Der Einfluss des Menschen

Die Beziehung zwischen Walen, Delfinen und dem Menschen war immer von unterschiedlichen Einflüssen geprägt - nicht immer von positiven. Heute jedoch wollen immer mehr Menschen Wale und Delfine geschützt sehen.

Walfang vor dem Moratorium

Lange bevor Elektrizität entdeckt wurde, die industrielle Revolution alles veränderte und die Landwirtschaft sich rasant entwickelte, hat sich der Mensch auf der Suche nach Überlebensstrategien dem Tier zugewandt. Zum Leidwesen vieler Tierarten haben wir uns darin als sehr talentiert erwiesen.

Aufgrund ihrer enormen Größe waren auch die Wale unter jenen Tieren, die zum Nahrungserwerb der Menschen getötet wurden. Viele Küstengemeinden, vor allem solche in kälteren Regionen, wurden Experten darin, die Tiere zu erlegen, um an ihr Fleisch, Öl und Fett zu gelangen. All das wurde genutzt, um die Menschen mit Nahrung und Wärme zu versorgen. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Walfang sehr viel organisierter und vor allem erfolgreicher und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren viele Arten bereits vom Aussterben bedroht. Der Walfang ging auch weiter, obwohl die Menschen nicht mehr auf das Walfleisch angewiesen waren. Es gab alternative Nahrungsquellen und auch für das Heizen der Häuser gab es mittlerweile andere Möglichkeiten.

Während der Walfang zunehmend unnötig wurde, wurden eine ganze Reihe neuer Ideen der industriellen Verwertung dieser Tiere, wie zum Beispiel in der Kosmetik, entwickelt. Ambergris, das aus Sekreten der Gedärme von Pottwalen gewonnen wird, kam als Fixateur in der Parfümherstellung zum Einsatz. Der Stoßzahn von Narwalen entwickelte sich zur hochpreisigen Alternative zu Elfenbein. Sogar die Barten der großen Wale wurden zu ‚unverzichtbaren‘ Dingen des Alltags verarbeitet: Kragenstäbchen und Sonnenschirmgestellen.

In den 1930er Jahren schätzte man, dass mindestens 50.000 Wale pro Jahr getötet wurden - eine untragbare Zahl. Bei diesem Tempo wäre die Zahl der Sonnenschirme auf der Welt eindrucksvoll gewachsen, jedoch hätte es im Meer bald keine Wale mehr gegeben.

Kurz nach dem 2. Weltkrieg wurde die Internationale Walfangkommission IWC gegründet, um die Walbestände dieser Erde zu schützen und die Walfangindustrie in geregelte Bahnen zu lenken. In den 1980er Jahren zeigte die Walfangindustrie jedoch immer noch keine Anzeichen einer Neuordnung und so kam es zum Moratorium (Aussetzen des Walfangs) ür den kommerziellen Walfang, welches 1986 in Kraft trat.

Walfang nach dem Moratorium

Der Einfluss der öffentlichen Meinung war daran nicht unbeteiligt. In den 1970er Jahren zeichnete sich immer deutlicher die Kritik am Walfang im Zusammenhang mit dem Rückgang der Arten ab, begleitet von der Einschätzung, dass dieser moralisch falsch sei. 1982 stimmte die IWC dafür, ein internationales Walfangmoratorium zu beschließen, welches zwei Jahre später in Kraft trat. Es gab lediglich eine Ausnahme in diesem Moratorium und diese bezog sich auf indigene Völker, die aufgrund ihrer Lebensweise auch zu dieser Zeit noch auf den Walfang angewiesen sein waren. Einige Länder jedoch waren in der Lage, Lücken in diesem Verbot zu nutzen und unter dem Deckmantel der Wissenschaft weiter zu jagen. Andere lehnten das Moratorium von vorneherein ab.

Der ursprüngliche Gedanke war, dass die Zahl der verbleibenden Wale dem kommerziellen Walfang nicht Stand halten würde können und eine Walfangpause den Populationen erlauben würde, sich zu erholen. Doch im Laufe der Jahre verstärkte sich bei vielen Nationen und ihrer Bevölkerung der Gefühl, Walfang sei nicht mehr akzeptabel - egal, wie sich die Bestände erholen würden.

Einige Staaten umgingen das Verbot, allen voran Japan. Jedes Jahr erlaubt das Land seinen Walfängern, eine bestimmte Zahl an Walen zu jagen - alles ‘für die Wissenschaft‘, so heißt es. Viele sind jedoch davon überzeugt, dass dies nur eine Tarnung für kommerziellen Walfang sei. Nach all diesen Jahren haben lediglich zwei Länder (Norwegen und Island) den kommerziellen Walfang zusätzlich wieder aufgenommen und das, obwohl die Mitgliedschaft bei der IWC freiwillig ist und das Instrument über keine Sanktionsmechanismen verfügt. In allen drei Ländern wächst aber die Ablehnung dieser Praxis in der Öffentlichkeit.

Weitere Bedrohungen

Wenn wir an die Gefahren für Wale und Delfine denken, so denkt man zuerst meist an den Walfang. Doch leider gibt es noch eine Reihe von anderen Bedrohungen durch den Menschen, sei es durch Fahrlässigkeit, sei es mit Vorsatz.

