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Faktencheck – Die Sendung ARTE-Xenius über Delfine

Heute, am 29.9.2016 thematisiert die Sendung Xenius auf ARTE das Thema Delfine. Leider hat sich ARTE den Nürnberger Tiergarten als Kulisse für dieses Thema ausgesucht. Der Titel der Sendung „Was Leisten Zoos Heute?“ weckte bei mir die Erwartung nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Delfinarien. Aber da hat man in dieser Sendung leider einen großen Bogen drum herum gemacht.
Stattdessen blieb die Sendung weitestgehend einseitig und hat kein Handeln hinterfragt – Ich denke das geht auch anders!

Solitärlebende Delfine – Beispiel Han Solo
Die Sendung beschreibt, wie das Verhalten eines solitär lebenden Delfins, Han Solo genannt, ausgenutzt wurde, um ihn in Gefangenschaft zu halten. Dieser Delfin hat sich wie in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen dokumentiert wurde, dem Küstenbereich genähert und in diesem Fall einem Delfinarium. Statt Han Solo seiner Freiheit zu überlassen, haben die Delfintrainer ihn vom Menschen abhängig gemacht, indem sie ihn anfütterten und einsperrten. Zwar hat das Delfinarium dem Delfin nach einem Jahr das offene Meer angeboten, allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass das Jagen für diesen Delfin nicht mehr in Frage kam und Han Solo der Abhängigkeit vom Menschen ausgesetzt war.

Delfintherapie mit stark bedrohter Delfinart – Boto
Wie auch schon früher in einer Sendung vom 20.9.2011, unterstützt die Sendung Xenius auch dieses Mal die Delfintherapie. Aber dieses Mal treiben sie es auf die Spitze. Nicht nur, dass in diesem Beitrag entgegen der meisten wissenschaftlichen Erkenntnisse die Wirkung der Delfintherapie als heilsam kommuniziert wird, sondern es werden für diese „Therapien“ auch noch die stark gefährdeten Amazonas Flussdelfine angelockt. Und genauso, wie mit dem Han Solo, wurden die Botos über ein Jahr mit totem Fisch angelockt und vom Menschen abhängig gemacht. Zwar wird in dem Bericht von wild lebenden Botos gesprochen, allerdings sieht man in einer Szene sehr deutlich, wie die Botos mit Fisch gefüttert werden.

Gut erklärt Xenius! – Boto Delfine durch die Fischerei stark bedroht
Neben der vielen Kritik, muss ich den Beitrag loben, in dem gezeigt wird, dass die Boto Delfine von Fischern gejagt werden, um dann als Köder für den Fang von Welsen her zuhalten. Umso trauriger, ist es, diese Bedrohung im selben Atemzug mit der Ausbeutung durch Delfintherapie zu nennen.

„Delfine brauchen keinen Platz im Delfinarium, weil sie ja nicht mehr jagen müssen.“
Es gab einen kurzen Moment in der Doku, in dem ich einen Funken einer kritischen Auseinandersetzung gesehen habe. Die Moderatoren haben den „Chef-Biologen des Tiergartens“ gefragt, ob den Delfinen der Platz im Tiergarten ausreicht, da sie ja in freier Wildbahn „wahnsinnig viele Kilometer“ am Tag schwimmen. Um die Antwort in aller Kürze zusammen zu fassen, haben nach Einschätzung des Tiergartens die Delfine gar keinen Bedarf längere Strecken zu schwimmen, da sie das in freier Wildbahn hauptsächlich zur Jagd machen und der Zoo den Delfinen (Achtung Sarkasmus) freundlicherweise diese Aufgabe abnimmt und sie stattdessen mit totem Fisch füttert.

Für mich persönlich ist das eine riesige Mogelpackung! Delfine sind dafür gemacht zu jagen und weite Strecken im Meer zurück zulegen. Den Delfinen diese Überlegenheit, diese Fähigkeit, diesen Vorteil gegenüber anderen Lebewesen abzunehmen, spiegelt die Arroganz des Menschen wider, über andere Lebewesen herrschen zu wollen, statt mit ihnen im Einklang zu leben und ihre Fähigkeiten zu bewundern und zu respektieren.

Mein Resümee
„Was Leisten Zoos Heute?“ bzw. „Was Leisten Delfinarien Heute?“ hat es leider nicht geschafft den Blick hinter die Fassade der immer lächelnden Delfine im Tiergarten Nürnberg zu werfen. Die Frage „Was Leisten Delfinarien?“ wurde meines Erachtens nach, nicht kritisch genug hinterfragt. Schade.

David Pfender

Über David Pfender

David Pfender ist diplomierter Biologe und hat sich auf Meereslebewesen sowie Biodiversität und Ökologie spezialisiert. Er war bei WDC Deutschland bis März 2020 für Kampagnen und Projekte zur Beendigung der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen zuständig.