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Das Schicksal der Schwarzmeertümmler

2002 einigten sich die Mitglieder des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES), den Handel mit Großen Tümmlern aus dem Schwarzen Meer zu beenden. Ich erinnere mich gut an diesen Tag, den wir als großen Sieg und als Erfolg für unseren jahrelangen Einsatz feierten. Wir waren erleichtert, dass keine weiteren Mitglieder dieser Delfinart aus ihrem Lebensraum entrissen würden und ihnen ein trauriges Dasein in Zoos und Delfinarien erspart bliebe.

Leider kam es anders als erhofft. Schwarzmeertümmler leben in einem der am meisten zerstörten Meere der Welt. Umweltverschmutzung, Lebensraumverlust und Jagd in großem Stil gefährden ihr Überleben. Allein im 20. Jahrhundert sollen mehr als vier Millionen Wale und Delfine im Schwarzen Meer getötet worden sein. Seit der 1960er Jahren wurden hunderte Große Tümmler für militärische, kommerzielle und wissenschaftliche Zwecke gefangen. Ehemalige Militärdelfine wurden an die Unterhaltungsindustrie in alle Welt verkauft, und mit dem Anstieg der Nachfrage wurden immer mehr Delfine nur zu diesem Zweck gefangen. Während oder kurz nach dem Transport starben viele von ihnen und so stellten Händler oft nur eine fünfzehn tägige Überlebensgarantie aus. Die eingefangenen Delfine, die diese Zeit überlebten, sahen einem Leben unter schrecklichen Bedingungen entgegen. 2002 dachten wir, dass diese dunklen Zeiten vorbei wären.

Alle paar Jahre kommen Regierungsvertreter aus aller Welt zur CITES-Vertragsstaatenkonferenz zusammen. Dort wird darüber entschieden, mit welchen Tier- und Pflanzenarten Arten gehandelt werden darf und mit welchen nicht (ja, diese Thematik wäre eine eigene philosophische und moralische Erörterung wert, auf die ich im Rahmen dieses Blogs aber nicht eingehen kann).

Bei dem Treffen im Jahr 2002 wurde die Entscheidung getroffen, den Handel mit dieser bedrohten Art zu verbieten. Und wir feierten unseren Sieg. Die Delfin-Händler fanden aber einen Weg, um ihr grausames Geschäft fortzusetzen: Sie gaben von nun an einfach vor, dass die gefangenen Delfine in Gefangenschaft geboren worden seien.

14 Jahre später: Während ich dies schreibe, bereitet sich ein WDC Team auf die 17. Vertragsstaatenkonferenz vor. CITES kommt nur ca. alle drei Jahre zusammen und damit ist jedes Treffen für einen erfolgreichen Schutz von Walen und Delfinen so wichtig. Diesmal ist unser Ziel dasselbe wie 2002 – die Jagd und den grausamen Handel mit Schwarzmeertümmlern ein für alle Mal zu beenden. Diesmal haben wir jedoch eine neue Taktik: Wir unterstützen einen Plan, den die Händler nicht missbrauchen oder umgehen können. Diesmal soll der blutige Handel tatsächlich für immer beendet werden, ohne Schlupflöcher.

Die Regierungsvertreter sind aufgerufen, über eine Idee abzustimmen, die von der ukrainischen Regierung kommt, und die das Leben vieler Delfine retten kann. Was wäre, wenn es eine DNA Datenbank aller in Gefangenschaft gehaltenen Schwarzmeertümmler gäbe? Was, wenn ein Händler zum Nachweis, woher ein Delfin stammt, eine DNA Probe vorlegen müsste, die nachweist, dass dieser Delfine in Gefangenschaft geboren wurde? Diese kriminellen Geschäftsleute könnten die Behörden nicht mehr hinters Licht führen! Unser Ziel bei ist es, die Regierungen europäischer Staaten davon zu überzeugen, für diesen Vorschlag zu stimmen. Die Argumente sprechen für sich – jetzt geht es darum Unterstützer dafür zu gewinnen.

Letztlich wird diese Datenbank nützlich sein, den illegalen Handel mit vielen verschiedenen Wal-, und Delfinarten sowie anderen Spezies zu unterbinden.

Leider hilft das nicht den Delfinen, die bereits unter erbärmlichen Bedingungen in vielen Delfinarien leben, aber ich verspreche Ihnen, dass wir alles tun werden, um auch ihnen zu helfen. Für die Delfine, die frei sind, hoffe ich sehr, dass wir dieses Mal gewinnen werden.

Julia Pix

Über Julia Pix

Communications manager - Public Engagement