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Schweinswale in Deutschland

Auch in Nord- und Ostsee kann man mit etwas Glück Wale und Delfine beobachten! Vereinzelt kommen zum Beispiel Pott-, Finn- oder Buckelwale vor, etwas häufiger sieht man Delfine wie den Großen Tümmler, den Weißschnauzendelfin oder den Zwergwal. Einer der kleinsten Wale unserer Erde, der Schweinswal, ist jedoch dauerhaft bei uns zuhause und trotz Schutzgebieten stark gefährdet.
Harbour Porpoise
Harbour Porpoise

Der Schweinswal (Phocoena phocoena) wird etwa 1,60 m lang. Das bekannte Höchstalter liegt bei 23 Jahren, allerdings werden die meisten Schweinswale nicht älter als 12 bis 15 Jahre. Sie bevorzugen flachere Küstengewässer, in denen sie sich meist allein oder als Mutter-Kind-Paar bewegen.

Sind Schweinswale nicht auf Nahrungssuche, schwimmen sie mit ca. sieben km/h dicht unter der Wasseroberfläche und kommen zwei- bis viermal pro Minute an die Wasseroberfläche um Luft zu holen. Dabei wandern sie mitunter auch die Flüsse aufwärts und sind dann weit entfernt vom Meer zu sehen (z.B. im Frühjahr in Weser und Elbe, aber auch im Jadebusen und in der Ems). Solche Sichtungen haben besonders in den letzten Jahren zugenommen. Schweinswale können bis zu sechs Minuten lang unter Wasser bleiben und mehrere Hundert Meter tief tauchen. Sie fressen hauptsächlich kleine Fische aber gelegentlich auch Würmer, Schnecken, Krebse und Tintenfische.

Zum Weltbestand gibt es nur Schätzungen. Obwohl die Art insgesamt als nicht gefährdet gilt, ist z.B. die Population der zentralen Ostsee akut vom Aussterben bedroht, da sie nur noch wenige Hundert Tiere umfasst. Heute geht die größte Gefahr von Fischernetzen aus, in denen jedes Jahr tausende Schweinswale sterben. Stellnetze sind für Schweinswale besonders gefährlich, da die Tiere nahe am Meeresgrund nach Nahrung suchen.  Jedes Jahr sterben mehr Schweinswale durch Fischernetze als neue geboren werden. Weitere Gefahren sind Unterwasserlärm, chemische Verschmutzung, Störung (z.B. durch Tourismus), Schiffsverkehr, Klimawandel, Lebensraumverlust sowie fehlende Nahrung (z.B. durch Überfischung).

Schweinswal
Schweinswal

Vorkommen in deutschen Gewässern

Schweinswale leben ganzjährig sowohl in der Nord- als auch in der Ostsee. Manchmal unternehmen sie saisonale Wanderungen, wobei sie ihrer Beute folgen oder der winterlichen Kälte ausweichen. Im Gebiet vor Sylt, in der Eckernförder und der Kieler Bucht aber auch um Fehmarn kann man sie regelmäßig beobachten, teilweise sogar von Land aus.

Insgesamt gibt es mindestens vier Populationen in deutschen Gewässern: eine in der Nordsee, zwei in der westlichen Ostsee sowie den winzigen (Rest)Bestand der zentralen Ostsee. Vor allem die Bestände in der Ostsee sind in den vergangenen Jahren immer kleiner geworden, da der Mensch stark in den Lebensraum der Schweinswale eingreift.

Schweinswalschutzgebiet Sylt

Das Land Schleswig-Holstein hat schon im Jahr 1999 die Gewässer vor der Insel Sylt zu einem speziellen Schutzgebiet für Schweinswale erklärt. Regelmäßig kann man in den Sommermonaten Schweinswale vor Sylt sehen. Dennoch wird das Schutzgebiet nach wie vor touristisch fast uneingeschränkt genutzt, Abwässer verschmutzen das Meer, Fischer verwenden Stellnetze und es finden militärische Übungen statt. Das wichtige Schutzgebiet vor Sylt bietet den Schweinswalen daher nicht genug Schutz!

