Wie nachhaltig ist die Delfinzucht in Europa und Deutschland?

Delfin im Delfinarium
Delfin im Delfinarium
In öffentlichen Diskussionen und den Medien wird immer wieder über den Erfolg bzw. Misserfolg der Delfinzucht in Deutschland diskutiert. Tierschützern wird dabei oftmals vorgeworfen, ausschließlich die Todesfälle in Delfinarien zu bemängeln, nicht aber die erfolgreichen Geburten, wie etwa im Delfinarium in Duisburg, angemessen zur Kenntnis zu nehmen.

Sachlichkeit anstatt Polemik

Unabhängig von jeglicher Polemik sollte hier nicht die Realität aus den Augen gelassen werden:  Eine Aussage, ob die Nachzucht nachhaltig ist, sich also die in Gefangenschaft gehaltene Population selbst erhält oder nicht, kann nicht auf Grund von Einzelfällen getroffen werden. Dazu bedarf es einer statistischen Analyse. Leider ist diese öffentlich nicht zugänglich und selbst die Nürnberger Zooleitung musste in dem Gerichtsverfahren mit WDC einräumen, dass diese Unterlagen auch dem Zoo nicht zur Verfügung gestellt würden. Tatsache ist aber, dass sich alle Fachleute darüber einig sind, dass die Delfinhaltung problematisch und langfristig nicht gesichert ist. Diese Information ist jeder Fachkraft aber auch jedem Laien aus den jährlichen Veröffentlichungen der Europäischen Zoogemeinschaft zugänglich. Dort heißt es: “The neonatal mortality remains a serious problem for the whole European bottlenosed dolphin population.”

Nürnberger Zoo-Akten

Auf Grund einer Vielzahl verstorbener Delfine im Nürnberger Delfinarium in den Jahren 2006 und 2007 hatte WDC versucht, vollständige Akteneinsicht zu erhalten, die jedoch von der Tiergartenleitung als auch der Stadt abgelehnt wurde. Daraufhin bestritt WDC den Rechtsweg und erhielt sowohl in erster als auch in zweiter Instanz Recht.

Das Urteil stellt ein Grundsatzurteil  für die Anwendung des Umweltinformationsgesetzes in Bezug auf die Haltung von Wildtieren in Zoos und Tierparks dar und ermöglicht erstmals eine unabhängige, wissenschaftliche Evaluierung sämtlicher Akten über Haltungsbedingungen von Delfinen in einem Delfinarium innerhalb der Europäischen Union. 

Ein Kernpunkt in der gesamten Diskussion ist die Frage nach der Nachhaltigkeit der Zucht in Europäischen Delfinarien. Die zugrundeliegende Statistik des Zuchtbuches oder das Zuchtbuch selber wird aber einer wissenschaftlichen Evaluation nicht zugänglich gemacht.

Wildfänge erhalten in-situ Delfinpopulationen in der EU

WDC ist der Ansicht, dass die Zoos auch in Zukunft weiterhin auf Wildfänge angewiesen sind. WDC liegen Informationen vor, nach denen die gesamte Bestandserweiterung der europäischen Delfinarien in den Jahren von 1998 bis 2006 durch Wildfänge zustande gekommen ist. Obwohl es in Europa verboten ist, Wildfänge zu importieren oder selbst zu fangen, gibt es Beispiele, dass Tiere durch die Nutzung von Gesetzeslücken in die EU importiert wurden.

Der zeitlich befristete Erfolg oder Misserfolg einzelner Anlagen spielt bei der Gesamtbetrachtung keine Rolle und sollte daher nicht zu hoch gewichtet werden.