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Interview mit Lothar Koch zum Walpfad auf Sylt

Der Biologe Lothar Koch lebt seit 1988 auf Sylt und setzt sich seither für den Schutz der kleinen Nordseewale ein. Als Sprecher der Schutzstation Wattenmeer e.V. trug er mit seiner Öffentlichkeitsarbeit maßgeblich zur Einrichtung des ersten Walschutzgebietes Europas vor der Insel Sylt bei. Nun ist er an der Fertigstellung eines „Sylter Walpfades“ beteiligt. Was den Lehrpfad ganz besonders macht fragte WDC den Sylter Meeresschützer:

 

Wie bist Du auf die Idee gekommen, einen Schweinswal-Lehrpfad zu entwickeln?

Als das Projekt Gestalt annahm für das Walschutzgebiet bei Sylt Informationstafeln im Gelände zu installieren, war mir klar, dass es nicht einfache Infotafeln sein sollten:

– weil es sich damals noch um das erste Walschutzgebiet Europas handelte,

– weil es das flächenmäßig größte Schutzgebiet Deutschlands ist,

– weil es Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist,

– weil Sylt eine Top-Destination für deutsche Urlauber ist und hier daher theoretisch pro Jahr eine Million Menschen über Wale und deren Schutz informiert werden können.

Bei so vielen Superlativen musste also eine besondere Idee her. Inzwischen gehört das Walschutzgebiet sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe.

 

Was ist das Besondere an den Tafeln?

Jede Tafel ist interaktiv zu benutzen. Mit einem Rad kann man Texte und Bilder verändern. Kinder und Erwachsene können also etwas spielen, statt nur davor zu stehen und zu lesen. Die Ausführung der Tafeln war sehr aufwendig, da sie Sand-Salz-Wasser-Orkanen trotzen müssen. Sie stehen ja direkt an Düne und Meer. Wir haben einige besonders schöne Stelen aus Stahl und viele unauffälligere Pultvarianten produziert, vor allem weil sie den Blick auf die Landschaft nicht stören.

Der Clou ist, dass jede Tafel den Besuchern unterschiedliche Informationen zu Walen und anderen Nordseetieren näher bringt. Deshalb können die Infotafeln wunderbar auf einer „Walpfads-Tour“ abgeradelt werden und man lernt immer mehr dazu.

 

Warum gerade die Schweinswale und nicht andere Tiere?

Das Walschutzgebiet ist wegen der Kinderstube von Schweinswalen und dem Rastgebiet tausender Trauerenten vor Sylt eingerichtet worden. Deshalb stehen diese beiden geschützten Arten im Mittelpunkt der Information. Die Wale sind natürlich besonders attraktiv und bilden den „roten Faden“.

 

Wie viel Tafeln sind es und wo stehen sie?

Die Tafeln stehen überwiegend an der offenen Nordseeseite der Insel Sylt, also direkt mit Blick auf das Walschutzgebiet. Am Ende des Jahres werden es 20 Stück sein, die sich auf fast 40 km Strandlänge verteilen. Drei sind an der Ostseite nahe des Erlebniszentrums Naturgewalten in List platziert und haben andere inhaltliche Schwerpunkte zum Nationalpark Wattenmeer. Im kommenden Jahr soll es auch eine Website zum Walpfad geben, bis dahin kann man sich über die Standorte und Tiere unter dem Stichwort „Schweinswale“ auf meinem Blog NaturreporterSylt (www.natuerlichsylt.net) informieren.

 

Was erfährt man auf den Tafeln?

Die Grundinformation über das Schutzgebiet ist auf allen gleich, aber jede Tafel hat ein Spezialthema zu Walen und oft auch zu anderen Besonderheiten des Gebietes, an dem die Tafel steht, z.B. über Robben, Hochseevögel, Forschung, Meeresschutz, Fischerei, Geschichte, Küstenschutz.

 

Hat die Entwicklung des Walpfads lange gedauert?

Das war ein sehr langer Weg. Für mich hat er 17 Jahre gedauert, denn ich hatte gleich nach der Einrichtung des Walschutzgebietes im Jahre 1999 bei den zuständigen Ämtern eingefordert, dass das Gebiet nun auch mit pädagogisch wertvollen Informationen flankiert werden müsse.

Aus politischen, administrativen und finanziellen Gründen zog es sich dann ewig, aber ich ließ nicht locker und hatte mit dem Landschaftszweckverband der Insel Sylt, dem Erlebniszentrum Naturgewalten Sylt und der Schutzstation Wattenmeer gute Partner für die Sache. Ich hoffe, dass der Walpfad in Zukunft weiter mit Skulpturen, Spielideen und Audioinfos angereichert wird. Das ist eine Frage der Ideenfindung und Finanzierung: Künstler und Sponsoren sind willkommen! Bereits jetzt sind die Sylter und Ihre Urlauber begeistert von diesem in Deutschland einzigartigen Info-Projekt zu heimischen Walen.

Wie steht es um die Schweinswale vor Sylt?

Der flächenhafte Schutz des Nordseegebietes kommt der Kinderstube der Kleinwale sehr zu Gute. Größter Erfolg ist bisher sicher die Tatsache, dass die Offshore-Windpark-Industrie viel weiter draußen auf See planen und bauen musste, weil das Walschutzgebiet bereits vorhanden war.

Aber es gibt auch noch drastische Schutzlücken:

– So hat das Gebiet kaum Einfluss auf die europäische Fischerei. Denn EU-Fischereirecht steht über dem Landesrecht, unter dem das Walschutzgebiet verwaltet wird.

– Potentielle Gefahren sind auch Wassersportler und Schiffe, die den Walen gefährlich werden könnten. Ob schnelle Kiter und Windsurfer einen negativen Effekt auf Schweinswale haben ist bislang nicht erforscht. Derzeit wird um eine vernünftige Befahrensregelung gerungen.

– Leider gibt es direkt am Strand noch eine Lücke im Schutz. Ein 150 m Streifen zwischen Hochwasserlinie und offenem Meer gehört aus Gründen des Widerstandes einzelner Nutzergruppen bei der Nationalparkgründung im Jahre 1986 immer noch nicht zum Schutzgebiet. Gerade dort sichten wir aber über die Sommermonate Hunderte von Schweinswalen mit Nachwuchs, die dort Kleinfischen nachjagen oder sich einfach in wärmeren Prielen wohl fühlen.

– Schließlich hilft kein Schutzgebiet gegen Schadstoffe. Leider sind Robben und Wale hoch belastet und werden daher schneller krank. Pro Jahr bergen Beauftragte über 100 tote Tiere am Sylter Strand. Die Gründe ihres Todes werden wissenschaftlich untersucht und sind meist vielfältig, also nicht unbedingt einer Ursache zuzuordnen. Das macht es schwer mit dem Durchsetzen von Schutzbestimmungen, aber wir bleiben dran und freuen uns über die wichtigen politischen Aktivitäten von WDC.

Kontakt zu Lothar Koch

www.syltopia.de, www.natuerlichsylt.net, info@syltopia.de

Michaela Harfst

Über Michaela Harfst

Leiterin Kommunikation - Bei WDC ist Michaela Harfst für den Kontakt mit Journalist*innen zuständig. Sie betreut außerdem die Website und Social Media Kanäle von WDC.