Wale und Delfine in deutschen Gewässern

Harbour Porpoise
Harbour Porpoise
Schweinswal, Großer Tümmler, Nördlicher Zwergwal, Weißschnauzendelfin

Unglaublich, aber wahr: Auch in unseren heimischen Gewässern kann man mit etwas Glück Wale und Delfine beobachten. Abgesehen von vereinzelten Sichtungen von z.B. Pott- oder Finnwalen, kommen vor allem Delfine wie der Große Tümmler, der Weißschnauzendelfin  oder auch der Zwergwal, der kleinste Vertreter der Großwale, mehr oder weniger häufig in Nord- und Ostsee vor. Einer der kleinsten Wale unserer Erde, der Schweinswal, ist sogar bei uns zuhause.

Harbour Porpoise
Harbour Porpoise

Schweinswale

Schweinswale (Phocoenidae) sind eine Familie kleiner Zahnwale mit insgesamt sechs Arten in vier Gattungen. Sie sind mit den Delfinen verwandt, unterscheiden sich jedoch in einer Reihe anatomischer Merkmale. Besonders charakteristisch ist die Form des Kopfes und der Zähne. Am bekanntesten in Europa ist der Gewöhnliche Schweinswal (Phocoena phocoena) mit Vorkommen um die Britischen Inseln, Norwegen, Grönland, aber auch in Nord- und Ostsee. Er wird bis zu 1,85m lang und seine Farbe ist oberseits schwarz und unterseits weiß.
Schweinswale bevorzugen vor allem flache Gewässer. Nicht selten wandern sie im Frühjahr in die Küstengewässer und im Herbst in küstenfernere Gebiete. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Fischen, welche sie am Meeresgrund suchen. Schweinswale leben meistens als Einzelgänger oder in Zweierverbänden. Größere Gruppen bis maximal sieben Tiere werden als Schulen bezeichnet und werden eher selten beobachtet.

Große Tümmler

Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) ist grau gefärbt und hat einen hellen Bauch. In europäischen Gewässern kann er bis zu 3,5 Metern und länger werden. Er hat eine braune bis dunkelgraue Rückenfärbung übergehend in hellgraue Flanken und einen weißen, ungefleckten Bauch. Der Große Tümmler ist eine der bekanntesten Delfinarten weltweit. Er kommt in verschiedenen Unterarten in fast allen Weltmeeren vor und war früher auch an deutschen Küsten zuhause. Gemäß der Roten Liste Deutschland gilt der Große Tümmler in Deutschland (ähnlich wie in den Niederlanden) seit 1970 als ausgestorben. Dank der ökologischen Flexibilität der Art ist jedoch nicht auszuschließen, dass sie in Zukunft wieder an die Nordseeküste zurückkehren könnte, wenn angemessene Schutzräume vorhanden sind.

Nördliche Zwergwale

Der Nördliche Zwergwal (Balaenoptera acutorostrata) gehört zur Familie der Furchenwale . Er erreicht eine durchschnittliche Länge von 8 bis 9,5 Meter sowie ein Gewicht von 5,5 bis 7 Tonnen. Man trifft den Nördlichen Zwergwal für gewöhnlich einzeln oder in kleinen Gruppen von zwei bis drei, selten bis zu fünf Individuen. Zwergwale gelten als gute und ausdauernde Schwimmer.
Der Nördliche Zwergwal ist mit zwei Unterarten in allen Ozeanen der nördlichen Hemisphäre anzutreffen. Ihre Nahrungsgründe liegen hauptsächlich in den polaren Gewässern und die Geburtsstätten der Kälber in subtropischen und tropischen Gewässern nahe des Äquators. Sie verbringen den Winter in wärmeren Gewässern, den Sommer in polaren Gewässern.
Aktuellen Studien zufolge wird der Nördliche Zwergwal regelmäßig in der deutschen Doggerbank gesichtet. Der Zwergwal wird in Europa durch Norwegen, Island und Grönland (Dänemark) sowie im Pazifik durch Japan immer noch bejagt.

Weißschnauzendelfin

Der Weißschnauzendelfin (Lagenorhynchus albirostris) wird um die 3 Meter lang und 350 kg schwer. Trotz seines Namens sind die Schnauzen vieler Delfine grau oder sogar schwarz gefärbt, die Schnabelspitze ist jedoch stets weiß. Der Lebensraum der Weißschnauzendelfine sind die kalten Gewässer des Nordatlantiks.
Weißschnauzendelfine gelten als sehr aktive Tiere. Ihre Gruppengröße variiert von fünf bis zu mehreren Tausend Tieren. Bei der Nahrungssuche bilden sie oft auch gemischte Gruppen mit Großen Tümmlern oder Atlantischen Weißseitendelfinen.
Obwohl der Weißschnauzendelfin nicht als gefährdet eingestuft ist, stellen gezielte Bejagung in einigen Ländern, Beifang in der Fischerei, aber auch Umweltverschmutzung und der Klimawandel eine immer größere Gefahr dar.

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