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Tagebuch aus Taiji: Wenn der Gemeinschaftsgeist am wichtigsten ist

WDC Gast-Blogger Hans-Peter Roth ist ein Schweizer Journalist, der sich seit vielen Jahren intensiv für Delfine und Wale einsetzt. Momentan ist Hans-Peter vor Ort in Taiji, Schauplatz der berüchtigten Delfintreibjagden, um von der Situation vor Ort zu berichten. Begleitet wird Hans-Peter von Marna Olsen, einer färöischen Delfin- und Tierschützerin, die sich für ein Ende der Delfintreibjagden sowohl in Japan, als auch ihrer Heimat, den Färöer Inseln, engagiert.

Man sollte sich nie zu sehr an Blaue Bucht-Tage gewöhnen. Irgendwann wendet sich das Blatt. Wie gestern. Nach acht Tagen ohne Treibjagd trotz recht guten Jagdbedingun­gen, hatten wir schon frühmorgens ein mulmiges Gefühl. Tatsächlich machten wir mit dem Fernglas schon vor acht Uhr am Horizont zwei Boote nahe beieinander aus. Bald kamen mehr Boote dazu und schliesslich war eine volle Jagdformation mit zwölf Booten aufgereiht, um Delfine immer näher gegen die Küste zu treiben.

Auf jedem Boot steht ein Mann, der mit einem Hammer an eine massive, ins Wasser gehaltene Metallstange schlägt und damit unter Wasser einen Höllenlärm macht. Aufgereiht erzeugen die Jagdboote somit eine Lärmmauer, der die geräuschempfindlichen Delfine verstört und deren Kommunikation mittels Lauten verunmöglicht. Um dem Lärm von den Booten hinter sich zu entkommen, fliehen sie näher und näher zur Küste hin, bis sie schliesslich in der berüchtigten Bucht enden, wo sie entweder für eine Gefangenschaft im Delfinarium ausgelesen oder ihres Fleisches wegen brutal abgeschlachtet werden.  

Sobald wir eine solche Formation beobachten, wissen wir betrübt, was da draussen abgeht. Das kann eine Herausforderung sein, auch für die gemeinsame Arbeit als Beobachtungsteam. Denn logischerweise fühlt man sich traurig, angespannt, empfindlich und reizbar. So mussten wir uns gegenseitig an die Bewahrung des guten Gemeinschaftsgeistes erinnern, als wir vom Aussichtspunkt zum Hügel fuhren, der direkt über der Tötungsbucht liegt. Das funktioniert und hat grundsätzlich bisher sehr gut funktioniert, trotz oder gerade wegen der Schrecknisse, die wir mitansehen mussten.

Auf dem Hügel angekommen, dauerte die Treibjagd schon nahezu drei Stunden an. Es war ein Hin und Her mit einer mittelgrossen Delfinschule, noch rund eine Seemeile draussen. Dann ging es plötzlich schnell. Die Delfine waren völlig erschöpft und in Panik. Mit Netzen abgeschottet in der Tötungsbucht, wurde die Familie von etwa 20 Rundkopfdelfinen immer näher an den Tötungsstrand gedrängt, um dort, versteckt unter Planen, aufgerieben zu werden. Einmal mehr ein entsetzlicher Anblick, mit Müttern, die bis zuletzt ihre dicht an sie gedrängten Kleinen beschützen wollten.

Bei ihren verzweifelten Fluchtversuchen verhedderten sich einige Delfine in Netzen. Einige überwanden ein Netz, bloss um von einer weiteren Netzreihe gestoppt zu werden. Die meisten Delfine konnten die Jäger aus den Netzen holen. Aber einer blieb unentdeckt. Unter der Wasseroberfläche verstrickt, ertrank er elendig; ein Tod, der für diese luftatmenden, empfindlichen Tiere so schrecklich sein muss wie für einen Menschen. Und unerträglich zum Mitanschauen… Gleichzeitig veruchen wir in solchen Momenten einfach zu funktionieren, unsere Arbeit zu machen und später mit den Emotionen fertig zu werden. Das funktioniert nicht immer sehr gut…

Nach der Tötung zogen kleine Boote die toten Delfine zum Hafen von Taiji hinüber, unter Blachen versteckt, aber zeitweise trotzdem sichtbar. Würden die Jäger wieder einen ertrunkenen Delfin ins Meer werfen, wie jenen, dessen Kadaver wir nach der vorangegangenen Treibjagd schliesslich am Strand fanden? Tatsächlich fuhren sie wieder aufs offene Meer hinaus, um sechs Delfine ins Wasser zu kippen. Diese aber lebten. So zählen wir 13 getötete Delphine und einen ertrunkenen, sowie sechs freigelassene, die wir durchs Fernglas schliesslich wegschwimmen sahen.  

Still und mit hängenden Köpfen machten wir uns auf den Rückweg. Die Hilflosigkeit ist schwer zu beschreiben, wenn man den Tieren, die man schützen und retten will, so nahe ist und sie dann auf so grauenvolle Weise sterben sehen und hören muss, nach dieser endlos langen, aufreibenden Treibjagd. Man kann kaum der Versuchung widerstehen, ins Wasser zwischen die Jäger und die friedfertigen Tiere zu springen; aber das würde keinen einzigen retten. Danach muss man mit den Gefühlen klarkommen. Es sind diese Roten Bucht-Tage, wenn der gute Gemeinschaftsgeist am Wichtigsten ist.

Marna Olsen und Hans Peter Roth

Über Astrid Fuchs

Astrid Fuchs leitet bei WDC Deutschland den Bereich Policy und strategische Entwicklung. Daneben koordiniert sie die EU-Arbeit und betreut die Bereiche Walfang und Delfinarien.