haarklammer, Bierflaschen, eine Plastikarte, Teelichter, ein Haargummi, DDR- und Euro-Münzen, Gummibänder, unechter Schmuck und eine Batterie. Das Erschreckende daran ist, dass wir dieses Ergebnis an einem Ort erzielt haben, der mindestens zweimal die Woche gesäubert wird. Noch erschreckender, dass direkt zuvor und teilweise sogar zeitgleich von fünf weiteren Personen Müll gesammelt wurde.

Weggeworfene Zigaretten gefährden Wild-, Zoo-, und Haustiere                                     

Wie gefährlich Plastikmüll insbesondere für das Meer ist, ist mittlerweile vielen bekannt. Dass Zigaretten einen der größten Anteile des Mülls im Meer darstellen und eine besonders schädliche Wirkung haben, sowohl im Wasser als auch an Land, wissen viele leider nicht. „Das ist doch nur der Filter, der baut sich schnell wieder ab“, mag vielleicht der Gedanke von dem einen oder anderen sein. Leider hat er mit der Realität nichts zu tun. Ein einziger Zigarettenstummel kann bis zu 60 Liter Grundwasser verseuchen. Auch wenn die Zigarettenstummel hier in München vielleicht keine freilebenden Wale oder Delfine erreichen, so gefährden sie doch in jedem Fall freilebende Tiere, Zootiere oder Haustiere. Im Tiergarten Nürnberg ist erst vor zwei Jahren ein Pinguin durch das Verschlucken eines Zigarettenstummels gestorben. Dazu kommt, dass durch das weit verbreitete Rauchen auf Spielplätzen – trotz Verbots –  im schlimmsten Fall auch Kleinkinder gefährdet sind.

Außerdem wird viel Müll über die Flüsse ins Meer getrieben. Achtlos weggeworfene Zigaretten betreffen nicht nur die Umwelt, in die dadurch Gifte wie Nikotin und Arsen gelangen, sondern auch uns selbst, unser Grundwasser und die Tierwelt. Das Ausmaß dabei ist erschreckend: Die Anzahl der weltweit in der Umwelt entsorgten Zigaretten wird auf 4,5 Billionen pro Jahr geschätzt. Einen eigenen Beitrag dagegen kann man leisten, indem man als Raucher einen mobilen Aschenbecher benutzt oder Zigaretten unterwegs nur noch in öffentlichen Aschenbechern entsorgt. Im kleinen Rahmen kann man außerdem sein Umfeld über die Gefahren von Zigarettenstummeln für unsere Umwelt aufzuklären oder ein eigenes Clean-Up organisieren.

INFO: Ein kleines Clean-Up zu organisieren ist ganz einfach und macht dazu noch Spaß! In München zum Beispiel musste das Clean-Up nicht bei der Stadt angemeldet werden, da wir weniger als 20 Teilnehmer waren. Unterstützung bekamen wir außerdem vom Münchner Baureferat. Per Telefon oder Mail könnt ihr euch beraten lassen und bekommt kostenfreie Mülltüten zugeschickt. Wer Lust bekommen hat, selber ein Clean-Up zu organisieren, kann sich außerdem im WDC Clean-Up Guide informieren.

Michaela Harfst

Über Michaela Harfst

Leiterin Kommunikation - Bei WDC ist Michaela Harfst für den Kontakt mit Journalist*innen zuständig. Sie betreut außerdem die Website und Social Media Kanäle von WDC.