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Stellnetz in Spanien. (C) [damedias] / stock.adobe.com

Stellnetze raus aus Schutzgebieten: Kampagnen-Resümee

Ende September ging unsere Kampagne Stellnetze raus aus Schutzgebieten zu Ende. Zeit also, zu rekapitulieren...
Treibjagd auf den Färöer-Inseln (C) WDC

Delfin-Massaker auf den Färöern – das tut WDC

Fordern Sie mit uns das Ende der Treibjagd auf den Färöer Inseln. Unterzeichnen Sie unsere...
Delfintreibjagd (C) Sakae Hemmi Elsa Nature Conservancy

Die Qualen der Delfine in Taiji

Noch immer habe ich das Massaker an fast 1.500 Atlantischen Weißseitendelfinen auf den Färöer-Inseln im...
Lime Kiln Lighthouse (C) Ulla Christina Ludewig

Besondere Orcas und ihre Geschichten (Teil 2)

Lime Kiln Lighthouse (C) Ulla Christina Ludewig Viele Menschen kennen die bewegenden Geschichten von gefangenen...

Der ganz "normale" Alltag eines Walretters – Mein Praktikum bei WDC

WDC-Praktikantin Sophie Rieger erzählt von ihren Erfahrungen in unserem Münchner Büro.

Seit ich denken kann, schlägt mein Herz für Wale. Damit bin ich nicht alleine – die majestätischen Meeressäuger üben eine Faszination auf viele Menschen aus, jeder Leser dieses Beitrages wird sich hier wohl angesprochen fühlen. Wie es zu dieser Passion bei mir kam, kann ich nicht genau sagen. Ich habe mich nun nach Abschluss meines Studiums der Sozial- und Politikwissenschaften aber dazu entschlossen, dem Idealismus in mir freien Lauf zu lassen, ein Praktikum bei WDC zu beginnen und ‚Wale zu retten‘. Das war zugegebenermaßen gar nicht so leicht in einer materialistischen Welt, in der man als Absolvent am besten schnellstmöglich beginnt, am perfekten Lebenslauf zu feilen.

Schon während des Studiums scherzte ich mit meinen Kommilitonen: „Eines Tages werde ich Wa(h)lforscher!“ Und auch heute löst die Antwort auf die Frage, was ich denn gerade so mache, Verwirrung aus: „Wie kann man denn in München vom Büro aus Wale retten?“ Viele Menschen haben Bilder im Kopf von engagierten Tierrechtlern, die auf ihren Schlauchbooten Walfängern hinterherjagen oder sich in die Fluten stürzen, um mal wieder einen Wal, der sich in einem Fischernetz verfangen hat, zu befreien.

Als Soziologin, die immer gesellschaftliche Zusammenhänge im Hinterkopf hat, finde ich es jedoch mindestens genauso wichtig, Wale und Delfine zu schützen, indem man Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit leistet – also den großen Zusammenhang im Blick hat. Und das ist genau das, was WDC tut. Wale sind bedroht, weil wir Menschen in unserem alltäglichen Leben nur wenig Rücksicht auf unsere Umwelt nehmen. Wir möchten jederzeit möglichst günstig Fisch essen können, wir verbrauchen jährlich tonnenweise Plastik, wir fahren gemütlich mit unseren Autos von A nach B, wir konsumieren Güter aus der ganzen Welt und sind somit direkt an der Bedrohung der Lebensräume von Walen und Delfinen beteiligt: Überfischung, Lärm und Verschmutzung der Meere. Das ist harte Kost und wird nur allzu leicht wieder aus unserem Kollektivbewusstsein verdrängt.

So war es für mich sehr spannend beim Start der „Weniger Plastik ist Meer“ Kampagne von WDC dabei sein zu dürfen. Plastik ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig – aber leider auch im Meer. Und das schadet genau den von uns doch so geliebten Tieren: Walen und Delfinen. Im Rahmen der Kampagne klären wir auf, leisten Bildungsarbeit und zeigen Alternativen zu Plastik auf. Denn viele von uns wissen schlichtweg nicht, wie komplex und weitläufig die Folgen unseres Konsumverhaltens sind.

