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Willkommen in unserer Welt

Wie viele Wal- und Delfinarten gibt es? Woher kommen sie? Wie funktionieren ihre Gemeinschaften und welche Verhaltensweisen sind typisch für sie? Hier finden Sie die Antworten auf diese und viele weitere Fragen.
Fin whale
Fin whale

Vielfalt

‘Cetacea’ ist die kollektive Bezeichnung für alle Wale und Delfine, die eine große Familie bilden, die auch Ordnung genannt wird.

Doch da die einzelnen Wal- und Delfinarten so unterschiedlich sind, ist die Systematik natürlich komplexer. Zunächst wird bei den Cetaceen (auch ‘Walartige’ genannt) zwischen zwei Gruppen unterschieden: den Bartenwalen und den Zahnwalen. Bartenplatten sind Kamm-ähnliche Borsten, die vom Oberkiefer der meisten Großwale herabhängen und ihnen erlauben, diese bei der Nahrungsaufnahme wie eine Art Filter einzusetzen. Wenn Wale ihre Mäuler öffnen, fließt Wasser mitsamt der Beute - wie Krill oder kleine Fische - hinein. Das Wasser wird später durch die Barten wieder hinausgedrückt, doch die Nahrung verbleibt im Maul – bereit zum Herunterschlucken. Blau-, Buckel-, Grau- und Glattwale gehören alle zur Gruppe der Bartenwale.

Die große Mehrzahl der Walartigen gehört jedoch zur Gruppe der Zahnwale und ähnelt im Fressverhalten den meisten anderen Fleischfressern. In diese Kategorie gehören Schnabelwale, Delfine und Schweinswale. Auch der Pottwal ist hier zu finden – der einzige große Wal in dieser Gruppe. Ebenso gehören Beluga und Narwal zu den Zahnwalen.

Die Familie der Delfine macht den größten Teil der Zahnwale aus. Zu ihr gehört auch der Orca, oder Schwertwal, sowie die Pilotwale. Delfine sind in allen Weltmeeren zuhause und unterscheiden sich in Größe und Färbung, nähern sich jedoch selten weiter als bis in Buchten oder Meeresarme. Es gibt jedoch ein paar wenige Arten, die in Süßwasser leben. Man findet sie in einigen der größten Flüsse der Welt. Traurigerweise wurde einer von diesen Flussdelfinen, der Jangtse-Flussdelfin, 2007 praktisch für ausgestorben erklärt.

Am wenigsten ist über die Schnabelwale bekannt, da sie normalerweise in den tieferen Gewässern beheimatete sind. Es gibt insgesamt mindestens 20 verschiedene Arten.

Schweinswale kann man von Delfinen anhand ihrer runderen Schnauze und ihren flacheren Zähnen unterscheiden.

Mit einer solchen Bandbreite an Fähigkeiten, Fressgewohnheiten, Verhaltensmustern und mehr, können sich Wale, Delfine oder Schweinswale problemlos allen Lebensumständen im Wasser anpassen.

Gemeinschaft

Um einmal mit einem bekannten Vorurteil aufzuräumen: Kein Wal oder Delfin lebt gern ganz für sich allein. Diese Meeressäuger sind äußerst soziale Tiere, die manchmal in riesigen Gruppen von 1000 oder mehr Tieren zusammenkommen.

Diese umfangreichen Gemeinschaften sind nicht nur zur Gesellschaft da. Sie weisen komplexe Strukturen und unterschiedlichste Typen von Wechselbeziehungen auf, die nur durch stärkste soziale Verbundenheit entstehen können. In manchen Delfingruppen bleiben beispielsweise kleine Gruppen von Delfinen an der Seite von verletzten oder kranken Tieren und unterstützen sie, wenn es notwendig ist, sogar dabei, an die Wasseroberfläche zu gelangen, um zu atmen. Dieses “Sozialstaat”-Prinzip macht nicht einmal vor anderen Arten halt – man hat schon Delfine beobachtet, die größeren Tieren dabei geholfen haben, sie aus seichten Gewässern, wo sie gestrandet waren, wieder ins offene Meer zu führen.

In Wal- und Delfingemeinschaften ist die Rollenverteilung sehr wichtig. Ältere Tiere handeln oft als Ersatzeltern oder Kindergärtner, sodass die Verantwortung in der Gruppe geteilt werden kann. Nahrungssuche, Wanderverhalten, Gruppenspiele und vieles anderes basiert auf diesen starken Sozialsystemen.

Kommunikation ist bei all diesen Dingen von entscheidender Bedeutung, und Wale und Delfine habe eine der umfangreichsten bekannten Sprachen entwickelt. Klicks, Grunzen, Pfiffe, Rufe, Gesänge und andere Klänge von außergewöhnlicher Vielfalt statten die Tiere mit einem großen Vokabular aus, das alle möglichen Situationen abdeckt. Forscher versuchen immer noch, diese Sprachen in ihrer ganzen Komplexität zu entschlüsseln, und es wird noch einige Zeit dauern, bevor wir auch nur ansatzweise die ganze Bandbreite verstehen werden.

Eines ist sicher: Der Schlüssel zu einem erfüllten Leben von Walen und Delfinen liegt in ihrer Gemeinschaft.

Zurück ins Wasser

Es gibt viele Säugetiere, die Zeit im Wasser verbringen. Robben, Seelöwen, Walrosse, Schermäuse, Schnabeltiere und viele mehr können für längere Zeit über oder unter der Wasseroberfläche schwimmen, aber jedes von ihnen lebt auch an Land. Genau das macht den Unterschied zu Walen und Delfinen aus: Sie leben ausschließlich im Wasser.

