Müll im Meer

Marine Litter / Müll im Meer
Marine Litter / Müll im Meer
Die Verschmutzung der Meere insbesondere durch Plastik ist zu einem globalen Problem geworden. Der Großteil des Meeresmülls kommt vom Festland und wird über Flüsse in die Ozeane gespült. Der Abfall stellt eine direkte Gefahr für das Leben im Wasser dar. Tiere wie Wale und Delfine verheddern sich darin oder verwechseln den Müll mit Nahrung. Darüber hinaus zerstört der Müll Korallen, verdreckt Strände und gefährdet die menschliche Gesundheit, denn auch Fische nehmen ihn auf.

Studien schätzen, dass jährlich etwa 100.000 Meeressäuger an der hohen Müllbelastung im Meer sterben. Jedes Jahr gelangen durch private Haushalte und die Industrie bis zu 12.7 Millionen Tonnen Abfälle ins Meer, das sind bis zu 400 kg pro Sekunde. Rund 80 Prozent des Mülls stammt vom Festland, davon sind etwa 80 % aus Plastik. Die restlichen 20 Prozent Meeresmüll entstehen durch Fischerei und Schifffahrt.

Müll im Meer – eine unsichtbare Gefahr

Das gesamte Ausmaß dieses Problems ist für uns Landbewohner nicht wirklich sichtbar, denn 70 Prozent des Mülls landet auf dem Meeresgrund. Es gibt regelmäßig Berichte von Forschungs-U-Booten, die Müll in Meerestiefen entdeckt haben, in denen noch nie zuvor ein Mensch gewesen ist.

Die restlichen 30 Prozent werden an Land gespült, treiben in der Wassersäule oder an der Oberfläche. Durch Meeresströmungen wird der schwimmende Müll in großen Arealen zusammengetrieben, wodurch sich riesige Müllstrudel bilden und Flächen so groß wie Mitteleuropa mit Müll bedecken. Naturgemäß sind das auch Orte, die reich an Nahrung sind. 

Aus was besteht der Müll?

Der Meeresmüll besteht zu 80 Prozent aus Plastik, das durch seine Langlebigkeit von bis zu mehreren 100 Jahren die größte Gefahr für das Leben im Meer darstellt. Die restlichen 20 Prozent setzen sich überwiegend aus Glas, Holz und Papier zusammen.

Mikroplastik:

Als Mikroplastik bezeichnet man alle Kunststoffteile, die kleiner als fünf mm sind. Wissenschaftler haben bereits mehrfach gezeigt, dass diese Partikel von Muscheln und anderen kleineren Meereslebewesen aufgenommen werden, wodurch Mikroplastik ins Nahrungsnetz gelangt.

Es gibt im Wesentlichen vier Quellen für Mikroplastik:

  1. Die erste Quelle ist die Herstellung von Plastikprodukten selbst. Das Grundmaterial hierfür sind  kleine Plastikkügelchen (Plastik-Pellets), die sehr leicht beim Transport oder der Herstellung in die Umwelt gelangen können.
  2. Diese Kügelchen werden unter anderem in Zahnpasta, Peelings und anderen Drogerieartikeln verwendet. Da sie so klein sind, gelangen sie über das Abwasser unserer Haushalte an den Filtern der Kläranlage vorbei in die Natur.
  3. Auch unsere Kleidung ist zum Teil aus Synthetik, also aus Plastikfasern. Bei jedem Waschgang werden feine Kunststofffasern aus der Kleidung gespült und gelangen wie die Drogerieartikel über das Abwasser in die Natur.
  4. Mikroplastik entsteht auch aus Makroplastik, also aus größeren Plastikteilen, die durch Wind und Wetter immer weiter zerkleinert werden.

Geisternetze

Regelmäßig gibt es Berichte über Wale, die aus sogenannten Geisternetzen befreit werden. Diese Netze wurden von Fischern achtlos im Meer entsorgt oder nicht ausreichend befestigt, so dass sie sich durch Wind und Wetter selbstständig gemacht haben. Als Konsequenz verfangen sich weiterhin Meeresbewohner in diesen herumschwimmenden Netzen.

Müll – eine ernstzunehmende Bedrohung für Wale und Delfine

Durch die Meeresverschmutzung entstehen verschiedene Gefahren für Wale und Delfine. Untersuchungen von Mägen gestrandeter Wale zeigen, dass vor allem Plastiktüten, aber auch Strohhalme, Netzreste, Plastikbecher, Eimer und Seilreste mit Nahrung verwechselt wurden.

Kunststoffe sind besonders problematisch für Meereslebewesen. Eine Eigenschaft von Kunststoffen ist, dass sie sehr leicht organische Schadstoffe wie PCB an sich binden. Diese gelangen dann in die komplexen marinen Nahrungskreisläufe und belasten die Gesundheit vieler unterschiedlicher Meeresbewohner. Immer mehr Studien zeigen die verheerenden Auswirkungen von Plastikmüll auf Wale und Delfine.

Besonders in Geisternetzen sterben viele Wale und Delfine, da sie sich beim Versuch, sich aus den Netzen zu befreien, meist noch mehr verfangen und letztendlich stark in ihren Schwimm- und Fressmöglichkeiten eingeschränkt sind. Unter Umständen ertrinken sie sogar oder verhungern langsam, da sie sich bei der Nahrungssuche nicht mehr normal bewegen können.

Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn um zu weiteren Erkenntnissen über die Auswirkungen von Müll auf Wale zu gelangen, muss ein Walkörper erst einmal gefunden werden. Die meisten Wale und Delfine, die nach dem Verschlucken von Müll oder dem Verfangen in Abfall sterben, verenden auf dem offenen Meer und tauchen somit erst gar nicht in den Statistiken auf.

Plastiktüte am Strand
Plastiktüte am Strand

Was macht WDC gegen den Müll im Meer

Seit 2003 beschäftigt sich das Umweltprogramm der Vereinten Nationen mit Meeresmüll und publiziert Studien. Bei der Anschlusskonferenz zu Meeresmüll in Berlin im Jahr 2011 nahm auch WDC teil. Durch unseren konstanten Einsatz auf internationaler politischer Ebene sorgen wir regelmäßig dafür, dass Lösungsansätze diskutiert und etabliert werden. Beispielsweise konnten wir 2013 bei der UN-Konferenz die Bedrohung für Wale und Delfine durch Geisternetze auf die politische Agenda heben.

WDC klärt regelmäßig in Schulen und Kindergärten über Müll im Meer auf und gibt praktische Tipps für den Alltag.

Es ist wichtig, dass weiterhin wissenschaftliche Daten über Meeresmüll und seine Auswirkungen auf Wale und Delfine gesammelt werden. So können wir das Problem besser verstehen und in Zukunft, die Meeressäuger vor dieser Gefahr zu schützen.