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„Die letzten 300“ sind noch 450. Ist das die Rettung für den Schweinswal?

Das Team des Forschungsprojektes SAMBAH schätzt die aktuelle Zahl der Schweinswale in der zentralen Ostsee auf etwa 450. Die statistische Unsicherheit ist dabei aber sehr groß: Irgendwo zwischen 90 und 990 Tiere gibt es auf jeden Fall noch. Diese Erkenntnis basiert auf Auswertungen der Echoortung, die vom Forschungsteam über zwei Jahre hinweg aufgenommen und nun abschließend analysiert wurde. Das SAMBAH-Projekt ist eines der weltweit größten Forschungsprojekte und arbeitet mit akustischen Datenloggern (sogenannten C-PODS).

Ist das die Rettung dieser vom Aussterben bedrohten Population? Mitnichten. Selbst wenn es noch knapp 1.000 Tiere sind, wäre ein Überleben keineswegs gesichert. Dazu gibt es zu viele Bedrohungsfaktoren – darunter Fischerei, Unterwasserlärm, Meeresverschmutzung, etc. – die alle zusammen auf die Tiere einwirken.

Auch eine klare räumliche Trennung der Schweinswalpopulationen in der zentralen und westlichen Ostsee zwischen Mai und Dezember wurde ersichtlich. Schweinswale aus der westlichen Ostsee schwimmen im Sommer in die deutschen Gewässer bis vor Rügen und im Herbst zurück. Zur gleichen Zeit ziehen sich die Schweinswale der zentralen Ostsee nach Osten zurück, um im Winter wieder gen Westen zu wandern und damit dem Zufrieren der Ostsee auszuweichen. Das untermauert die Annahme, dass es sich in der Ostsee tatsächlich um Populationen handelt, die sich im Prinzip zwar begegnen können, aber nicht vermischen.

Die Untersuchungen ergaben zudem, dass südlich der schwedischen Insel Gotland ein wichtiges Fortpflanzungsgebiet für Ostsee-Schweinswale liegt. Bis dato war nicht bekannt, dass sich im Gebiet der schwedischen Midsjöbank überhaupt Schweinswale befinden. Die Erkenntnisse liefern neue Grundlagen, auf denen der Schutz der vom Aussterben bedrohten Ostsee-Schweinswale vorangetrieben werden kann.

„Der Titel ‚Die letzten 300’ unseres Kreativwettbewerbs und die darauf aufbauende Ausstellung behalten weiter ihre Gültigkeit“, sagt Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC. „Egal auf wie viele Tiere die Population geschätzt wird, die Gefahr des Aussterbens ist weiterhin akut. Und wir wissen ja längst, wie man den Schweinswal effektiv schützt. Nur der politische Wille fehlt sowohl in Deutschland als auch in Europa, um die notwendigen Maßnahmen zu erlassen und dann auch umzusetzen.“ WDC setzt sich mit seiner Kampagne „Walheimat“ seit langem gezielt dafür ein, dass es der einzigen in deutschen Gewässern heimischen Walart zukünftig wieder besser geht. 

Quelle: Meeresmuseum Stralsund