Es ist also keine Überraschung, dass diese Tatsache Forscher über Jahrhunderte verblüffte. Wieso nur hätte sich ein Säuger, der atmen muss und der eine Knochenstruktur inklusive verkümmerter Extremitäten aufweist, die für Bewegungen an Land gedacht sind, ausschließlich im Wasser entwickeln sollen? “Wieso in aller Welt” war die Frage, die sich am Ende selbst beantwortete.

Ursprünglich ging man davon aus, dass Wale und Delfine mit einer ausgestorbenen Gruppe behufter, fleischfressender Säuger verwandt wären, deren Zähne den ihren ähnelten. In den letzten Jahrzehnten hat man allerdings ein bemerkenswertes Tier namens Pakicetus entdeckt, das ähnlich positionierte und geformte Ohrknöchelchen und ähnlich angeordnete Zähne wie moderne Wale aufwies. Viele der 40 bis 50 Millionen Jahre alten Pakicetus-Fossilien wurden in der Nähe von Gewässern gefunden, sodass man heute davon ausgeht, dass sie Meeressäuger waren, nämlich die Vorfahren von Walen und Delfinen selbst. Die Tatsache, dass die modernen Nachfahren Fleischfresser sind, lässt darauf schließen, dass sie eine ökologische Nische im Wasser fanden, dort blieben und sich dort stetig weiterentwickelten, bis sie ihre Fähigkeiten für das Landleben nicht mehr brauchten.

Tatsächlich glauben viele, dass der nächste lebende Verwandte von Walen und Delfinen ein anderer Säuger ist, der viel Zeit im Wasser verbringt - das Flusspferd.

Verhalten

Wenn man schon Wale oder Delfine auf offener See beobachtet oder auch nur Fotos von ihnen gesehen hat, dann weiß man, dass es oft mehr anzuschauen gibt als bloß die Finne, die aus dem Wasser sticht. Kopf, Fluke, manchmal auch der ganze Körper werden da aus dem Wasser katapultiert und dies geschieht in unterschiedlichen prachtvollen Verhaltensgebärden, die jede für sich etwas Spezielles bedeuten.

Vielleicht haben Sie bereits Delfine gesehen, die auf der Bugwelle von Boten schwimmen: dieses Verhalten heißt auch ‘bow-riding‘ und muss den Tieren viel Spaß machen. Wenn es ruhiger zugeht, sieht man die Tiere manchmal auch beim ‘logging‘, was so viel bedeutet, wie dass sie auf der Wasseroberfläche treiben; eine tolle Position, um Energie zu sparen.

Dann gibt es noch das ‘lobtailing‘, manchmal auch ‘tail-slapping‘ genannt: Das Tier schlägt mit seiner Fluke (seinem Schwanz) hart auf das Wasser auf. Man vermutet, dass die Tiere dies tun, um ein lautes Geräusch zum Erschrecken oder Verwirren ihrer Beute zu erzeugen. Wenn der andere Teil des Körpers erscheint, beispielsweise der Kopf, um sich umzusehen, dann heißt das ‘spyhopping‘.

Zweifelsfrei ist das Springen der Wale am aufregendsten für uns Menschen. Buckelwale mögen es besonders, aus dem Wasser herauszuspringen und es gibt unzählige Theorien, warum sie das tun. Vielleicht, um Parasiten loszuwerden, vielleicht auch, um einen ähnlichen Effekt wie beim ‘lobtailing‘ zu erreichen; es könnte jedoch auch ein Element der Kommunikation innerhalb sozialer Gruppen sein... Vielleicht macht es dem Wal auch einfach nur unheimlich viel Spaß.

Wussten Sie schon..?

  • Das Horn des Narwals ist in Wirklichkeit ein Eckzahn, der bis zu 3m lang werden kann. Es wird vermutet, dass es sich dabei um ein sexuelles Statussymbol der Männchen handelt, ähnlich der Mähne eines Löwen, welches hilft die Stellung innerhalb der Hierarchie zu festigen.
  • Pottwale können bis zu 3km tief tauchen und bis zu 2 Stunden unter Wasser bleiben. Aber was machen sie da unten? Eine ihrer Leibspeisen ist der Riesenkalmar, der in den Tiefen der Ozeane lebt. Gelegentlich weisen Pottwale tiefe Narben auf, die sie sich bei ihren Tiefseekämpfen zugezogen haben.
  • Es gibt eine Spezies unter den Zahnwalen, die als „Perrin-Schnabelwal“ bekannt geworden ist und bisher noch von niemandem lebend gesichtet wurde. In den 1970er Jahren wurden an der kalifornischen Küste einige tote Tiere gefunden und fälschlicherweise für eine andere Art gehalten. Später zeigten jedoch DNA-Untersuchungen, dass es sich um eine völlig neue Spezies handelte, die der Wissenschaft noch nicht bekannt war. Man gab ihr den Namen „Perrin-Schnabelwal“, seitdem hat niemand mehr ein Tier dieser Art identifiziert.
  • Alle Zahnwale haben eine sogenannte Melone. Das klingt eher seltsam, wenn man nicht weiß, dass es sich dabei um ein Organ aus Fett und Bindegewebe handelt, welches hinter der Stirn der Tiere sitzt und die Echoortung ermöglicht. Bei einigen Arten, wie dem Beluga, kann die Melone eine deutlich abgerundete Stirn oder Einbuchtung verursachen, was man deutlich sehen kann.
  • Belugas, die komplett weißen Zahnwale der Arktis, werden oft als die Kanarienvögel des Meeres bezeichnet, da sie sehr hohe Töne von sich geben können.
  • Die großen Furchenwale haben ausgeprägte Rillen, die von ihren Mäulern entlang der Körperunterseite verlaufen. Diese „Rillen“ sind eigentlich Hautfalten, die es den Walen ermöglichen, ihr Maul beim Fressen weit aufzureißen.