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Blackfish vs. Nürnberg: mein Praktikum bei WDC

Unsere Praktikantin Anne berichtet in diesem Blogbeitrag von ihrem Praktikum in unserem Münchner Büro.


Den Trailer zu Blackfish habe ich eines Abends durch Zufall beim Stöbern im Internet gefunden, wollte ich doch eigentlich einen Film gucken und fand mich dann vier Stunden später vertieft in die Recherche zu Orcas in Gefangenschaft wieder.

Einige Monate später hielt mein Universitätsprofessor einen eindringlichen Vortrag zur Wahl des Themas für die Bachelor-These, wir sollten bloß etwas aussuchen für das wir Leidenschaft mitbringen. Ich habe Kulturwissenschaften und Medien in Maastricht studiert und die Wahl der Bachelor-These war nicht einfach, schlug ich mich doch damit schon fast zwei Monate damit herum und konnte mich auf nichts festlegen. Dann kam der Vortrag und plötzlich hat es Klick gemacht: ich schreibe über Blackfish und die Orcas in Gefangenschaft.

Gesagt, getan. Vier Monate lang kannte ich kein anderes Gesprächsthema, denn was konnte schon wichtiger sein als der Schutz dieser faszinierenden Riesen? So mussten alle Kommilitonen, Familienmitglieder und Freunde die grausamen Schicksale der Orcas in den SeaWorld Parks diskutieren und tapfer unterstützten sie mich.

Für die Recherche habe ich die Blackfish-DVD viele Male gesehen und irgendwann blätterte ich nebenbei das Film-Informations-Heftchen durch, in dem ich auf WDC stieß. Eine Organisation, die sich ganz ausschließlich mit dem Schutz von Walen und Delfinen beschäftigte? Na das war doch einen Blick wert und schon surfte ich auf der WDC-Website. Kurz darauf hatte ich ein Essay entdeckt, dass von WDC publiziert wurde und meine These einen riesigen Schritt weiterbrachte.

Nur knapp drei Monate später fing ich in München bei WDC als Praktikantin an. Endlich kann ich mich für meine Lieblingstiere einsetzen, endlich habe ich das Gefühl etwas aktiv zu ihrem Schutz beitragen zu können. Hier verstand ich, dass ich nicht mit Booten aufs Meer fahren muss, um einen wichtigen Beitrag leisten zu können, denn hier geschieht etwas viel wichtigeres: Wir schaffen es, das Denken der Menschen zu verändern und mit ihnen gegen Delfinarien vorzugehen.

Um für WDC neues Bild- und Videomaterial zu sammeln fuhr ich zum Delfinarium Nürnberg. Dort leben derzeit zehn Große Tümmler. Nach allem was ich zum Thema Gefangenschaft gelesen und recherchiert habe, konnte ich mir nun einen eigenen Eindruck davon machen und sehen, wie die Tiere dort leben.

Als ich beim Tiergarten eintraf war ich nervös und unruhig. Eine Viertelstunde später sollte die nächste Delfin-Show beginnen, was mir etwas Zeit gab, mich in der neuen Delfinlagune umzuschauen. Ich hatte gelesen, dass sie 30 Millionen Euro gekostet hatte. Der Zuschauerbereich ist aufwändig gestaltet: Die Bänke sind in Felsen eingelassen, man hat einen tollen Blick auf das geradezu unnatürlich blaue Wasser.

11:00 Uhr, die Show beginnt pünktlich als die vier Trainer an den Beckenrand treten und die Delfine mit einer Pfeife rufen. Es folgt ein Kunststückchen nach dem anderen, wie im Zirkus. Die schönen Tiere springen aus dem Wasser, drehen sich und bringen geworfene Bälle zurück. Ich sitze mitten in einer Schulklasse der Oberstufe und bei jedem Sprung, jeder Drehung und jedem Spritzer Wasser johlen und brüllen sie. Ich sitze stumm daneben und fühle mich wie betäubt. ‚Merkt ihr nicht was hier vor sich geht? Merkt ihr nicht, dass die Delfine nicht hierher gehören?‘ möchte ich rufen. Doch wie sollten sie auch, verkündet ein Trainer doch: ‚Große Tümmler leben in flachen, küstennahen Gewässern und sind deswegen gut für die Gefangenschaft geeignet‘.

Ich bin froh, als es nach 20 Minuten vorbei ist und die armen Delfine unter tosendem Beifall und den letzten Fischhappen wieder unter Wasser abtauchen. Ich bleibe noch sitzen und versuche mich zu sammeln; eine Delfin-Show live anzusehen war noch viel schlimmer als gedacht. Ich weiß für mich: ich werde nie wieder eine solche Veranstaltung besuchen! Was bringt es so viel Geld zu investieren um den Zuschauern einen netten Sitzplatz zu gewähren? Ich bin mir sicher, die 30 Millionen Euro, die für die Delfin-Lagune ausgegeben wurden, wären so viel besser bei Artenschutz-Projekten oder Tierschutzorganisationen aufgehoben.

Kein Delfin und kein Wal ist für Gefangenschaft geeignet, auch nicht wenn einige Populationen in küstennahen Gewässern leben – selbst dort ist ihr Revier mehrere Kilometer groß. Es liegen immer noch Welten zwischen den Lebensräumen der Tümmler in Freiheit und einem Pool mitten in Deutschland. Hier wurde einfach ein blauer, glitzernder Käfig gebaut, der die Delfine in Gefangenschaft festhält. Darüber können auch nicht prunkvolle Namen wie Delfine-Lagune oder Blauer Salon hinwegtäuschen.