Schweinswale in Elbe und Weser

Nach fast 100jähriger Abwesenheit kehren die Schweinswale in die großen norddeutschen Flüsse Ems, Jade, Weser und Elbe zurück. Ein Sichtungsprogramm hat gezeigt, dass die Kleinwale in der Zeit von März bis Juni vermehrt im Mündungsbereich und im küstennahen Verlauf der Flüsse zu sehen sind. Manchmal schwimmen sie sogar bis nach Bremen und Hamburg um ihrer Beute zu folgen: Fischen auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Die zahlreichen Funde von toten Schweinswalen entlang der Elbe sind ein trauriger Beweis für die vielen Gefahren, denen Schweinswale in den stark befahrenen Wasserstraßen ausgesetzt sind. Insbesondere die Schiffsschrauben von Motorbooten, die durch Bauarbeiten aufgewirbelte Giftstoffe und der extreme Lärm stellen eine große Gefahr für die kleinen Wale dar. Der Verein Schweinswal e.V. widmet sich gezielt der Erforschung, Sichtung und Dokumentation von Schweinswalen in den Flüssen und setzt sich für den verbesserter Schutz der Schweinswale mit konkreten praktischen Schutzmaßnahmen und die Bekanntheit der scheuen Flussbesucher ein.

Beifang – der leise Killer

Technisch hoch entwickelte Fischfangmethoden und die Zunahme moderner kommerzieller Fangflotten haben katastrophale Auswirkungen auf Wal- und Delfinbestände weltweit: Hunderttausende Wale und Delfine verenden jedes Jahr in Fischernetzen. Hinter dieser erschreckenden Statistik steht vor allem unvorstellbares Leid. Einmal in einem Fischernetz verfangen, ringen Wale und Delfine um ihr Leben. Den Kampf verlieren sie fast immer.

In Deutschland sind gerade in Küstennähe vor allem Stellnetze eine tödliche Falle für Kleinwale. Stellnetze dürfen bis zu 21 km lang sein (länger als die Insel Fehmarn!) und sind somit eine tödliche Falle für Schweinswale. Die dünnen Kunststoffnetze  können von den Schweinswalen mit Echolokation offenbar nicht geortet werden. Vor allem junge und unerfahrene Tiere verfangen sich darin und ersticken kläglich.

Schweinswal-Baby
Schweinswal-Baby

Meeresschutzgebiete in Deutschland

Seit 2007 gibt es acht sogenannte „Flora-Fauna-Habitat-Gebiete“ (FFH-Gebiete). Diese und weitere Gebiete in den Küstengewässern stellen Deutschlands Beitrag zum Natura 2000-Netzwerk mariner Schutzgebiete dar, zu dem sich das Land gemäß der EU FFH-Richtlinie verpflichtet hat. In diesen Gebieten sollte unter anderem der Schweinswal besonders geschützt werden. Doch dieser Schutzstatus besteht bisher nur auf dem Papier.

Nach wie vor verwenden Fischer in den FFH-Gebieten fast flächendeckend zerstörerische Fangmethoden, es finden militärische Übungen in und um die Gebiete statt, es fahren massenweise Schiffe durch die Schutzzonen und Abwässer sowie Müll verschmutzen das Meer. Hinzu kommt der teils ohrenbetäubende Lärm durch industrielle Aktivitäten des Menschen.

Die von der Bundesregierung 2016 vorgelegten Maßnahmenkataloge schließen praktisch keine menschlichen Aktivitäten von vorne herein aus. Damit bleiben diese Schutzgebiete leider so genannte „paper parks“, also Schutzgebiete die nur auf dem Papier bestehen. Effektiver Meeresschutz sieht anders aus!

Schweinswal
Schweinswal

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  • setzen wir uns im Dialog mit Politikern, Behörden und Entscheidungsträgern sowohl national als auch bei der EU für effektive Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee ein.
  • leisten wir Bildungsarbeit, um Menschen für den Schutz der Schweinswale zu sensibilisieren.
  • treten wir in einen konstruktiven Dialog mit Fischern, Umweltschützern und Wissenschaftlern, um den Einsatz alternativer Fischfang-Methoden zu fördern.
  • setzen wir uns für Schallschutzmaßnahmen beim Bau von Windparks ein.

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