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Mit Liebe zum Detail: Patenschafts-Pakete für unsere Unterstützer:innen

Dieser Blog wurde von Petra Mareis, Leiterin Kommunikation Spenden und Patenschaften, verfasst.   Seit 12...

Die „Schule des Wal-Essens“: Japans Strategie, den Appetit auf Walfleisch zu steigern

Trotz der Rückkehr zum kommerziellen Walfang hat sich in Japan an der geringen Nachfrage von...
© CSIP-ZSL

Wie helfen uns tote Wale?

Wale, die nach ihrem Tod an Land gespült werden, sind eine lebenswichtige Nahrungsquelle für viele...
© Christopher Swann

Um die Erde zu schützen, müssen wir über Wal-Kot und -Kadaver sprechen

Wir wissen, dass der Schutz der Wale unerlässlich ist, wenn wir die Erde retten wollen....

Eine weitere IWC ist vorbei – Haben wir die Wale gerettet?

Sobald die IWC vorbei ist und wir alle wieder an unsere  Schreibtische zurückgekehrt sind, setzt so etwas wie der „Nach-Konferenz-Blues“ ein. Der Adrenalinschub von zehn Tagen voller Gespräche, Verhandlungen, Lobby-Treffen und Abstimmungen ist vorbei und es ist Zeit, Bilanz zu ziehen.

Vergangene Woche, als die Sitzung offiziell beendet wurde und lange Verabschiedungen folgten – einige Kollegen werden wir höchstwahrscheinlich erst in zwei Jahren wiedersehen – und bevor Caro im Taxi nach Venedig den ersten Teil ihrer langen Reise zurück nach Buenos Aires antrat – haben wir darüber gesprochen, was in der letzten Woche passiert war. Sind wir mit den Ergebnissen zufrieden, haben wir unsere Ziele erreicht?

Das die erforderliche Mehrheit für das Walschutzgebiet im Südatlantik nicht erreicht wurde, war definitiv ein unschöner Anfang für das Treffen. Seite an Seite mit unseren Kollegen der anderen NGOs hatten wir unser Bestes versucht, so viele Länder wie möglich an Bord zu holen. Das enttäuschende Ergebnis war jedoch nicht völlig unerwartet und ist ein endgültiger Weckruf für die Walschutz-Nationen, ihre Bemühungen zu verstärken, um die Unterstützung von „unentschiedenen“ Nationen zu bekommen. Für die japanische Regierung ist die Walfangpolitik eine Top-Priorität und sie scheut sich nicht, viel Geld auszugeben, um den kommerziellen Walfang zurückzubringen. Die Pro-Artenschutz-Mitglieder der IWC sollten dem Thema die gleiche Wichtigkeit zugestehen, damit Japan in Schach gehalten wird.

Die Annahme des Vorschlags von Australien und Neuseeland, der IWC eine bessere Kontrolle über den wissenschaftlichen Walfang zu ermöglichen, war ein sehr positiver Schritt. Die Frage ist, ob man damit Japan von einer Rückkehr in die Antarktis abhalten kann, bis die IWC die Chance hatte, Japans Walfangpläne genau zu überprüfen? Kurz nach der Abstimmung sagte Japans IWC-Kommissar Joji Morishita gegenüber der Presse: „Wir werden uns an die Konvention selbst halten“, im Klartext „Wir werden weitermachen wie bisher“.

Das Problem ist, dass die IWC keine Sanktionsmöglichkeiten hat, um Japan im Rahmen des Übereinkommens zu bestrafen. Die Resolution ist definitiv ein Schritt in die richtige Richtung, aber was wir jetzt brauchen, ist ein entschiedenes Vorgehen der IWC-Mitglieder, wenn Japans Walfänger erneut in See stechen. Dies könnte in der Form von wirtschaftlichem und politischem Druck geschehen.  Hierfür kommen zum Beispiel die derzeitigen Freihandelsverhandlungen zwischen der EU und Japan in Frage. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass die EU ein solches Abkommen nicht schließt, solange Japan immer noch Wale jagt.

Wir waren erleichtert, dass Vorschläge zur Neu-Regulierung des Subsistenzwalfangs (ASW) nicht verabschiedet wurden. Die weiteren Schritte werden im Vorfeld der nächsten Sitzung verhandelt und die Entscheidung ist somit verschoben. Dies gibt uns Zeit, uns weiter einzubringen. Wir wollen sicherstellen, dass die zunehmende Kommerzialisierung einer Walfangkategorie verhindert wird, die eine besondere Ausnahme für die  Bedürfnisse einiger indigener Gemeinden darstellen soll.

