Die südlichen ortstreuen Schwertwale (Southern Residents)

Southern Resident orca
Southern Resident orca
Schwertwale sind die am weitesten verbreitete Wal- und Delfinart weltweit. Aber Schwertwal ist nicht gleich Schwertwal. Sie unterscheiden sich genetisch, durch ihr Aussehen und Verhalten, durch ihre Kommunikation und durch die verschiedenen Beutetiere, die sie bevorzugen.

Wer sind die südlichen ortstreuen Schwertwale?

Die südlichen ortstreuen Schwertwale sind eine vom Aussterben bedrohte Orca-Population. Im Sommer sind sie vor allem in den Gewässern von Washington State (USA) bis ins südliche British Columbia (Kanada) zu finden. Ihr Verbreitungsgebiet im Winter ist noch weitgehend unbekannt. Sie ernähren sich fast ausschließlich von Lachs und bevorzugen den Königslachs. Die Population ist in drei Familiengruppen (Pods) unterteilt, die mit den Buchstaben J, K und L bezeichnet wurden: J-Pod, K-Pod und L-Pod. 

Warum sind sie vom Aussterben bedroht?

In den 1960er und 70er-Jahren wurden mindestens 47 Mitglieder der südlichen ortstreuen Schwertwale ihrem natürlichen Lebensraum entrissen. Sie wurden entweder in Delfinarien gebracht oder sind bereits bei den Fangaktionen oder kurz danach verstorben. Nur 70 Individuen zählte die Population noch, als die Fangaktionen beendet wurden. Im Jahr 2005 wurden die südlichen ortstreuen Schwertwale mit einer Populationsgröße von 88 als „vom Aussterben bedroht“ erklärt. Doch leider konnte sich die Population nicht erholen. Heute zählen nur noch 78 Orcas (Stand Januar 2017) zur Gemeinschaft! Von den gefangenen Orcas lebt heute nur noch ein Weibchen: Tokitae wurde am 8. August 1970 in Penn Cove auf Whidbey Island gefangen. Seit September 1970 wird sie im Miami Seaquarium gehalten und unter dem Namen "Lolita" in Unterhaltungsshows eingesetzt. 

Welchen Gefahren sind sie ausgesetzt?

1. Umweltverschmutzung

Langlebige Schadstoffe wie Insektizide (z. B. Dichlordiphenyltrichlorethan, kurz DDT), Chlorverbindungen (Polychlorierte Byphenyle, PCB) und Flammschutzmittel (Polybromierte Diphenylether, PBDE), die ins Meer gelangen, verbreiten sich im Nahrungsnetz und landen somit in hohen Konzentrationen bei den Spitzenjägern der Meere, den Schwertwalen. Obwohl einige dieser Stoffe bereits seit Jahren verboten sind, wurden sie in der Fettschicht der Orcas gespeichert und werden so auch an die Nachkommen übertragen. Die Schwertwale im Pazifischen Nordwesten gehören zu dem am stärksten mit Umweltgiften belasteten Meeressäugern weltweit!

2. Lärm und Störungen

Die Gewässer zwischen Vancouver Island in Kanada und dem US-Bundesstaat Washington (seit 2009 offiziell „Salish Sea“ genannt) sind nicht nur die Heimat der bedrohten Schwertwale, sondern auch von Schiffen verschiedenster Art hochfrequentiert: Containerschiffe, Öltanker, Fähren, Schlepper, Fischereiflotten sowie Privat- und Walbeobachtungsboote. Der Schiffslärm ist unter Wasser noch wesentlich lauter als wir Menschen ihn wahrnehmen und er stört die Kommunikation zwischen den Schwertwalen in hohem Maße. Sie müssen viel Zeit dafür aufwenden, Schiffen auszuweichen. Das kostet Energie und verlängert die so wichtige Futtersuche. 

Southern Resident orcas

3. Nahrungsverknappung

Das Überleben der südlichen ortstreuen Schwertwale hängt unmittelbar von ihrer Hauptnahrungsquelle ab: dem Lachs. Auch wenn sie sich von verschiedenen Fischarten ernähren, der Königslachs macht über 80 % ihrer Nahrung aus. Doch viele Königslachs-Populationen sind selbst vom Aussterben bedroht, vor allem durch die Dezimierung ihres Lebensraums und ihrer Laichgebiete. Das Lachsvorkommen an der Pazifikküste der USA und Kanadas hat also direkte Auswirkungen auf die Überlebens- und Geburtenrate der Orcas.

Dämme versperren den Lachsen den Weg zu ihren Laichgebieten und verändern Fluss-Systeme. Dies führt zu einem erheblichem Rückgang der Lachsbestände. Fehlende Nahrung gefährdet das Überleben der südlichen ortstreuen Schwertwale und verstärkt die Auswirkungen anderer Gefahren. Das Entfernen von Dämmen und die Renaturierung von Flussläufen helfen dabei, dass sich die Lachsbestände erholen können und somit die Schwertwale wieder leichter ausreichend Nahrung finden.