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Wale und Delfine trauern um Verstorbene

Wale und Delfine bauen im Laufe ihres Lebens innerhalb ihrer Gruppen und Populationen feste Bindungen zueinander auf, die sogar ein ganzes Leben lang bestehen können. Eine neue Studie zeigte nun, dass diese Bindungen bei sieben Meeressäugerarten auch über den Tod hinaus von Bedeutung sind. Die Tiere trauern offensichtlich um ihre verstorbenen Artgenossen.

Die Wissenschaftler um Melissa Reggente von der Universität Mailand haben in einer neuen Studie diese besonderen Emotionen aufgedeckt. Das Verhalten der Meeressäuger äußert sich zum Beispiel in sanften Berührungen des toten Tieres, Anschmiegen mit den Finnen bis zum Tragen des toten Körpers mit dem Mund oder auf dem Rücken, gelegentlich halten sie die Verstorbenen auch an der Meeresoberfläche. Besonders deutlich tritt das Phänomen bei Individuen aus derselben Schule oder bei direkten Verwandten in Erscheinung und wurde unter anderem bei Ostpazifischen Delfinen, Großen Tümmlern, Orcas, Grind- sowie Pottwalen beobachtet.

Die Trauer der Tiere birgt dabei einige Risiken. Das Unterbrechen von lebenswichtigen Aufgaben wie der Nahrungssuche oder der Pflege bestehender Sozialstrukturen stellt ein Risiko für jeden Wal und Delfin dar. Der hohe Energieeinsatz und das Zurückstellen der alltäglichen Bedürfnisse verdeutlicht, wie intensiv die Tiere den Verlust eines Artgenossen wahrnehmen.

Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC hat das beschriebene Verhalten bereits bei Grindwalen und Delfinen miterleben können: „Solche Beobachtungen häufen sich immer mehr. Es ist gut, dass sie als Trauerverhalten interpretiert werden. Ich habe in meiner Arbeit als Feldforscher einmal eine Gruppe Delfine beobachtet, die tagelang ein totes Neugeborenes mit sich schleppten. Es war höchst faszinierend, wie dabei die ganze Gruppe auf die Notlage der Mutter des toten Tieres einging. Das unterstreicht nicht nur die engen Familienbande: Wir wissen heute genug über die geistige und kognitive Komplexität bei Delfinen und Walen, um ihnen tiefe Emotionen zugestehen zu können, ohne dass wir sie dabei vermenschlichen.“

Studie im Journal of Mammalogy