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Schutzgebiete bringen nichts?

Auf einer Dialogveranstaltung zur marinen Gesetzgebung Anfang dieser Woche, die ich besuchte um den Standpunkt von WDC zur Lärmbelastung im Meer einzubringen, äußerte sich auch ein Fischer zum Thema Erhalt der Biodiversität: „Schutzgebiete bringen nichts, weil sich die Fischpopulationen sowieso nicht erholen. Wir Fischer müssen immer weiter aufs Meer hinaus fahren um Fische zu fangen. Außerdem gibt es zu viele Seehunde, die uns den Fisch wegfressen.“

Die Konsequenz zur Erhaltung einer möglichst diversen Fischfauna wäre also für den Fischer das Töten der Seehunde und die Abschaffung der Meeresschutzgebiete?


Lieber Fischer,

Danke für die vereinfachte Darstellung eines hochkomplexen Zusammenhangs. Wir nehmen Ihre Aussage gerne zur Kenntnis, möchten aber auch klar machen, dass die Welt, in der wir leben, in größeren Zusammenhängen betrachtet werden muss. Zu diesem Zweck möchte ich gerne einige Argumente einbringen, die Ihren Vorschlag unter Umständen aushebeln könnten.

Ihr Argument lautet, dass die ausgewiesenen Meeresschutzgebiete nicht zur Regeneration von Fischpopulationen beitragen. Deshalb möchte ich in einem Gedankenexperiment gerne die Seehunde in den Naturschutzgebieten mit der Fischerei ersetzten. Wenn man annimmt, dass in einem Meeresschutzgebiet Fischerei betrieben wird, ist die einzig sinnige Konsequenz, dass sich die Fischpopulationen in diesen Erholungsgebieten nicht regenerieren können.

Nun möchten wir versuchen dieses Gedankenexperiment auf die Realität zu übertragen. Überraschung!!! Genau das ist der Fall. Es gibt keine sogenannten „Managementpläne“ für die Meeresschutzgebiete, die die Fischerei aus Schutzgebieten ausschließt.

Industrielle Überfischung ist einer der Gründe dafür, wieso die Fischerei immer teurer und die Fische immer kleiner werden.

Ihr David Pfender

 

Liebe Leser, lasst euch nicht von fadenscheinigen Argumenten auf die falsche Fährte führen! Aus wissenschaftlicher Sicht ist klar, dass die Ökosysteme komplex miteinander verwoben sind.

Die Zahlen der Fischerei hingegen sind sehr aussagekräftig. Die Methoden des Fischfangs werden immer aufwendiger, um die gleiche Menge Fisch aus den Meeren zu bekommen wie früher. Das heißt: die meisten Populationen werden nicht nachhaltig befischt. Ihnen fehlt die Möglichkeit, sich zu regenerieren, weil der Druck aus der Fischereiindustrie zu groß ist. Die Schlussfolgerung: Seid euch bewusst, dass euer Fischkonsum für den Erfolg der Schutzgebiete entscheidend ist!

Mittlerweile kann WDC auf viele Dialogveranstaltungen mit den Fischern zurückblicken. Nicht alle Fischer teilen die Ansicht, dass Meeresschutzgebiete unnötig sind. Für die Einsicht und gute Zusammenarbeit möchte ich mich an dieser Stelle bedanken.

Weitere Argumente für den Erhalt und Ausbau von Meeresschutzgebieten findet ihr auf unserer Kampagnenseite www.Walheimat.org

Über David Pfender

David Pfender ist diplomierter Biologe und hat sich auf Meereslebewesen sowie Biodiversität und Ökologie spezialisiert. Er war bei WDC Deutschland bis März 2020 für Kampagnen und Projekte zur Beendigung der Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen zuständig.