Obwohl der kommerzielle Walfang von Island und Norwegen in diesem Jahr wieder nicht in Form einer Resolution auf der Agenda stand, hörten wir einige sehr gute Interventionen, unter anderem der USA und der EU, die sich gegen die anhaltende Missachtung der IWC durch die nordischen Länder richteten. Es war sehr befriedigend, die Gesichter der norwegischen und isländischen Delegierten zu beobachten, während ein kleiner Sturm empörter Kritik auf sie niederregnete. Bis zu diesem Zeitpunkt saßen sie bequem in ihren Stühlen und beobachteten die „Show“ um Japans Walfang. Starke Worte gegen das Wal-Schlachten in europäischen Gewässern, jetzt brauchen wir Maßnahmen!

Eine sehr positive Überraschung war die Annahme der „Last-Minute-Resolution“ zum Vaquita. Der kleine Schweinswal steht kurz vor dem Aussterben. Die Population umfasst weniger als 60 Individuen. Ein Großteil der IWC Mitglieder schloss sich dem Konsens an und beschloss Dringlichkeitsmaßnahmen zur Rettung dieser Art. Es war allerdings sehr traurig zu sehen, dass Japan und seine Verbündeten auch in einer solchen Situation keine Schmerzgrenze haben. Sie enthielten sich dem Konsens, um ein politisches Zeichen zu setzen. Während also niemand den Konsens blockierte, demonstrierte Japan und sein Gefolge ihre mangelnde Weitsicht und damit auch Mitgefühl für Mexiko, das sein Bestes versucht, um den Vaquita zu retten.

Alles in Allem haben wir also einiges erreicht, es sind jedoch – wie so oft – Etappenziele. Die Strategieplanung für die nächsten Schritte beginnt jetzt.  Was im Moment noch weit weg erscheint – IWC67 in Brasilien – steht im Prinzip schon vor der Tür. Und das nächste Treffen wird enorm wichtig. Japan wird einen weiteren Vorschlag für kommerzielle Zwergwal-Fangquoten vor seinen Küsten vorlegen und die ASW-Länder werden die Erneuerung ihrer Quoten, in einigen Fällen höchstwahrscheinlich mit einer Erhöhung, fordern.

Während ich den Blog mit ein paar „Blues-Noten“ begann, bin ich insgesamt jedoch sehr positiv gestimmt, wenn ich nach vorne schaue. Wir leben in einer Zeit der Veränderungen und Paradigmenwechsel. Das Konzept, das Wale und Delfine einen „Selbstwert“ haben, unabhängig von menschlichen Bedürfnissen und menschlicher Gier, gewinnt an Boden. Mein Lieblingsergebnis der IWC67 bleibt die Verabschiedung des chilenischen Vorschlags „Entschließung zu Cetacea und ihren Beiträgen zum Funktionieren des Ökosystems“. Was sehr trocken und technisch klingt, ist nicht weniger als eine kleine Revolution und umfasst den Kern der Notwendigkeit des vollständigen Schutzes der Wale. Nicht nur um ihrer selbst willen, sondern zum Wohl von uns allen. Und nicht „nur“ Wale werden in der Resolution erwähnt, sondern „Cetacea“, also alle Wal- und Delfinarten in unseren Ozeanen, die Großen wie die Kleinen. Ein weiterer Sieg dieser Resolution also, die Einbeziehung kleiner Wale in diesen bahnbrechenden Schritt in die Zukunft.

Caro und ich sind sehr froh, dass wir wieder unsere kleine Rolle in der Gesamtvision für eine sicherere Welt für Wale und Delfine spielen konnten. Wir sind sehr dankbar für die Hilfe der vielen WDC-Unterstützer auf der ganzen Welt. Ohne sie wären wir nicht in der Lage, weiter auf eine Welt hin zu arbeiten, in der alle Wale und Delfine in Freiheit und Sicherheit leben!

Alle Entscheidungen der IWC 2016 im Überblick

Über Astrid Fuchs

Astrid Fuchs leitet bei WDC Deutschland den Bereich Policy und strategische Entwicklung. Daneben koordiniert sie die EU-Arbeit und betreut die Bereiche Walfang und Delfinarien.