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Workshop zum Schutz von Lachsen und Schwertwalen

Kürzlich nahm ich an einem Workshop in Vancouver teil, bei dem sich Schwertwal– sowie Lachsexperten zum Austausch trafen. Es wurden Maßnahmen diskutiert, wie man diese beiden so eng miteinander verbundenen Arten vor dem Aussterben bewahren kann. In der Vergangenheit arbeiteten Experten beider Gebiete selten zusammen, aber nun soll ein gemeinsamer, auf das ganze Öko-System fokussierter Ansatz zum Schutz beider Arten gefunden werden.

Chinook salmon and orca

Mehrere Umweltschutzorganisationen haben sich nun zusammen getan, um sich gemeinsam für den Schutz dieser beiden bedeutenden Arten im Pazifischen Nordwesten einzusetzen. Workshops dieser Art sollen nun öfter stattfinden. Sie dienen der gemeinsamen Ideen-Sammlung, zum Austausch über aktuelle Ereignisse und zur gemeinsamen Planung von Maßnahmen zur Rettung des Ökosystems und somit der Lachse und Schwertwale. Ein gesundes Ökosystem steigert die Chancen, dass die Lachsbestände wieder steigen und dies wiederum bedeutet mehr Nahrung für die vom Aussterben bedrohten südlichen ortstreuen Schwertwale sowie ihrer Artgenossen weiter im Norden. Es mag auf den ersten Blick etwas seltsam wirken, wenn sich Organisationen, die sich dem Wal- und Delfinschutz widmen, für die Entfernung von Dämmen und die Renaturierung und Säuberung von Flüssen einsetzen. Aber das sind nur einige Beispiele für einen ganzheitlichen Ansatz. Um die Schwertwale vor dem Aussterben zu bewahren, muss ihre Hauptnahrung gesichert sein. Und um die Lachsbestände zu sichern, muss ihr Lebensraum wiederhergestellt und ihnen verloren gegangene Laichgebiete wieder zugänglich gemacht werden.

In diesem Workshop beschäftigten wir uns auch mit aktueller Forschung zu den beiden Orca-Populationen im Pazifischen Nordwesten: den südlichen und den nördlichen ortstreuen Schwertwalen. Wir sichteten Aufnahmen, die mit ferngesteuerten Kamera-Flugzeugen gemacht wurden. Diese Methode wird seit einiger Zeit vermehrt in der Forschung eingesetzt, um z. B. Schwertwale aus der Distanz von oben zu filmen, um Informationen über deren Gesundheitszustand etc. zu bekommen. Wir sprachen auch über die neueste Zählung der nördlichen ortstreuen Schwertwale und erfuhren mehr über die gemeinsamen Schutzbemühungen in den USA und Kanada für beide Orca-Populationen. In beiden Ländern sind die südlichen ortstreuen Schwertwale als vom Aussterben bedroht eingestuft. 

Northern Resident orcas by drone

Ein Punkt, der in mehreren Präsentationen und Vorträgen zur Sprache kam: niemand weiß so genau, wo beide ortstreuen Schwertwal-Populationen den Winter verbringen und wovon sie sich in diesem Zeitraum hauptsächlich ernähren. Die Fischereibehörde der USA bestätigte kürzlich, dass die südlichen ortstreuen Schwertwale im Winter die Küstengewässer von Washington, Oregon und Kalifornien aufsuchen und sich wie im Sommer hauptsächlich von Königslachs ernähren. Es ist jedoch noch nicht bekannt, wie stark die Population tatsächlich von den Lachsbeständen außerhalb des Fraser River abhängig ist. Liegt es an den niedrigen Seelachs-Beständen im Winter, dass die Anzahl der Orcas weiterhin zurück geht? Die Zahl der Königslachse im Klamath und Sacramento River ist nur noch ein Bruchteil von den einstigen Beständen. Einige Experten wiesen auch auf die körperliche Verfassung der Schwertwale hin, in der sie im Sommer in den Nahrungsgebieten ankommen: tendenziell sind die Orcas nach dem Winter in schlechter Verfassung, erholen sich dann aber durch das Angebot an Lachsen aus dem Fraser River in der Salish Sea.

Leider nehmen auch die Lachsbestände aus dem Fraser River ab und es gibt immer mehr Fischfarmen in British Columbia. Die Schwertwale verbringen weniger Zeit in ihren traditionellen Sommer-Nahrungsgebieten und die Familiengruppen müssen in großen Gebieten weit verstreut nach Nahrung suchen. Sie leiden unter der Dezimierung der Nahrungsquelle, aufgrund derer sie ihren Namen „ortstreue Schwertwale“ erhalten hatten. Zersplitterte Familiengruppen müssen immer mehr Zeit und Energie für die Nahrungssuche aufbringen und somit bleibt weniger Zeit für die Fortpflanzung und die Aufzucht des Nachwuchses. Somit kann sich die vom Aussterben bedrohte Population nur schwer erholen.

Wir konnten in diesem Workshop keine Patentlösung finden. Aber wenn es um die Rettung von ganzen Ökosystemen geht, gibt es selten einfache Antworten. Wir haben jedoch alle etwas gelernt – und sind voller Ideen für zukünftige Aktionen und Projekte abgereist.

Und in Zukunft…

Am Ende meiner Reise in den Norden stand noch ein Besuch am Elwha River auf dem Programm: dem Ort des bisher größten Damm-Entfernungs-Projekts. Der Abriss der Dämme wurde im August 2014 abgeschlossen und der Fluss erholt sich bereits langsam wieder. Das Flussbett erweitert sich und an der Mündung entstehen neue Lebensräume. Sedimente, die jetzt wieder ungehindert stromabwärts getragen werden, setzen sich an den Ufern ab und so entstehen wunderbare neue Laichgebiete für Lachse. Die Entfernung von zwei Dämmen, die beide ohne Fischtreppen gebaut wurden, hat 70 Meilen (ca. 112 km) Laichgebiet für alle fünf Pazifische Lachsarten wieder zugänglich gemacht und bereits wenige Wochen nach dem Abriss wurden bereits wieder Lachse stromaufwärts gesichtet.

Elwha River, before and after

Die Renaturierung der Flussufer wird länger dauern und erfordert viel Arbeit, aber dass der Fluss sich innerhalb kurzer Zeit so gut erholt hat und die Natur ihren Weg findet, sobald wir „aus dem Weg gehen“, gibt Hoffnung für die Lachse und somit auch für die Schwertwale.

Bitte helfen Sie uns, die Renaturierung am Klamath River Wirklichkeit werden zu lassen! Wir werden uns auch 2015 dafür einsetzen, dass die Dämme entfernt und die Laichgebiete wieder für die Lachse zugänglich gemacht werden. Am Elwha River dauerte es insgesamt fast 20 Jahre, bis der Fluss wieder „frei“ war. So lange können die südlichen ortstreuen Schwertwale nicht warten!

Bitte unterstützen Sie unsere Kampagne „Dämme brechen für Orcas“ und unterzeichnen Sie unseren Brief an die Firma PacifiCorp, die den Abriss von vier ihrer Dämme angekündigt hat.