Die wohl grausamste Art sind die sogenannten Treibjagden, die vor allem in Japan, versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit, stattfinden. Die Tiere werden mit kleinen Fischerbooten auf dem Meer und zum Strand oder in flache Gewässer getrieben. Aus Angst und Verwirrung verletzen sich die Tiere oft selbst. Am Strand angekommen, werden einige Tiere ausgesucht und an Vergnügungsparks verkauft, wo sie für den Rest ihres Lebens Kunststücke vorführen müssen. Der Rest von ihnen wird brutal abgeschlachtet. Innerhalb weniger Minuten färbt sich das Wasser der Buchten rot vom Blut der Tiere.

Es gibt jedoch auch anderen Bedrohungen, die sie genauso verletzen oder quälen wie die direkte Bejagung. Hier wäre die Problematik des Beifangs zu nennen. So wird das Verheddern der Tiere in großen Fischernetzen bezeichnet, das zu Stress, massiven Verletzungen und sogar zum Tod der Tiere durch Ertrinken führen kann, da sie wie wir auf das Atmen von Luft angewiesen sind. Zwar wurden schon einige Schritte unternommen, um den Beifang zu minimieren, wie zum Beispiel „Falltüren“ in den Netzen, doch bis zur Lösung des Problems ist es noch ein weiter Weg.
Auch die Überfischung der Meere spielt eine große Rolle, denn dadurch wird ihnen ihre Nahrungsgrundlage entzogen, was dazu führen kann, dass die Tiere ihre gewohnten Reviere verlassen, um nicht zu verhungern.

Eine weitere Gefahr hat mit einer der markantesten Fähigkeiten der Tiere zu tun - die sogenannte Echoortung oder Sonar. Viele Wale und Delfine verlassen sich auf ihr Sonar, sie senden unter Wasser Schallimpulse aus, die zurückprallen, sobald sie auf einen Widerstand treffen. So erkennen die Tiere ihre Feinde, Beute und auch die Migrationsrouten. Die menschliche Nutzung des Sonars, zum Beispiel durch U-Boote, kann - genau wie andere Unterwassergeräusche - die Tiere verwirren und sie in falsche Gewässer leiten.

Bedenkt man zudem die Gefahren durch Meeresverschmutzung und die Kollisionen mit Schiffen, wird deutlich, dass es zahlreiche akute und aktuelle Probleme für die Meeressäuger gibt, die nicht gelöst sind.

Wale und Delfine in der Kultur

Es heißt, es gäbe nur drei große Geschichten in der Welt und alles was je geschrieben wurde, sei eine Ableitung oder Kombination von diesen: Junge trifft Mädchen, Junge verliert Mädchen, Mann jagt Wal. Die ersten zwei berühren die Thematik von „Gewinnen und Verlieren“, die unser aller Leben bestimmt. Doch was ist mit der Letzten? In dieser spiegeln sich unser bemühtes Streben, unser Greifen nach den Sternen, unsere Besessenheit, aber auch unsere Belanglosigkeit und unsere selbstzerstörerischen Tendenzen wider.

Es ist kein Zufall. Über Jahrtausende hinweg haben Wale und Delfine höchste Wertschätzung der Menschen genossen.

Delfine tauchen in der griechischen Mythologie auf und fast immer retten sie verlorene Helden aus dem Meer und bringen sie zurück zur Küste. Bei einigen Göttern waren Delfine heilig und teilweise sogar selbst übernatürliche Wesen oder Götter. Der Ganges-Delfin zum Beispiel verkündete den Abstieg des Flussgotts Ganga aus dem Himmel, während dem Amazonasdelfin nachgesagt wurde, er sei ein Gestaltwandler.

Die großen Wale waren umso mysteriöser, da sie von den frühen Menschen so selten angetroffen wurden. In der chinesischen Mythologie gibt es einen Wal mit den Händen und Füßen eines Menschen, der den Ozean kontrolliert. In einigen Kulturen, wie in Ghana und Vietnam, werden Wale mit Göttern assoziiert und erhalten eine traditionelle Zeremonie, wenn sie stranden.

Mit Bewunderung geht oft auch der Wunsch nach Zerstörung einher, mit schrecklichen Konsequenzen. Eine isländische Sage erzählt von einem Mann, der einen Finnwal tötete und zur Strafe durfte er 20 Jahre lang das Meer nicht mehr besuchen. Obwohl er nur noch ein Jahr vor sich hatte, brach er das Verbot und fuhr zur See, wo er sofort von einem Wal getötet wurde. Modernere Geschichten, wie der berühmte Roman Moby Dick, erzählen von ähnlichen psychologischen Merkmalen der Besessenheit und der Selbstzerstörung, die der Mangel an Weisheit mit sich bringt.

Töte einen Wal oder Delfin und du tötest dich selbst, lautet der Untertitel. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelten sich die Tiere in der neuen westlichen Kultur zu quasi-spirituellen Symbolen. Filme wie Free Willy, Whale Rider und Big Miracle spiegelten auch unsere eigenen, inneren Wünsche und Bedürfnisse nach Freiheit und Selbstdarstellung wider. Ihre Rolle in der menschlichen Kultur zeigt, wie tief wir uns mit ihnen verbunden fühlen.