Ich finde, es wäre gelogen, zu behaupten, dass Plastikverzicht einfach ist. Unsere Gesellschaft ist komplett auf ein Leben voller Kunststoffe ausgerichtet und Verzicht auf Plastik heißt eben nicht nur, auf Plastik zu verzichten, sondern auch auf Teilhabe und ‚Luxus‘ zu verzichten. Bisher geliebte Produkte aus der Drogerie werden auf einmal tabu genauso wie die Lieblings-Gummibärchen aus dem Supermarkt. Aber auch wer nicht sein ganzes Leben plastikfrei gestalten will und kann, trägt durch kleine Änderungen seines Verhaltens etwas zum Großen und Ganzen bei. Je mehr Konsumenten sensibilisiert werden, desto eher wirkt sich dies auch auf die Wirtschaft aus. Ich hoffe, dass so irgendwann ein Zustand erreicht wird, in dem Plastikverzicht nicht mehr schwer fällt, sondern durch das geänderte Angebot zur Normalität wird. Hört sich momentan utopisch an, aber man wird ja wohl träumen dürfen!

Insgesamt waren die Einblicke, die ich bei WDC gewinnen durfte, wahnsinnig bereichernd für mich und eben auch die Erkenntnis: Man kann etwas verändern, wenn man es nur genug will! Mein Praktikum war sehr vielseitig. So durfte ich einerseits für unseren Shop (von dem ich sehr großer Fan bin und mir selbst schon einige Produkte zugelegt habe) unseren neuen Schweinswal-Beutel vorstellen.

Außerdem besuchte ich zusammen mit meiner Kollegin Franziska Gruber die International Ocean Film Tour, wo neben wunderbaren, inspirierenden Kurzfilmen rund ums Meer auch ‚Sonic Sea‘, eine Dokumentation über die steigende Lärmbelastung in unseren Ozeanen und die fatalen Folgen für Meeressäuger, zu sehen waren. Wir waren dort mit einem Stand vertreten und haben tolle, interessierte Menschen kennenlernen dürfen. Gerade, wenn man vom Büro aus für etwas arbeitet, das nicht greifbar und weit weg ist, finde ich solche Ausflüge und den direkten Kontakt mit Gleichgesinnten sehr motivierend.

Im Büro habe ich viele Rechercheaufgaben übernommen, sei es im Bereich Projektfinanzierung, Öffentlichkeitsarbeit oder für unsere Referenten, die ständig im Auftrag für die Wale in ganz Deutschland oder dem Ausland unterwegs sind. Dabei habe ich einen tiefen Einblick in diverse Bereiche rund um Wale und Delfine erhalten. Dazu gehörten sowohl biologisches Fachwissen, als auch Hintergrundwissen zu Entscheidungsprozessen oder der teils mühsame Weg, einen Förderantrag zu stellen. Besonders viel Spaß hat es mir gemacht, Informationen zu den beiden Tümmlern zu sammeln, die sich gerade in der Ostsee aufhalten und selbstständig Hintergrundinformationen zu unserer Plastikkampagne zu sammeln. Und auch die Aufgabe für eben diese Kampagne Blauwalbilder zehntausendfach zu duplizieren, um die Menge an Plastikmüll, die in unseren Meeren treibt in Blauwalen zu veranschaulichen, gehört nun mal zum Praktikantenalltag. Dem interessierten Leser, der schon immer mal wissen wollte, wie 2000 Blauwale aussehen, möchte ich meine wertvolle „Grafik“ mit einem kleinen Augenzwinkern nicht vorenthalten:

Meine Entscheidung für ein Praktikum bei WDC habe ich nicht bereut, auch wenn ich in dieser Zeit keinen einzigen Wal zu Gesicht bekommen habe. Die Arbeit in einem Umfeld von Menschen, die das selbe Ideal verfolgen wie ich, sich aktiv und engagiert in verschiedensten Bereichen für die Rechte von Walen und Delfinen sowie den Schutz deren Lebensräume einsetzen, hat mich nur darin bekräftigt nicht nur weiterhin vom ‚Welt verbessern‘ zu träumen, sondern auch aktiv Teil dessen zu sein. Danke in diesem Sinne, dass ich drei Monate lang Mitglied dieses tollen Teams sein durfte!