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Politik versagt erneut beim Schutz von Schweinswalen

Keine Gesetze die für Schutz sorgen, sondern freiwillige Vereinbarungen, die fast überall tödliche Stellnetze erlauben.

Zum Schutz von Schweinswalen und Seevögeln vor dem Ertrinken in Stellnetzen hat der Kieler Umweltminister Robert Habeck eine freiwillige Vereinbarung mit den Fischereiverbänden vorgestellt, die einen lahmen Kompromiss für den vom Aussterben bedrohten Schweinswal darstellt.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Fischer im Sommer nur in begrenztem Umfang Stellnetze auszulegen, um Schweinswale weniger zu gefährden. Im Winter wollen sie Gebiete meiden, in denen besonders viele Tauchenten Nahrung suchen. Ein – für den Schutz so wichtiges – räumliches und zeitliches Verbot der Stellnetzfischerei ist damit vorerst vom Tisch.

Stellnetze – die große Gefahr für Schweinswale

Die Bestände des Schweinswals in der zentralen Ostsee und der Beltsee sind in den vergangenen Jahren extrem rückläufig, verantwortlich dafür ist an erster Stelle der Mensch.

Der Bestand der Beltsee, der sich etwa bis zum Darß erstreckt, nimmt vor allem wegen des Beifangs in Stellnetzen dramatisch ab. Der Bestand der zentralen Ostsee gilt schon seit Jahren als vom Aussterben bedroht, wahrscheinlich handelt es sich hier nur noch um wenige hundert Tiere (Maximalschätzung). Die IUCN listet den Schweinswal der zentralen Ostsee als „vom Aussterben bedroht“. Damit gehört er zu den am meisten bedrohten Säugetierarten der Welt.

Freiwillige Vereinbarungen können gesetzliche Grundlagen nicht ersetzen. Allein rechtlich gesicherte, zeitlich und räumlich begrenzte Gebietsschließungen verbunden mit der Weiterentwicklung alternativer Fanggeräte, können die Küstenfischerei in Schleswig-Holstein mittelfristig ökologisch nachhaltiger und zukunftsfähiger ausrichten.
Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Uni Hannover gab im Oktober 2012 bekannt, dass im Sommer 2012 mehr tote Schweinswale gefunden worden sind als im Jahr zuvor. Allein die Zahlen für die Küsten des Bundeslands Schleswig-Holsteins sind alarmierend:
Nordseeküste, Schleswig-Holstein: 132 tote Schweinswale (Sommer 2012);
Ostseeküste, Schleswig-Holstein: 61 tote Schweinswale (Sommer 2012)

„Es ist eine große Enttäuschung zu sehen, wie ein ursprünglich ambitionierter Ansatz auf eine solche Minimallösung, wie sie jetzt in Schleswig-Holstein umgesetzt wird, zurechtgestutzt wurde. Von effektivem Schutz kann hier keine Rede sein. Die Leidtragenden sind – wie immer – die Schweinswale“, so Fabian Ritter Leiter der Kampagne WALHEIMAT von WDC.

Der komplette Ausschluss von schweinswalgefährdenden Stellnetzen aus den sensiblen Gebieten wäre ein echter Schritt nach vorne. Außerdem ist es ist dringend nötig, nicht nur über alternative Fischereimethoden zu den gebräuchlichen, für Schweinswale gefährlichen Stellnetzen nachzudenken, sondern sie auch gezielt zu erproben und einzusetzen. Es muss dafür gesorgt werden, dass der Lebensraum der Schweinswale nicht weiter durch Lärm beeinträchtigt wird, beispielsweise durch den Bau von Offshore-Windparks, seismische Untersuchungen zur Erkundung von Erdöl und -gas oder den steigenden Schiffsverkehr. Meeresschutzgebiete sind für das Überleben der Ostsee-Population Schweinswale von großer Bedeutung, sofern sie die genannten Maßnahmen effektiv umsetzen. Anscheinend traut sich aber niemand, effektive Maßnahmen durchzusetzen. Dabei bleibt der Schutz der Schweinswale auf der Strecke.

Erfahren Sie mehr über die WDC Kampagne WALHEIMAT – Sichere Schutzgebiete jetzt!

Quelle

Über Laura Zahn

Unternehmenskooperationen - Laura Zahn ist bei WDC Deutschland verantwortlich für die Kooperationen mit Unternehmen.